Interview

Warum bei La Strada in diesem Jahr "Engel" auf Bremens Dächern stehen

Straßenszene La Strada mit Frauen in roten Röcken auf meterhohen Stelzen
Ein Teil von La Strada wird sich in diesem Jahr in luftigen Höhen abspielen (Archivbild). Bild: La Strada/Neue Gruppe Kulturarbeit e.V.

Straßenkunst und Menschenmassen – das ist La Strada in Bremen. Nicht so in Pandemiezeiten. Organisatorin Gabriele Koch verrät, was die Bremer ab heute erwartet.

Seit 27 Jahren feiern die Bremerinnen und Bremer das Festival der Straßenkünste La Strada. Doch wegen der Corona-Pandemie ist auch dieses Jahr alles ein wenig anders. So werden die Besucher beispielsweise Installationen statt Performances vorfinden – teilweise sogar in der Luft. Mehr dazu erzählt die Festivalleiterin, Gabriele Koch, im Interview mit buten un binnen.

Frau Koch, Straßenfestival in der Corona-Zeit: Was ist dieses Jahr anders?
Es ist keine Veranstaltung, weil wir uns immer noch bundesweit in einem pandemischen Ausnahmezustand befinden. Wir waren uns sicher, dass die Menschen trotzdem Kultur im öffentlichen Raum genießen wollen – und das ist mit einem normalen Festival derzeit nicht möglich. Deshalb haben wir uns dieses Jahr ein ganz neues Konzept ausgedacht.
Was sind die Highlights des Programms?
Im Kunstpark hinter der Kunsthalle können Bild- und Klangkünstler ihre Kunst ausstellen. Und es gibt fünf Künstler und Künstlergruppen, die Hörstücke gemacht haben, durch QR-Codes kann man sich beim Wandern kurze Geschichten und Audios anhören. Der Kunstpark ist 24 Stunden am Tag begehbar. Dann haben wir "Engel über Bremen". Das Theater Anu wird Menschen auf Dächer stellen, in verschiedenen Stadtteilen. Sie werden dort erscheinen, deshalb lohnt sich der Blick nach oben. Auch dort gibt es die Möglichkeit, QR-Codes zu scannen und einen Text zu hören. Und es wird möglicherweise auch die Chance geben, einen Engel "anzurufen".
Kann man dies als Live-Performance bezeichnen?
Nein, es ist eher eine stille Installation. Die Engel stehen auf den Dächern – das ist wie eine Erscheinung. Wir haben bewusst auf jegliche Form von darstellender Kunst verzichtet. Zum einen, weil sie von der "3D-Erfahrung" lebt und man das nicht ins Digitale transferieren kann. Zum anderen lädt darstellende Kunst immer Menschen ein, stehenzubleiben; momentan dürfen sich jedoch nur zwei Haushalte oder fünf Personen treffen. Wir sind uns aber sicher, dass es trotzdem möglich ist, etwas Schönes zu erleben.
Wie ist die Planung unter Pandemie-Bedingungen gelaufen?
Wir haben relativ frühzeitig angefangen, ein Konzept zu stricken, wovon wir uns sicher waren, dass es am Ende stattfinden kann. Loszuplanen in der Hoffnung, dass das am Ende geht, fanden wir nicht so sinnvoll. Womit wir nicht gerechnet hatten: Wir sind ein internationales Festival, wir holen die Impulse nach Bremen. Im Herbst sind aber die Quarantänefristen deutlich verschärft worden. Alle Künstler aus dem Ausland, mit denen wir gesprochen haben, sagten: 'Das ist mir zu heikel'. Wir haben dann umgeplant und mit regionalen und nationalen Künstlern gearbeitet. Wir haben mehrere Teile geplant, die so gestrickt waren, dass sie alle stattfinden könnten – selbst beim härtesten Lockdown. Das Einzige, was uns kurz zittern lassen hat, war die Ausgangssperre. Weil es im Kunstpark ab 22 Uhr abends eine große Lichtinstallation gibt, und es wäre wahnsinnig schade gewesen, die Kunsthalle und den Park zu beleuchten, ohne dass jemand rausdarf.
Welche Auflagen gelten für das Publikum?
Im Grunde alle Auflagen, die im normalen Leben auch zählen. Sich nicht mit mehr Haushalten treffen, als die Verordnung es vorgibt. Der Mindestabstand ist einzuhalten, wo er nicht eingehalten werden kann, gilt die Maskenpflicht. Wir hoffen, dass die Zuschauer – oder besser gesagt die Zuhörer – die Chance nutzen, dass der Park 24 Stunden am Tag begehbar ist. Wir haben zudem den Veranstaltungszeitraum weiter aufgemacht. Sodass die Besucher sich gut verteilen können. Und sonst muss man sich einfach verantwortungsvoll verhalten, wie man es auch aus dem Alltag kennt.

Rückblick: La Strada 2020 – Trotz Corona restlos ausverkauft

Video vom 5. September 2020
Eine Musikerin und ein Künstler bei der Kunst- und Kulturveranstaltung "La Strada".
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

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Autorin

  • Serena Bilanceri

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 4. Juni 2021, 19:30 Uhr