7 Tipps für die Kültürale – und was dieses Chamäleon damit zu tun hat

Video vom 5. Oktober 2021
Das 1/4 Graffiti mit Chamäleon an einer Häuserwand
Bild: Kulturforum Türkei e.V.
Bild: Kulturforum Türkei e.V.

Tänze, Musik, Poesie, Kabarett und Graffiti: Die Kültürale feiert ab Dienstag das Miteinander der deutschen und der türkischen Kultur in Bremen. Das sind die Highlights.

60 Jahre ist es her, da besiegelten die Bundesrepublik Deutschland und die Türkei das Anwerbeabkommen zwischen beiden Ländern. Sie legten den Grundstein dafür, dass heute etwa drei Millionen Menschen mit türkischen Wurzeln in Deutschland leben. Längst sind aus den einstigen "Gastarbeitern" deutsche Bürgerinnen und Bürger geworden, die die Gesellschaft bereichern. In welcher Weise – das zeigt das Bremer Kulturfestival Kültürale vom 5. bis zum 17. Oktober.

"Wir wollen zeigen, wie facettenreich die deutsch-türkische Kultur ist", beschreibt Yasemin Çınar aus dem Vorstand des Kulturforums Türkei die Idee. Das Forum werde die Kültürale, die dieses Jahr nach 2018 zum zweiten Mal stattfindet, künftig alle zwei Jahre ausrichten. "Vielleicht treffen die Gäste auf unseren Veranstaltungen auch Menschen, denen sie woanders gar nicht begegnen würden", hofft Çınar – und gibt diese Programmtipps:

1 "Kiffen, Kaffee und Kajal"

Porträt von Kerim Pamuk
Erklärt dem Bremer Publikum, wo sich im Wohnzimmer der Orient breitgemacht hat: Kerim Pamuk. Bild: Kulturforum Türkei e.V.

Bis ins "Allerheiligste der Spießerseligkeit", also bis ins deutsche Wohnzimmer, habe sich der Orient breitgemacht, sagt der Kabarettist Kerim Pamuk. Den Beweis möchte er am Donnerstag, 7. Oktober, ab 19 Uhr in der Bremer Zentralbibliothek antreten (Am Wall 201): "Eine kurze Geschichte von allem, was uns lieb und orientalisch ist" lautet der Untertitel seines Programms "Kiffen, Kaffee und Kajal".

Pamuk verspricht eine "vergnüglich-­investigative Tour durch 1.500 Jahre Kulturgeschichte und Migration": "Sie werden das Fremde im Vertrauten und das Vertraute im Fremden entdecken", sagt er.

2 Radio Rumeli

3 Männer und eine Frau sitzen an einem Tisch mit Wein und Speisen
Ein Ensemble der Überraschungen: Radio Rumeli. Bild: Kulturforum Türkei e.V.

Ob Oriental Swing, Gypsy Groove oder Balkan Tango: Das vierköpfige Ensemble Radio Rumeli ignoriert so ziemlich alle Grenzen – solche zwischen Ländern und Kulturen ebenso wie jene zwischen klassischer, traditioneller und moderner Instrumentierung. Die Gäste dürfen sich auf mehrstimmigen Gesang ebenso freuen wie auf elektronische und akustische Instrumente, auf die Gitarre wie auf das Saxophon.

Das Ensemble verspricht "einen berauschenden Cocktail an Melodien, Sprachen und Geschichten." Vor allem geht es bei den Liedern Radio Rumelis um die Liebe. Die Musikerinnen und Musiker besingen die Liebe in bis zu zwölf Sprachen. Gut möglich, dass die Gäste im Focke-Museum am 9. Oktober ab 20 Uhr dazu tanzen werden.

3 Graffiti-Workshop mit Adem Şahantürk

Seit fast drei Jahrzehnten besprüht und bemalen der Bremer Graffiti-Künstler Adem Şahantürk und seine Kollegen von atx artworx Wände in Bremen und umzu. Das bekannteste Kunstwerk ist im Bremer Ostertor in einem Giebel am Ostertorsteinweg zu besichtigen. Ein Chamäleon.

"Das Chamäleon steht für Farbvielfalt und Anpassungsfähigkeit. Es ist immer tolerant gegenüber seiner Umgebung, es spiegelt diese wieder und verschmilzt so mit ihr", sagt Şahantürk. So vielfältig die Farben des Chamäleon, so vielfältig ist auch der Bremer Künstler, der gleichzeitig Inhaber und Gründer einer modernen Kunst-Agentur ist.

In Bremen geboren und in Walle aufgewachsen, bietet der Graffiti-Künstler am Sonntag, 10. Oktober, von 13 bis 17 Uhr, einen Graffiti-Workshop für Jugendliche an. In seinem Atelier im Bremer Steintor erstellen die Teilnehmer persönliche Graffiti-Kunstwerke mit Unterstützung auf Leinwänden, die anschließend mitgenommen werden können. Die Teilnehmerzahl ist auf zehn Personen begrenzt.

