Abgasaffäre: Bremer Daimler-Belegschaft besorgt

Der Manipulationsverdacht gegen Daimler im Diesel-Skandal hat sich laut einem Bericht der Zeitung "Die Zeit" erhärtet. Im Zentrum der Affäre steht das Bremer Mercedes-Werk.

Mercedes Stern montieren
Die C-Klasse ist das wichtigste Modell des Bremer Werks. Rund 90 Prozent der hier gebauten Autos gehören zu dieser Modell-Reihe. Bild: dpa | Carmen Jaspersen

Laut des Berichts habe das Kraftfahrt-Bundesamt festgestellt, dass sowohl beim Transporter Vito als auch bei der C-Klasse in die Abgasreinigung nur ungenügend Harnstofflösung eingespritzt wurde. Das berichtet die Zeitung unter Berufung auf Behördenkreise.

Die C-Klasse ist das wichtigste Modell für die Bremer Autobauer. Von den rund 400.000 Fahrzeugen, die 2017 in in Bremen gebaut wurden, gehören etwa 90 Prozent zur Modellreihe. Die meisten C-Klasse-Modelle, die in Bremen gebaut werden, haben einen Dieselmotor. Hinzu kommt, dass auch der in der Kritik stehende Motor des Transporters Vito im Bremer Werk modifiziert wird. Das geht aus einer Pressemitteilung des Konzerns hervor.

Gewerkschaft fordert Aufklärung, Daimler schweigt

In der Bremer Belegschaft herrscht laut Betriebsratsmitgliedern Verunsicherung aufgrund der Vorwürfe. "Wir erwarten von der Konzernspitze eine rigorose Aufklärung", fordert Volker Stahmann von der IG Metall Bremen. "Zu Spekulationen in den Medien nehmen wir keine Stellung", ließ Daimler auf Anfrage wissen. In der Belegschaft geht indes die Sorge um, dass sich die Affäre auf die Absatzzahlen auswirkt und das Werk in Zukunft weniger zu tun haben könnte.

Automobilexperte Ferdinand Dudenhöfer an der Universität Duisburg-Essen schätzt die Gefahren für das Bremer Werk durch die Diesel-Affäre eher gering ein. Es handele sich um ein Phänomen, das die gesamte deutsche Autoindustrie betreffe und nicht einzelne Werke.

Was bisher geschah

Das dem Verkehrsministerium unterstellte Kraftfahrt-Bundesamt hatte vor zwei Wochen einen amtlichen Rückruf von 4923 Mercedes-Transportern des Typs Vito angeordnet. Die Beamten wollen eine unzulässige Abschalteinrichtung der Abgasreinigung gefunden haben. Diese sorgen dafür, dass nicht genügend Harnstoff in die Abgasreinigung eingespritzt wird und deshalb mehr giftige Stickoxide aus dem Auspuff in die Luft geblasen werden.

Vergangene Woche hatte Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) bei einem Treffen mit Daimler-Chef Dieter Zetsche laut dem Magazin "Der Spiegel" den Verdacht geäußert, dass in 750.000 Mercedes-Fahrzeugen ein unzulässiges Abgasreinigungssystem eingebaut worden sei, und dem Konzern eine Milliardenstrafe angedroht.

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  • Sebastian Manz

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 6. Juni 2018, 18 Uhr