Warum Kunsthallen-Besucher dieses Werk immer übersehen

Seit Jahren ist es Teil der Kunsthalle Bremen. Doch Viele gehen einfach daran vorbei. Dabei ist es ein ausgeklügeltes Werk – ein Speicher für die Ewigkeit.

Zu sehen ist ein Loch in der Wand, das als Kunstwerk in der Kunsthalle zu finden ist.

Die Treppen hoch in den ersten Stock, durch die Räume mit französischer Malerei, vorbei an Picasso und dann im ersten Raum des Anbaus, rechts auf der Seite – da ist es: das Loch. Es liegt auf etwa 1,80 Meter Höhe in der Wand und ist ganz unscheinbar, handgroß und kreisrund. Hinter der Öffnung führt ein Sandsteinrohr schräg nach unten. Nur auf Zehenspitzen erhascht man einen Blick ins Dunkle.

Obwohl das Loch schon viele Jahre in der Kunsthalle überdauert hat, ist es vielen unbekannt, sagt Sophie Stuve, eine Sprecherin der Kunsthalle Bremen.

Tatsächlich gehen die meisten dran vorbei. Wir haben nur wenige Aufsichten, die davon berichten, dass sie auf das Kunstwerk angesprochen werden. Die meisten denken, glaube ich, dass es vielleicht eine Klimaanlage ist, bleiben vielleicht kurz irritiert stehen, trauen sich dann aber nicht ganz und laufen weiter.

Sophie Stuve, eine Sprecherin der Kunsthalle Bremen

Kunst aus Zufall

Gemälde hängen an der Wand in der Bremer Kunsthalle. In einer Nische am rechten Bildrand ist ein kreisrundes Loch in der Wand zu erkennen.
Viele gehen irritiert vorbei. Dabei ist das Loch mehr als nur ein Loch.

Entstanden ist das Loch ursprünglich auch ein bisschen aus Zufall – bei den Umbauarbeiten der Kunsthalle in den Jahren 2009 bis 2011. Damals wurde der alte Anbau abgerissen. Zwei neue Anbauten sollten das alte Hauptgebäude ergänzen. Dabei machte der Bremer Künstler Wolfgang Hainke eine Entdeckung. Er sei durch durch die Räume gelaufen, sagt er, und habe diese kleine Nische zwischen Altbau-Außenfassadde und Neubau-Innenfassade entdeckt.

Dann kam der Gedanke, eine Arbeit zu machen, die eigentlich unsichtbar bleibt. Beim Studium der Pläne bei den Architekten habe ich gesehen, dass dahinter ein Schacht in die Tiefe führt. Und da war der Gedanke einer unsichtbaren Sammlung entstanden. 

Wolfgang Hainke, Künstler

Ein Speicher für die Ewigkeit

Ein Loch in einer Wand in der Bremer Kunsthalle.
Ein Besucher warf seinen Ehering ins Loch. Dort wird er noch lange liegen.

Die Idee zu "A Hole in the Wall" war geboren. Aus einem Sandsteinblock aus der Fassade der alten Kunsthalle ließ er eine Röhre schneiden und legte diese in den Schacht. Für die Besucher und Besucherinnen sichtbar bleibt nur die Öffnung im ersten Obergeschoss. Doch das Loch soll nicht leer bleiben, sagt Sophie Stuve.

Es ist tatsächlich unser verstecktes Kunstwerk, es ist ein Speicher, in dem sich Sachen befinden können für die Ewigkeit. Von kleinen Notizen, Visitenkarten über Eintrittstickets können Besucher dort alles lagern. Aber natürlich soll es etwas Besonderes sein. Es geht auch ums Entdecken.

Sophie Stuve, eine Sprecherin der Kunsthalle Bremen

Besucher und Besucherinnen können zwar nicht sehen, was sich im Loch befindet, aber es ist ihnen erlaubt, neue Dinge hineinzuwerfen. Eine Geschichte eines Besuchers hat Wolfgang Hainke dabei besonders berührt.

Die Partnerin war kurz vorher gestorben, und er hat tatsächlich seinen Ehering da rein geworfen, nein versenkt. Der hat eigentlich das realisiert, was ich mir vorstelle.

Wolfgang Hainke, Künstler

Was noch alles in dem Loch versteckt ist, wissen weder der Künstler noch die Mitarbeitenden der Kunsthalle. Erst wenn das Gebäude irgendwann einmal abgerissen werden sollte, tritt die unsichtbare Sammlung ans Licht.

Was kommt da eigentlich zum Vorschein? Vielleicht nur Müll – was ja auch unsere Zeit charakterisiert. Auch ein paar Kunstwerke, weiß ich. Vieles dort ist auch vergänglich – was erhalten bleibt, liegt am Materialfaktor.

Wolfgang Hainke, Künstler
  • Jana Wagner

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 18. März 2019, 10:35 Uhr