So denken Bremer Kunstmuseen in die Zukunft

Monet, Klimt, van Gogh – ein Besuch im Kunstmuseum ist nicht für jeden etwas. Um moderner zu werden, geht die Kunsthalle jetzt einen neuen Weg.

Reporterin Anke Plautz, die an einem Tisch sitzt und eine VR- Brille trägt. Darauf die Worte "Kunsthalle Bremen".

Die Kunsthalle Bremen macht einen radikalen Schritt: Jetzt können Besucher vom Sofa aus durch ihre Räume schlendern. Virtuell, versteht sich. Über die Webanwendung Google Arts & Culture wird den Nutzern ein virtueller Rundgang angeboten. Dafür wird die Smartphone-App mit einer 3D-Brille aus Pappe benutzt, und auch auf dem Laptop ist ein Besuch im Street-View-Format möglich. Die Nutzer erhalten eine 360°-Ansicht von 20 Räumen der Kunsthalle, die sie ganz einfach per Kopfbewegung oder Mausklick erkunden können. Über 200 Werke seien dort zu sehen, teilt die Kunsthalle mit.

Das Ziel ist, das Museum und seine Inhalte der Öffentlichkeit unmittelbar zugänglich und auf unterschiedlichste Weise erfahrbar zu machen.

Christoph Grunenberg, Direktor der Kunsthalle

Dadurch verspricht sich die Einrichtung unter anderem nationale und internationale Sichtbarkeit. Auf der Google-Plattform können Nutzer bereits durch weltberühmte Sehenswürdigkeiten wie den Taj Mahal oder das Schloss Versailles virtuell laufen.

Mehr Besucher durch neue Konzepte

Neue Konzepte und Themen sollen nicht nur international bekannt machen, sondern vor allem auch jüngere Menschen für Kunst begeistern. Genau für dieses Publikum möchten viele Kunstmuseen verstärkt werben. Generell sind dort die Besucher etwas älter als beispielsweise in Technik- oder Naturkundemuseen. "Die Praxis in Bremen ist, dass nur wenige Kinder und Jugendliche den Zugang zu den Kunstmuseen finden", sagt Bettina Berg, Pressesprecherin im Gerhard-Marcks-Haus. Die Besucher dort seien im Schnitt zwischen 50 und 60 Jahren alt.

Im Gerhards-Marcks-Haus können Besucher mittlerweile Selfies vor den Originalen machen und über Instagram teilen – was man nicht in allen Häusern ohne weiteres darf. Unter dem Hashtag #FreeKunsthalle hat die Kunsthalle eine Kampagne für Minderjährige gestartet. Auch ein Blogger-Besuch wurde im vergangenen Jahr veranstaltet.

Junge Besucher anzuziehen stellt eine besondere Herausforderung für alle in Kulturinstitutionen dar, die innovative Ansätze verlangt.

Christoph Grunenberg, Direktor der Kunsthalle

Kostenloser Eintritt für Minderjährige

Bereits seit 2013 bietet das Gerhard-Marcks-Haus freien Eintritt für Minderjährige an, damit der Eintrittspreis keine Barriere mehr darstellt. Das Overbeck Museum zog nach, da noch vor etwa fünf Jahren kaum Minderjährige in das Vegesacker Kunsthaus kamen.

Unser Haus hat sich verändert, seit so viele Kinder und Jugendliche kommen – und das ist auch gut so.

Katja Pourshirazi, Leiterin des Overbeck-Museums

Auch die Bremer Kunsthalle arbeitet so: Seit 2017 können Minderjährige das Haus umsonst besuchen. Das Ergebnis: 2018 hatte das Museum nach eigenen Angaben 2.000 mehr Kinder und Schüler unter den Besuchern als im Vorjahr.

Manche Kunstmuseen senken die Preise über Kooperationen: Die Weserburg arbeitet mit Sponsoren zusammen, die die Kosten für Schulklassenführungen oder den Eintritt für Kinder und Jugendliche übernehmen. Und die Anzahl junger Besucher nehme kontinuierlich zu, sagt ein Sprecher der Einrichtung.

Nicht nur digitale Angebote

Zwei Mädchen schauen in einen Cardboard
Die Museen hoffen, dass junge Besucher sich durch neue Konzepte für die Kunst begeistern lassen. Bild: Kunsthalle Bremen | Kunsthalle Bremen

Nicht nur digital macht modern: Ein Großteil der Kunstmuseen arbeitet mit Schulen zusammen, um den Altersdurchschnitt ihrer Besucher zu senken. Mit dem "Skulptur sucht Schule"-Projekt bringt das Gerhard-Marcks-Haus Kunst in die Schule. Prometheus, ein Spätwerk Marcks, wird dabei an die Klassen ausgeliehen. Die Schüler müssen so nicht ins Museum, sondern können sich über einen längeren Zeitraum hinweg direkt in der Schule mit Kunst auseinandersetzen.

Über Schulkooperationen konnte auch die Wilhelm-Wagenfeld-Stiftung viele minderjährige Besucher gewinnen. Im Jahr 2018 sollen es etwa 2.500 Kinder und Jugendliche gewesen sein – meistens mit den Familien oder den Klassen. „Dass sie alleine kommen, ist eher weniger der Fall“, sagt Kathrin Hager, wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der Stiftung. Die Jugendlichen zeigten jedoch tatsächlich Interesse an den Objekten, die ausgestellt werden, fügt sie hinzu.

Auch die Kunsthalle geht zunehmend Kooperationen ein, wenn es um junge Besucher geht. Wie der Workshop über Fake-News und Selfies gemeinsam mit der Bremischen Landesmedienanstalt, der 2018 den Förderpreis Museumpädagogik gewonnen hat. Oder die Veranstaltung „Kunstrausch“, die das Foyer des Museums in einen Partyraum verwandelte – eine Zusammenarbeit mit Studierenden der Universität Bremen.

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  • Serena Bilanceri
  • Sophie Labitzke

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 11. Januar 2019, 19:30 Uhr