Mikroabenteuer im Trend: 5 Mini-Exkursionen in Bremen und umzu

Wozu in den Urlaub fahren, wenn das Abenteuer direkt vor der Haustür wartet? Die kleine Auszeit vom Alltag: So werden Ausflüge zum echten Erlebnis.

Christo Foerster mit dem Stand-Up-Paddel auf der Wakenitz.
Für die einen ist es Paddeln. Für andere ein echtes Abenteuer. Bild: Christo Foerster

Im Einklang mit der Natur, ohne Auto oder gar Flugzeug: Für diese Art des Ultrakurzurlaubs vom Alltag soll man nicht weit reisen, kein großes Budget einplanen, bestenfalls nicht viel vorplanen und auch nicht allzu viel Zeit einkalkulieren. Per Definition ist ein sogenanntes Mikroabenteuer in acht bis 72 Stunden absolviert, direkt nach dem Feierabend oder aber am Wochenende. Ob eine Nachtwanderung, ein Erkundungstour an einen ungewöhnlichen Ort oder eine Radtour auf unbekannten Wegen: Hauptsache, man lässt sich auf das ein, was die Heimat bietet. Konsum-minimiert und ohne in die Natur einzugreifen. Wir zeigen Ihnen, wie und wo das bei uns möglich ist. Nur eines vorweg: Bergsteigen ist nicht dabei.

1 Tipps vom Olbers-Planetarium: Nachts unterm Himmelszelt

Der Mond mit dem Schatten der Bremer Stadtmusikanten
Nachts sieht man oft Dinge, die einem am Tage verwehrt bleiben. Bild: NASA | Montage: Radio Bremen

Besonders beliebt als Mikroabenteuer: Die Nacht im Freien zu verbringen. Ob auf dem Balkon, im Garten oder in freier Wildbahn: Ganz wichtig ist neben Campingliege oder Luftmatratze ein warmer Schlafsack, rät Bremens Planetariumsleiter Andreas Vogel. "In klaren Nächten wird es draußen häufig sehr kalt und feucht." Besonders geeignet sind Orte fernab der Großstadtbeleuchtung, denn dann ist der Sternenhimmel besonders beeindruckend. Außerdem ist die Geräuschkulisse der Natur ganz anders wahrnehmbar als in der Stadt. Sein Tipp: "Für die Beobachtung des Sternenhimmels sind Neumondnächte am besten geeignet." Dafür könne man bei Vollmond besonders schöne Landschaftsaufnahmen machen. Im August wird auch Andreas Vogel wieder selbst nachts im Garten sitzen.

Im August kann man besonders viele Sternschuppen sehen.

Andreas Vogel
Andreas Vogel, Olbers-Planetarium

In den Sommermonaten sind außerdem in jeder Nacht dutzende von Satelliten zu sehen. Unvorhersehbar sind hingegen sogenannten  "nachtleuchtende Wolken" über dem Nordhorizont.

2 Mit dem Rad in die verbotene Stadt

Reporterin Jagoda Przybyla mit Fahrrad auf Deich
Ob ganz bis nach Hamburg oder einfach ins Umland: Der Weg ist das Ziel. Bild: Radio Bremen

Wer gerne Fahrrad fährt — und davon gibt es nachweislich in Bremen einige – für den eignet sich ein Ausflug mit dem Rad nach Hamburg und wieder zurück. Dabei kann man sich entscheiden: Mit dem Fahrrad hin und mit dem Zug zurück, mit dem Zug hin und mit dem Fahrrad zurück – oder für ganz sportliche: beide Strecken auf dem Rad. Praktisch: Die beiden Hansestädte verbindet ein 150 Kilometer langer Radfernweg. Das Künstlerdorf Fischerhude, das Tister Bauernmoor und die Harburger Berge sind dabei nur einige der vielfältigen Highlights, die den Mikroabenteurern auf dieser Strecke begegnen. Eine Strecke lässt sich für Sportskanonen sicherlich an einem Tag bestreiten, Naturgenießer sollten aber lieber zwei Tage einplanen. Entlang der Strecke gibt es zahlreiche Möglichkeiten, um zu übernachten. Wer eine Nacht im Zelt oder gar in der Scheune bevorzugt, der kann bei den ortsansässigen Bauern nachfragen.

