Meinungsmelder

4 Dinge, die Meinungsmelder an Bremerhaven lieben und hassen

Günstige Wohnungen, die Menschen, die Lage: Was die einen an Bremerhaven lieben, stört die anderen. Laut Imageforscher ist die Stadt auf einem guten Weg.

Video vom 19. Februar 2020
Eine Luftaufnahme von Bremerhaven.

"Bremerhaven – Ist die Stadt besser als ihr Ruf?" – das wollte Radio Bremen von seinen Meinungsmeldern wissen. Das Ergebnis: Bremerhaven hat einen schlechten Ruf. Das zumindest sagen rund zwei Drittel der Befragten.

Welchen Ruf hat die Stadt?

Grafische Darstellung eines Balkendiagrammes zur Frage, welchen Ruf Bremerhaven hat -3 Sehr schlechter Ruf 3 Sehr guter Ruf -1 F ehlende Angaben Gesamt B r emerh a v ener*innen Nicht-B r emerh a v ener*innen 0 25 37,5 12,5 50 1 W e r te in P r oz ent Quelle: Radio B r emen 9 7 7 28 27 32 34 29 9 9 10 6 7 4 4 1 1 3 3 2 14 14 15 26

Doch trotz des schlechten Images würden fast Dreiviertel aller befragten Bremerhavener ihre Stadt als Wohnort weiterempfehlen. Und nicht nur den Bremerhavenern, auch Bremern und Niedersachsen fallen viele positive Seiten Bremerhavens ein. Auffällig ist allerdings, dass die vier am häufigsten genannten Gründe, die Bremerhaven lebenswert machen, auch am häufigsten als Argumente gegen die Stadt genannt wurden.

1 Günstige Wohnungen

Während einige Meinungsmelder hervorheben, dass man aufgrund der günstigen Mieten niedrige Lebenshaltungskosten hat und wegen der vielen Leerstände leichter eine Wohnung findet als in anderen Städten, kritisieren andere, dass die günstigen Mieten Menschen in prekären Lebensverhältnissen anziehen.

[…] (noch) relativ niedrige Mieten und Kaufpreise, vergleichsweise hohe Wohnqualität, Küstennähe, frische Luft, eine Wohnung zu finden bzw. zu bekommen ist dort deutlich leichter als in Bremen (auch und gerade bei meinem etwas exotischen Nachnamen), mehr Wohnfläche für weniger Geld […].

48-jähriger Meinungsmelder aus Bremen

Es ist zwar günstig, aber das Wohnumfeld schlimm. Außerdem fehlen attraktive Cafés, Spielplätze, Radwege.

32-jährige Meinungsmelderin aus Bremerhaven

2 Lage der Stadt

Einige lieben die Lage am Meer und finden die Verkehrsanbindung gut. Andere wiederum kritisieren, dass die Stadt zu abgelegen liegt und die Bahnanbindung schlecht ist.

Es gibt keine andere Stadt, die so nah am Meer liegt und so viele Kulturangebote für alle zu bieten hat wie Bremerhaven. Der Hafen ist Bremerhaven und Bremerhaven ist der Hafen. Die Stadt ist sauber, vielfältig, hat ein attraktives Umfeld und liegt verkehrstechnisch fast optimal.

26-jähriger Meinungsmelder aus Niedersachsen

Habe dort gelebt. Ist auf Dauer zu abgelegen.

71-jähriger Meinungsmelder aus Niedersachsen

Die Verkehrsverbindung zu Bremen ist zu marode und unzuverlässig. Wenn die Bahnverbindung einen besseren Ruf hätte, würde ich es mir tatsächlich überlegen, nach Bremerhaven zu ziehen […].

43-jähriger Meinungsmelder aus Bremen

3 Menschen vor Ort

Die einen loben die netten, offenen Bremerhavener, andere nennen die Einwohner als Argument, das gegen Bremerhaven als Wohnort spricht. Sie möchten mit den meisten Bremerhavenern nicht zusammenleben.

