Meinungsmelder

Mehrheit der Meinungsmelder für Verlängerung des Lockdowns

Ein Großteil der Radio Bremen Meinungsmelder befürwortet die Entscheidung, den Lockdown bis zum 7. März zu verlängern. Bei vielen wächst aber die Sorge vor der Zukunft.

Video vom 11. Februar 2021
Ein Friseur gibt in seinem Laden ein Interview zur geplanten Lockdown-Öffnung.
Bild: Radio Bremen

74 Prozent der Befragten halten die Entscheidung, den Lockdown zu verlängern, für richtig. Nur 21 Prozent sind der Meinung, die Verlängerung bis zum 7. März sei falsch. Insgesamt haben 2.052 Menschen an der Befragung teilgenommen.

Hier können Sie sich externe Inhalte (Text, Bild, Video…) von Datawrapper anzeigen lassen

Stimmen Sie zu, stellt Ihr Browser eine Verbindung mit dem Anbieter her.
Mehr Infos zum Thema Datenschutz.

Dass sie die Verlängerung befürworten, begründen viele Meinungsmelder mit der Sorge vor den Corona-Mutationen und einem möglichen Wiederanstieg der Neuinfektionen. Auch Andreas Ascherin aus Bremen glaubt, dass es jetzt noch zu früh sei, alles wieder zu öffnen, da die Zahlen sonst explodieren könnten:

Sicherheit geht vor, wenn das Virus jetzt noch einmal umgreift, ist keinem damit geholfen.

Andreas Ascherin, Radio Bremen Meinungsmelder

Ähnlich sieht es Ina Starokosz aus Bremen: "Grundsätzlich kann ich die Entscheidung nachvollziehen. Es wäre falsch, jetzt alles auf einen Schlag zu öffnen." Ein Teil der Befragten wünscht sich sogar eine Verschärfung des Lockdowns, vergleichbar mit einer Stilllegung sämtlicher Bereiche des öffentlichen Lebens: "Einmal so richtig Lockdown für fast alles – mindestens zwei Wochen", so ein Meinungsmelder.

Kritik an fehlender Strategie

Diejenigen, die die Verlängerung für falsch halten, kritisieren fehlende Perspektiven für die Zeit nach dem Lockdown: "Wir brauchen mehr Gebote und nicht Verbote. Wir brauchen eine Strategie und einen klaren, vermittelbaren Stufenplan", schreibt einer der Befragten.

Auch die neue Zielinzidenz von 35 Neuinfektionen für mögliche Lockerungen im Einzelhandel und der Gastronomie befürwortet ein Großteil der Radio Bremen Meinungsmelder: 65 Prozent der Befragten geben dafür einen Daumen nach oben.

Hier können Sie sich externe Inhalte (Text, Bild, Video…) von Datawrapper anzeigen lassen

Stimmen Sie zu, stellt Ihr Browser eine Verbindung mit dem Anbieter her.
Mehr Infos zum Thema Datenschutz.

Einige der Befragten sprechen sich für einen niedrigeren Inzidenzwert als 35 aus. Manche von ihnen fordern "Zero-Covid", also dass Lockerungen erst dann eintreten sollten, wenn die Inzidenz bei 0 liegt: "Niedriger wäre besser, das Ziel sollte "Zero-Covid" sein, sonst hangelt man sich dauerhaft von Welle zu Welle", so eine Meinungsmelderin aus Bremen.

Meinungsmelder Andreas Ascherin hält den neu beschlossenen Inzidenzwert von 35 angesichts der neuen Mutationen für richtig. Er gibt aber auch zu bedenken, dass diese Entscheidung für viele Menschen hart sei: "Im Einzelhandel zum Beispiel stehen da Existenzen auf dem Spiel." Meinungsmelderin Daniela June aus Bremerhaven kritisiert, dass die Maßstäbe immer wieder geändert würden:

Die Situation gerade wäre für viele Menschen einfacher, wenn sie sich auf etwas einstellen und mit etwas kalkulieren könnten, statt diese Ungewissheit zu haben.

