Warum Sie in Bremerhaven besser keine Möwen füttern sollten

Wer in Bremerhaven Möwen füttert, nimmt ein Bußgeld in Kauf. Von dem Verbot weiß kaum jemand – und die Stadt will auch nicht mit Verbotsschildern darauf hinweisen.

Eine Frau füttert eine Möwe im Flug.
In Bremerhaven ist das Füttern von Möwen verboten. Wiederholungstätern drohen 2.500 Euro Strafe. Bild: DPA | Felix Kästle

"Ich wusste gar nicht, dass das hier geahndet wird", sagt Ingo V. und guckt erst zu der Möwe und dann auf das Brötchen in seiner linken Hand. Mit seinem vollen Namen möchte der pensionierte Speditionskaufmann, den es für ein verlängertes Wochenende von Münster nach Bremerhaven gezogen hat, nicht genannt werden — aus Angst, man könnte ihm nachträglich noch eine Strafe für seine nett gemeinte Fütterungsaktion aufbrummen.

Unrecht hat Ingo V. mit dieser Befürchtung nicht. Denn in Bremerhaven ist das Füttern von "Wildtauben, verwilderten Haustauben oder Möwen" laut Paragraph 14 des Ortsgesetzes streng verboten. Das Ordnungsamt ahndet Vergehen mit 30 Euro Bußgeld. Sowohl in diesem als auch im letzten Jahr gab es zwei Fälle, in denen ein solches Bußgeld tatsächlich verhängt wurde. Wiederholungstäter müssen noch tiefer in die Tasche greifen und 2.500 Euro bezahlen. Das sei 2018 und 2017 allerdings nicht vorgekommen, sagt Thomas Herbrig, Leiter des Ordnungsamtes.

Stadt will keine Verbotsschilder aufstellen

Vor allem viele Urlauber wie Ingo V. kennen das Verbot nicht. Woher auch? An den Stellen, die zum Füttern der Fischbrötchenreste einladen, gibt es auch keine Hinweis- oder Verbotsschilder. "Ich will den Touristen keinen Vorwurf machen", meint deshalb auch Anwohnerin Lieselotte Mangels. Sie beobachtet bei ihren täglichen Spaziergängen am Deich regelmäßig, dass vor allem Touristen Möwen füttern. "Es steht ja nirgendwo, dass sie die Tiere nicht füttern dürfen."

Volker Heigenmooser, Pressesprecher der Stadt, sieht das anders. Er appelliert daran, dass Bürger und Touristen auch ohne Verbotsschilder verantwortungsbewusst genug sein müssten, um die Tiere nicht zu füttern. Und so sieht es auch die Umwelt- und Naturschutzorganisation BUND:

Wir appellieren an die Bürger und Bürgerinnen, auf jeden Fall auf die Fütterung von Möwen und von Wasservögeln generell zu verzichten.

Bernd Quellmalz, Regionalgeschäftsführer BUND

"Die meisten würden sich auch mit zusätzlichen Schildern nicht an das Verbot halten", glaubt Bernd Quellmalz, Regionalgeschäftsführer vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND). Sein Vorschlag: "Vielleicht wäre eine Kooperation mit der Touristikbehörde sinnvoll. Wenn die Bremerhaven-Besucher schon bei der Buchung ihrer Unterkunft, Veranstaltung oder Kreuzfahrt eine Information erhalten, dass und warum das Füttern von Möwen verboten ist, könnte es eventuell eine Verhaltensänderung auslösen." Allerdings räumt er ein: "Das ist aber sehr aufwendig."

Füttern fördert unnatürliches Verhalten

Aus einfachem Grund sei das Verbot wichtig, erklärt das BUND-Mitglied: "Möwen durch Futter in die Städte zu locken, fördert ein unnatürliches Verhalten bei ihnen. Sie beginnen zum Beispiel damit, nach Pausen auf Schulhöfen Nahrung zu suchen oder die Nester von Singvögeln zu plündern." So könnten sich auch Krankheiten schneller verbreiten.

Ingo V. aus Münster zeigt sich einsichtig. Bei seinem nächsten Besuch in Bremerhaven will er sein Brötchen nicht mehr mit den Möwen teilen.

  • Janina Kovacs

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Sonntag aus dem Studio Bremerhaven, 26. August 2018, 14:20 Uhr