Infografik

Bildschirm oder Buch: Lesen macht nicht immer gleich schlau

Ob im Zug, im Wartezimmer oder im Urlaub: Immer mehr Menschen lesen Texte digital. Auch in Bremen. Dabei ist das Buch manchmal erwiesenermaßen noch die bessere Wahl.

Ein junger Schüler sitzt vor einer Tafel an einem Tisch und nutzt ein Tablet (Symbolbild)
Auf dem Tablet das Lesen lernen? Experten halten das für keine gute Idee. Bild: Imago | Panthermedia

Unter den Leseratten gibt es wohl zwei Lager: Die einen lieben das gedruckte Buch mit Eselsohren, die anderen schätzen den praktischen E-Reader, in dem man problemlos hunderte Werke auf einmal mit sich herumtragen kann. Doch Lese-Forscher der spanischen Universität Valencia haben einen Unterschied zwischen digitalem und gedrucktem Lesen festgestellt. Bei Sachtexten bleibt in gedruckter Form deutlich mehr vom Inhalt hängen, als wenn man sie am PC, auf dem Tablet, dem Smartphone oder eben dem E-Reader liest. Ausgerechnet digitale Angebote werden aber immer beliebter – auch in der Bremer Staats- und Universitätsbibliothek.

2015 wurden hier noch rund 2,1 Millionen Bücher ausgeliehen – 2017 waren es nur noch rund 1,8 Millionen. Deutlich mehr Menschen haben dafür das digitale Angebot der Bibliothek genutzt: Die Zugriffe auf lizenzierte E-Books und E-Journals ist deutlich angestiegen. Hinzu kämen laut der stellvertretenden Direktorin Claudia Bodem die Zugriffe auf circa 33 Millionen frei verfügbare digitale Inhalte des Bibliotheks-Katalogs. "Hier lassen sich die Zugriffszahlen allerdings nicht messen, so dass die gesamten Zugriffe auf elektronische Ressourcen wohl deutlich über drei Millionen liegen dürften", glaubt Claudia Bodem.

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Anfassen, sich orientieren, fühlen

Jennifer Reiske
Jennifer Reiske gibt angehenden Lehrerinnen und Lehrern Tipps, wie sie digitale Medien sinnvoll einsetzen können. Bild: Jennifer Reiske

Auch für Schülerinnen und Schüler gibt es viele Angebote in digitaler Form. Doch wie sinnvoll ist es wirklich, Kindern statt eines Buchs ein Tablet vorzusetzen? Jennifer Reiske erforscht an der Universität Bremen, wie sich digitale Medien an Grundschulen und in der Lehrerbildung mit inklusivem Lernen verzahnen lassen. Sie ist überzeugt, dass gedruckte Texte gerade für Lese-Anfänger auch in Zukunft unverzichtbar sind. "Digitale Medien können Kinder motivieren, sie machen Sinn und können eine große Hilfe sein – aber nicht beim Lesen lernen", sagt die Wissenschaftlerin.

Kinder lesen anfangs mit dem Finger mit, markieren oder umkringeln bestimmte Wörter oder Silben. Auf einem Bildschirm sei das deutlich schwieriger und kaum möglich, so Reiske. Gerade für Kinder, die Schwierigkeiten beim Lesen haben, seien digitale Texte nicht zu empfehlen. "Wie halte ich das Buch, wie blättere ich um? Das Gefühl, dass ich ein ganzes Buch gelesen habe und es zuklappe, diese Erfahrungen mache ich auf einem Tablet ja gar nicht", ergänzt die Lektorin. Kinder mit einer Sehschwäche profitierten dagegen von den Möglichkeiten des Digitalen, denn auf Tablets und E-Readern können Texte beliebig vergrößert oder vorgelesen werden.

Digitale Inhalte — als Ergänzung vorteilhaft

Prof. Sonia Lippke von der Jacobs University
Prof. Dr. Sonia Lippke erforscht, wie digitale Inhalte bei älteren Menschen am besten hängen bleiben. Bild: Jacobs University | Werk1

Während sich Jennifer Reiske auf junge Leser spezialisiert, hat sich Prof. Dr. Sonia Lippke von der Jacobs Universität mit Menschen beschäftigt, die 65 Jahre oder älter sind. Im Bereich Gesundheitspsychologie und Verhaltensmedizin hat sie mit Hilfe von Fotostories erforscht, welchen Mehrwert digitale Elemente für ältere Menschen haben können. Das Ergebnis: Ältere verstehen digital aufbereitete Inhalte besser, wenn sie beispielsweise auf einem Tablet in Form einer Foto-Geschichte erzählt werden. Von reinen Texten auf dem Tablet oder einem E-Reader rät die Wissenschaftlerin dagegen ebenfalls ab.

Es hat sich gezeigt, wenn Text, dann in gedruckter Form.

Prof. Dr. Sonia Lippke, Jacobs Universität Bremen

Bezüglich der jüngeren Generation hat auch sie eine klare Haltung. Wenn Kinder und Jugendliche Texte nur noch digital lesen, verlieren sie die Übung, gedruckte Texte zu lesen und richtig aufzunehmen. „Es gibt Kinder, die nur noch auf soziale Medien fokussiert sind und keine längeren Texte mit mehr als 120 Zeichen schreiben können.“ Dort müsse man gezielt gegensteuern, so Lippke. Jennifer Reiske liest persönlich übrigens am liebsten auf gedrucktem Papier. Sonia Lippke versucht dagegen Texte so oft wie möglich am Bildschirm zu lesen – der Umwelt zuliebe.

  • Angela Weiß

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 21. März 2019, 19:30 Uhr