Ich wohne erst seit 3,5 Jahren hier, aber fühle mich sehr wohl. Die Menschen sind sehr nett und direkt.

36-jährige/r Meinungsmelder/in aus Bremerhaven ohne Angabe des Geschlechts

Nein, mit den meisten Leuten in der Stadt möchte man nicht auf einem Fleck wohnen.

24-jährige Meinungsmelderin ohne Angabe des Wohnortes

Kenne zu viele unzufriedene Bürger aus Bremerhaven. Bleibe lieber unter Gleichgesinnten.

56-jähriger Meinungsmelder aus Bremen

4 Bemühungen der Politik und der Stadt

Einige Meinungsmelder loben das Bemühen der Stadt um einen besseren Ruf. Hier wird vor allem das Engagement im Bereich Tourismus hervorgehoben. Andere meinen, dass sich die Stadt zu wenig um ihre Einwohner kümmert, insbesondere um Kinder.

Bremerhaven gibt sich große Mühe um neue Einwohner zu gewinnen, touristisch gesehen hat Bremerhaven die letzten Jahre mächtig gewonnen.

73-jähriger Meinunungsmelder aus Bremen

Es wird wenig für die Einwohner getan. Gerade auch für Jugendliche. Die Stadt muss auf jeden Fall aktiv werden und mehr Angebote schaffen.

Meinungsmelderin ohne Angabe ihres Alters und ihres Wohnortes

Unterschiedliche Wahrnehmung liegt an Milieu

Laut Imageforscher Christoph Burmann von der Uni Bremen, der mit seinem Team zuletzt 2007 und 2013 das Image Bremerhavens untersucht hat, ist diese unterschiedliche Wahrnehmung bei der Untersuchung des Images einer Stadt ganz normal. Eine Stadt habe viele Facetten. Je nach Stadtteil und sozialem Hintergrund urteilen die Befragten unterschiedlich.

Stadt ist auf einem guten Weg

Für die Anstrengungen der Stadt, das Image Bremerhavens aufzupolieren, gibt es von den meisten Meinungsmeldern die Note 3.

Wie bewerten Sie die Anstrengungen Bremerhavens für das Image der Stadt?

Hier können Sie sich externe Inhalte (Text, Bild, Video…) von Datawrapper anzeigen lassen

Stimmen Sie zu, stellt Ihr Browser eine Verbindung mit dem Anbieter her.
Mehr Infos zum Thema Datenschutz.

Laut Christoph Burmann ist Bremerhaven auf einem guten Weg. Der Marketingbeirat der Stadt kümmere sich seit Jahren um ein besseres Image. So habe sich in Bremerhaven beispielsweise der Bereich Bildung stark verbessert. Die Hochschule biete neue Studiengänge an, weitere seien geplant. Auch die Arbeitslosenquote würden sich zum Positven entwickeln.

Um das Image der Stadt weiter aufzupolieren, gebe es kein Allheilmittel. Viele Maßnahmen seien nötig. Dazu gehören laut Burmann kleine Aktionen, wie ein Kneipenbesuch mit Wissenschaftlern, die in Bremerhaven arbeiten, aber im Umland leben, um ihnen die Stadt schmackhaft zu machen, aber etwa auch Feste und die Unterstützung der Sportvereine.

Übrigens: Burmann hat nicht nur das Image Bremerhavens untersucht, sondern auch das Image Bremens. Und im Gegensatz zu Bremerhaven habe Bremen die Bemühungen um ein gutes Image laut Burmann weitestgehend eingestellt.

Ich glaube, dass Bremerhaven da gut unterwegs ist und dass die Bremer da ins Hintertreffen geraten.

Christoph Burmann
Christoph Burmann, Imageforscher der Uni Bremen

Mehr zum Thema:

Autorin

  • Sonja Harbers

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 19. Februar 2020, 19.30 Uhr