Fragen & Antworten

Kranke Kinder in Corona-Zeiten: Was muss beachtet werden?

Berufstätige Eltern kennen das: das Kind ist krank und keine Betreuung ist in Sicht. Da stellt sich die Frage: Was darf man als Angestellter – und was nicht?

Eine besorgte Mutter fühlt die Stirn ihrer Tochter, die zugedeckt auf dem Sofa liegt.
Wenn das Kind krank wird, sich keine Betreuung finden lässt und trotzdem die Arbeit ruft – dann bekommen Eltern ein Problem. Bild: Imago | Shotshop
Was müssen Eltern beachten, wenn sie nicht arbeiten können, weil die Kita oder die Schule aufgrund von Corona schließt und das Kind betreut werden muss?
Zu allererst sollte man das offene Gespräch mit Kolleginnen und Kollegen und natürlich auch mit dem Chef suchen, um sich abzusprechen. Je nach Job und Firma sind verschiedene flexible Lösungen denkbar: Eine davon wäre Unterstunden aufzubauen, also später zur Arbeit zu kommen und bereits früher zu gehen. Eine weitere Möglichkeit wäre einen Teil der Arbeit von zu Hause aus zu erledigen.
Generell gilt aber: wer wegen der Betreuung von kranken Kindern nicht zur Arbeit kommt, aber seinen Lohn weiter bekommen möchte, muss belegen können, dass alles Zumutbare probiert wurde, um das Kind betreuen zu lassen.
Welche Rechte hat man als Arbeitnehmer, wenn sich der Chef quer stellt?
In der aktuellen Situation bekommen Eltern ihr Geld weiterhin ausgezahlt, wenn folgende Voraussetzungen erfüllt sind:
  • Es wurden zunächst angefallene Überstunden für die Betreuung des Kindes abgebaut.
  • Es gibt keine anderweitige realistische Betreuungsmöglichkeit.
  • Und das zu betreuende Kind ist nicht älter als 12 Jahre.
Treffen diese drei Voraussetzungen zu, bekommen die Eltern einen Teil ihres Lohns weiter gezahlt. Das sind 67 Prozent vom letzten Nettogehalt, höchstens aber etwas über 2.000 Euro im Monat. Der Arbeitgeber kann sich diese Summe von den Behörden später erstatten lassen, wenn er das beantragt.
Gibt es eine zeitliche Begrenzung für dieses Angebot?
Ja, pro Elternteil gilt das bis zu zehn Wochen im Jahr, also bei zwei Elternteilen 20 Wochen insgesamt. Alleinerziehende hingegen bekommen die vollen 20 Wochen im Jahr. Dies gilt allerdings nur, wenn die Kita oder die Schule aufgrund von Corona geschlossen sind. Ist das Kind nur krank, Kita oder Schule haben aber geöffnet, dann können Eltern jeweils maximal drei Wochen im Jahr von der Arbeit wegbleiben, und bekommen trotzdem weiter Geld bezahlt. Diese Regelungen gelten noch bis mindestens Ende des Jahres 2020.
Die Stühle in einem leeren Klassenzimmer sind zum Wischen hochgestellt.
Bleiben Schulen und Kitas geschlossen, müssen berufstätige Eltern improvisieren. Bild: Radio Bremen
Wie flexibel sind die Unternehmen inzwischen, wenn Arbeitnehmer Probleme bekommen, weil das Kind krank wird?
Laut einer Studie des Prognos-Instituts sagen acht von zehn befragten Unternehmen in Deutschland, dass sie gegenüber den betroffenen Eltern "hilfsbereit" sein wollen. Dies tun sie, weil sie wissen, dass sich ein rücksichtsvoller Umgang an dieser Stelle positiv auf die Motivation der Mitarbeitenden auswirkt. Und jedes fünfte Unternehmen gibt an, dass man wegen der Corona-Pandemie von sich aus auf die Eltern zugegangen sei, um genau eventuelle Fragen und Probleme zu klären.
In die Studie wurden auch Eltern gefragt, wie entgegenkommend denn der Arbeitgeber ist: da haben immerhin drei Viertel der Eltern gesagt, dass ihnen Hilfe angeboten worden sei, nachdem sie danach gefragt hätten. Offenbar hat sich da auch ein bisschen was getan in den vergangenen Jahren, was die Sensibilisierung der Unternehmen für das Thema Kinderbetreuung angeht.

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Video vom 9. Juni 2020
Petra Katzorke der zentralen Elternvertretung Bremen im Studio von buten un binnen.
Bild: Radio Bremen

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Autor

  • Michael Kück Redakteur

Dieses Thema im Programm: Bremen Vier, Bremen Vier Läuft, 17. September 2020, 13:15 Uhr