3 Fernab vom Berufsverkehr: Mit der Straßenbahn Bremen erkunden

buten un binnen-Straßenbahn
Auch eine Stadtrundfahrt auf eigene Faust kann den Horizont erweitern. Bild: Radio Bremen

Neben dem Fahrrad ist die Straßenbahn das wichtigste Verkehrsmittel in Bremen. Insgesamt acht Linien verkehren auf einer Länge von 121 Kilometern. Jeden Morgen nutzen Tausende die Bahn, um ans Ziel zu gelangen. Doch durch ihr weitläufiges Streckennetz lässt sich die Straßenbahn auch dazu nutzen, um die eigene Stadt mal aus dieser besonderen Perspektive zu erkunden. Ein Tagesticket gilt für alle Busse, Bahnen und Züge des Nahverkehrs – bis um 3:00 Uhr des Folgetages. Lohnenswert sind auch Fahrten mit historischen Straßenbahnfahrzeugen, die die "Freunde der Bremer Straßenbahn e.V." regelmäßig anbieten.

4 Hunte, Wümme, Weser oder Waterkant: Abenteuer am Wasser

Über 451 Kilometer ist die Weser insgesamt lang. Entlang ihres Verlaufs können zu Fuß oder mit dem Fahrrad lange Touren gemacht werden – entweder Richtung Nordsee, wo sie ins Meer mündet, oder Richtung Hannoversch Münden, wo sich die beiden Quellflüssen der Weser, Werra und Fulda, vereinigen. Der Weser-Radweg zählt zu den schönsten Fahrradrouten in Deutschland. Auf einer Strecke von gut 520 Kilometern führt der Weg vom Weserbergland bis zur Nordsee.

Und wer weiß: Vielleicht wird man von einem vorbeifahrenden Boot ja ein Stück mitgenommen. Mit etwas Glück findet sich an einer Schleusenanlage oder in einem Binnenhafen eine Mitfahrgelegenheit – was besonders in den frühen Morgenstunden unvergessliche Naturbeobachtungen verspricht.

Hat das Mikroabenteuer die Küste als Ziel: Dort lässt es sich um Sommer bei Meeresrauschen "abenteuerlich" nächtigen. In Spieka-Neufeld kann man neuerdings in einer Hängematte am Strand schlafen. Dangast, Otterndorf und Bensersiel vermietet Schlafstrandkörbe. Wildcampen ist an der Küste und auf Deichen verboten.

5 Walderkundung

Diverse Studien haben bewiesen: Waldspaziergänge sind besonders gesundheitsförderlich. Der Blutdruck sinkt und die Lungenkapazität nimmt zu. Wer sich zu einem Abenteuertrip in einen echten Urwald aufmachen will, muss nur Richtung Ganderkesee fahren. In Hasbruch findet man den.

Gut ausgeschilderte Wege führen durch das 630 Hektar große Waldgebiet. Auch vorbei an bis zu 1.200 Jahre alten Eichen. Wer den Wald als Ziel eines Mikroabenteuers wählt, sollte sich allerdings bei Tageslicht auf den Weg machen. Zelten im Wald ist verboten. Ebenso wie in Naturschutzgebieten.

Der Bremer Bürgerpark aus der Luft
Bremens grüne Lunge: der Bürgerpark. Bild: Radio Bremen

Schwierig gestaltet sich übrigens auch ein nächtliches Mikroabenteuer im beliebtesten Park Bremens: dem Bürgerpark. Weitläufige Waldgebiete, mehrere Seen, Flüsse und Bäche sowie ein natürliches, beruhigendes Ambiente bieten eigentlich beste Bedingungen für ein Abenteuer vor der Haustür – aber nur tagsüber. Denn die Parkordnung untersagt einen örtlichen Aufenthalt im Gelände ab 22:30 Uhr. Auch das Betreten der Wiesen und offenes Feuer sind verboten. Keine guten Bedingungen also für nachtschwärmende Mikroabenteuer.

Keine Gipfelstürmer in der norddeutschen Tiefebene

Der Norden Deutschlands ist ja eher weniger für hügelige und bergige Landschaften bekannt – und so ist ein Mikroabenteuer für Kletterfreude auch in unserer Region schwer zu finden. Im Friedehorstpark im Stadtteil Burglesum befindet sich Bremens höchste natürliche Erhebung – mit 32,5 Metern über Normalnull. Leider erlebt man hier weder Steigung noch gebirgiges Ambiente. Hier ist alles flach, sodass höchstens Botanik-Liebhaber dank des vielfältigen Baumbestands auf ihre Kosten kommen. Überragt wird Burglesum nur vom Gipfel der Mülldeponie in Walle mit über 40 Metern Höhe. Das Wandern wie auch das Übernachten ist auf der Deponie natürlich verboten. Bis spätestens 2022 läuft noch der Betrieb.

Autor

  • Jakob Patzke Redakteur

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Sonntagmorgen, 14. Juli 2019, 9:40 Uhr

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