4 Lebenswege – Gespräche über türkische Migrationsgeschichten

Ein aufgeschlagener türkischer Pass
Die Filmemacher Orhan Çalışır und Dirk Meißner haben biographische Filme über Bremer aus der Türkei gedreht. Einige davon zeigt Focke-Museum – wie auch entsprechende Exponate. Bild: Kulturforum Türkei e.V.

Das Anwerbeabkommen zwischen der Türkei und Deutschland jährt sich im Oktober 2021 zum sechzigsten Mal. Die Filmemacher Orhan Çalışır und Dirk Meißner haben daher für das Focke-Museum biographische Filme über Menschen aus der Türkei produziert, die sich auf den Weg nach Bremen gemacht haben. 

Einige dieser Filme zeigt das Focke-Museum am Sonntag, 10. Oktober, um 15 Uhr. In einer anschließenden Gesprächsrunde mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen soll über Erfahrungen gesprochen werden: Mit welchen Erwartungen kamen die Porträtierten nach Bremen, welche Erfahrungen machten sie hier, wie kam es, dass sie hier dauerhaft ansässig wurden? "Das wird bestimmt spannend", freut sich Yasemin Çınar aus dem Vorstand des Kulturforums Türkei.

5 Fatih Çevikkollu: „FatihMorgana“

Porträt von Fatih Cevikkollu
Bekannt aus "Alles Atze": der Kölner Kabarettist Fatih Çevikkollu. Bild: Kulturforum Türkei e.V.

Fatih Çevikkollu ist Kabarettist, Musiker, Buchautor und Schauspieler. Bekannt wurde er durch die Fernsehserie "Alles Atze", in der er die Rolle des Kioskgehilfen Murat Günaydın spielt. Der gebürtige Kölner hat viele Preise gewonnen. Çevikkollu schafft einen Brückenschlag zwischen seinen beiden Kulturen: der deutschen und der türkischen.

In "FatihMorgana" am Donnerstag, 14. Oktober, ab 20 Uhr im KUBA – Kulturbahnhof Vegesack lädt er das Publikum zum Perspektivwechsel ein: Wenn die Welt verrückt spielt und in Angst und Hysterie verfällt, braucht es jemanden, der sie wieder gerade rückt. Çevikkollu widmet sein neues Programm daher dem Schein und dem Sein, den Nachrichten und den Fake-News: Rückt die Welt nach rechts? Werden wir islamisiert? Was macht die Digitalisierung mit uns?

6 Maviblau Und Sema Mutlu

Buchcover "Simdi heißt jetzt"
Ein Buch, das Leserinnen und Leser nach Istanbul entführt: "Şimdi heißt jetzt". Bild: Kulturforum Türkei e.V.

Maviblau ist eine deutsch-türkische Kulturplattform mit Sitz in Berlin und Istanbul, die Begegnungen zwischen der Türkei und Deutschland im Bereich von Kunst, Kultur und Gesellschaft ermöglicht. Sie ist die Preisträgerin des diesjährigen Kültürale-Preises. Mit diesem Preis zeichnet das Kulturforum Türkei Organisationen aus, "die sich in besonderer Weise um die Unterstützung deutsch-türkischer Kultur(schaffender) verdient" machen.

In einer multimedialen Lesung aus dem Buch "Şimdi heißt jetzt" nimmt das Team von Maviblau seine Leserinnen und Leser mit in den Istanbuler Alltag. Fünfzehn Personen erzählen in dem Buch von ihren persönlichen Erlebnissen – lebendig, ehrlich, humorvoll und manchmal auch melancholisch. Die Lesung verspricht sowohl Einblicke in die Texte als auch in die Illustrationen im Buch, welche einen ganz eigenen Blick auf Istanbul und das Leben in der Türkei werfen. Die Bremer Sängerin und Schauspielerin Sema Mutlu begleitet den Abend in der Kunsthalle am Freitag, 15. Oktober, ab 19 Uhr musikalisch.

7 Ozan Ata Canani und Karaba

Porträt eines Mannes vor einem Wandteppich
Musiziert am 16. Oktober mit der Band Karaba im Theater Bremen: Ata Canani. Bild: Frederike Wetzels

"Arbeitskräfte wurden gerufen. Unsere deutsche Freunde. Aber Menschen sind gekommen. Unsere deutsche Freunde. Nicht Maschinen, sondern Menschen. Aber Menschen sind gekommen. Unsere deutsche Freunde, Freunde, Freunde. Sie haben am Leben Freude."

Mit diesen Textzeilen beginnt der wichtigste Song, den Ata Canani noch als Teenager 1978 geschrieben hat. Mit diesem Song wollte er auf die Situation der sogenannten Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter aufmerksam machen. Er schuf damals einen neuen Sound und ebnete früh den Weg für türkische Musik mit deutschen Texten. Ata Canani tritt zusammen mit der Münchner Neo-Krautrock-Band Karaba am Samstag, 16. Oktober, ab 20 Uhr im Theater Bremen auf.

Rückblick Juli 2021: Die Kultur geht wieder an den Start

Video vom 1. Juli 2021
Popcorn und Nachos in einem Kino.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Autor

  • Alexander Schnackenburg Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 5. Oktober, 19:30 Uhr