Fragen & Antworten

Krätze-Fälle in Bremerhaven nehmen zu: Wie kann man sich schützen?

Krätze ist ansteckend, unangenehm – und breitet sich aus. Was dagegen hilft und was Betroffene tun sollten, erklärt der Leiter des Gesundheitsamts in Bremerhaven.

Eine Ärztin zeigt auf einem Laptop ein Bild eines Krätze-Patienten.
Eine Ärztin zeigt das Bild eines Krätze-Patienten. Einen Zusammenhang der Ausbreitung mit dem Hautärzte-Mangel in Bremerhaven, sieht der Leiter des Gesundheitsamts nicht. Bild: DPA | Daniel Naupold
Was ist überhaupt Krätze?
Die Krätze erkenne ich am besten daran, dass es irgendwo juckt und extrem unangenehm ist. Wenn ich dann noch Hautrötungen habe und das Ganze im Bereich von Hautfalten ist, zum Beispiel zwischen den Fingern, dann muss ich schon mal daran denken, dass es Krätze sein kann.
Ein Mann sitzt in einem Büro und blickt in die Kamera.
Der Leiter des Gesundheitsamts in Bremerhaven, Ronny Möckel, hält Schließungen von Kitas oder Schulen für unwahrscheinlich. Bild: Radio Bremen | Patrick Florenkowsky
Wenn ich glaube Krätze zu haben, was mache ich dann?
Meine erste Empfehlung ist, sich an den Hausarzt zu wenden. Wenn der sich bei der Diagnostik nicht ganz sicher ist, wird er sicher auch auf den Hautarzt, den Dermatologen, verweisen.
Seit Jahresbeginn gibt es in Bremerhaven schon 35 gemeldete Fälle, letztes Jahr waren es insgesamt 93, davor noch weniger. Woher kommt dieser Anstieg?
Wir haben seit Jahren eine stete Zunahme der Zahlen von Krätze. Wenn sich ein solcher Schädling erstmal festgesetzt hat, wird es immer schwieriger und die Zahlen können dann steigen. Das ist das, was wir jetzt erleben. Das ist kein Problem im Sinne von Gesundheitsgefahr und Spätschäden. Aber es ist ein sehr unangenehmer Lästling, der durch intensiven Kontakt übertragen werden kann, wie es beispielsweise in Gemeinschaftseinrichtungen auftritt, sprich auch in Kitas.
Wie verbreitet sich die Krätze?
Die Krätze braucht einen relativ intensiven Körperkontakt. Das sind also keine Flöhe, die meterweit von einem zum anderen springen. Es sind natürlich auch mittelbare Kontakte über Polstermöbel oder ähnliches möglich. Allerdings ist die Gefahr der Ansteckung bei losem Kontakt nicht sonderlich hoch.
In Bremerhaven gibt es nur noch drei Hautärzte, besteht da einen Zusammenhang?
Also die Erkrankung ist ambulant recht gut behandelbar. Ich glaube nicht, dass es einen direkten Zusammenhang gibt, zwischen fehlenden Hautärzten und der Ausbreitung der Krätze. Wir haben in den letzten Jahren eine vergleichsweise gute Ausstattung mit Dermatologen gehabt und die Fallzahlen sind auch gestiegen.
Welche Tipps gibt es, um sich vor Krätze zu schützen?
Die Schutzmöglichkeiten sind relativ eingeschränkt, das muss man schon sagen. Ich kann nicht wissen, ob ich zu Betroffenen Kontakt habe. Das ist genau wie mit Kopfläusen. Da sollte ich vielleicht auch nicht jede Mütze am Stand anprobieren, weil ich nicht weiß, wer sie zuletzt auf hatte. Am wichtigsten ist, dass möglicherweise von Krätze Befallene, sich behandeln lassen. Sie können Kontaktpersonen davor schützen, sich anzustecken.
Was passiert, wenn Krätze in der Schule oder dem Kindergarten auftritt?
Wenn in einer Gemeinschaftseinrichtung Krätze auftritt, ist es das gleiche Verfahren wie bei Läusen. Das Gesundheitsamt wird informiert, wir stellen entsprechendes Informationsmaterial, damit die Eltern auch informiert und sensibilisiert werden, bei ihren Kindern nach Symptomen zu gucken. Im Zweifelsfall kann man uns auch im Gesundheitsamt kontaktieren und sich beraten lassen. Wir sind natürlich auch für Fragen der Bürger offen. Schließungen von Einrichtungen sind letztlich nicht ganz ausgeschlossen, halte ich allerdings für Bremerhaven auf absehbare Zeit für sehr unwahrscheinlich.
Auch in anderen Teilen Norddeutschlands werden mehr Krätze-Fälle gemeldet. Wie kommt das?
Mir fehlen Zahlen, ob es tatsächlich ein norddeutsches Problem ist, aber ich kenne Medienberichte auch aus anderen Regionen Deutschlands. Ich bin bei der infektionsepidemiologischen Bewertung unsicher, ob das Ganze vielleicht auch etwas mit den Flüchtlingsströmen zu tun hat. Das alleine würde es allerdings nicht erklären, weil wir auch vor der Zeit schon steigende Zahlen von Krätze hatten.
Wie wird Krätze im Normalfall behandelt?
Die normale Behandlung von Krätze ist im Prinzip ein Einschmieren mit einem geeigneten Mittel. Dann ist es eigentlich schon ausreichend behandelt. Insofern kann man auch wieder eine Parallele zur Behandlung bei Kopfläusen ziehen.

Autoren

  • Joschka Schmitt
  • Patrick Florenkowsky

Dieses Thema im Programm: Der Nachmittag, Bremen Eins, 27. Januar 2020, 15:15 Uhr