Daniela June, Radio Bremen Meinungsmelderin

29 Prozent der Radio Bremen Meinungsmelder lehnen die neue Zielinzidenz von 35 dagegen ab. Einige von ihnen hätten lieber am etablierten Wert von 50 festgehalten. Andere sind der Ansicht, dass Lockerungen auch bei einem Inzidenzwert, der höher als 50 liegt, möglich wären. So schreibt ein Meinungsmelder aus Bremen: "Ich finde den Inzidenzwert zu niedrig angesetzt. Auch unter 75 dürfte die Situation kontrollierbar sein, zumal insbesondere der Handel auch schon vor dem Lockdown sehr gute Sicherheitskonzepte gefahren hat."

Was die momentane Gefühlslage angeht, ergibt sich bei den Radio Bremen Meinungsmeldern ein unterschiedliches Bild: 43 Prozent sehen sich auf der Skala eher bei einem lachenden Smiley, 31 Prozent bei einem traurigen Smiley.

Hier können Sie sich externe Inhalte (Text, Bild, Video…) von Datawrapper anzeigen lassen

Stimmen Sie zu, stellt Ihr Browser eine Verbindung mit dem Anbieter her.
Mehr Infos zum Thema Datenschutz.

Einige der Meinungsmelder geben an, sich "ausgelaugt", "müde" und "genervt" zu fühlen. Aus den Kommentaren geht hervor, dass ihnen die fehlende Perspektive zunehmend Sorge bereitet: "Ich habe Angst vor der Zukunft, nichts mehr planen zu können", so eine Meinungsmelderin.

Auch Meinungsmelderin Ina Starokosz macht die Perspektivlosigkeit zu schaffen: "Man glaubt ja mittlerweile nicht mehr, dass das ein Ende hat", sagt die 36-Jährige. Allerdings könne man das nicht der Politik ankreiden, so die Bremerin. "Wenn ich zu entscheiden hätte, wüsste ich gerade auch nicht, was richtig ist."

Doppelbelastung aus Homeoffice und Kinderbetreuung

Auch das Fehlen von Kontakten und anderen Möglichkeiten des Ausgleichs im Alltag ist für die Befragten zunehmend ein Problem. Allerdings führt das nicht zwangsläufig dazu, dass die bestehenden Maßnahmen abgelehnt werden: Langsam gehe ihr Corona und der Lockdown zwar auch auf die Nerven, aber sie versuche trotzdem positiv zu bleiben, schreibt eine Meinungsmelderin aus Bremen. "Je mehr wir alle mitziehen, desto eher haben wir es wahrscheinlich überstanden und können langsam wieder zur Normalität zurückkehren", so die 54-Jährige.

Als zusätzliche Herausforderung kommt für viele Befragte die Doppelbelastung aus Homeoffice und Kinderbetreuung hinzu: "Ich hoffe, dass die Kitas wieder geöffnet werden. Mit zwei Kleinkindern im Homeoffice zu arbeiten ist unmöglich", formuliert es ein 42-jähriger Meinungsmelder. Meinungsmelderin Ina Starokosz betreut aktuell ihre beiden kleinen Kinder sowie das Kind einer Freundin. Die 36-Jährige wünscht sich mehr Verlässlichkeit:

Momentan muss man ja von Woche zu Woche immer wieder neu gucken, wie die Betreuungssituation ist.

Ina Starokosz, Radio Bremen Meinungsmelderin

Auch Meinungsmelderin Daniela June ist mit der derzeitigen Situation unzufrieden: Ich arbeite in Vollzeit – und zwar nicht im Homeoffice. Das heißt, ich kann meinen elfjährigen Sohn beim Home-Schooling nicht unterstützen", erzählt die 45-Jährige aus Bremerhaven. Zum Teil seien die digitalen Lernplattformen überlastet, die Lehrkräfte überfordert. "Morgens gehe ich mit einem nicht so guten Gefühl aus dem Haus. Das belastet momentan die familiäre Situation."

35 ist die neue 50: Wie sinnvoll ist der neue Inzidenzwert-Maßstab?

Video vom 11. Februar 2021
Ein Schild mit dem neuen Inzidenzwert von 35 vor einem geschlossenem Laden.
Bild: Radio Bremen

Autorin

  • Catherine Wenk

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 11. Februar 2021, 19:30 Uhr