Kommentar

Befindlichkeiten beiseite: Deutsche Nordseehäfen, organisiert Euch neu

Befindlichkeiten beiseite: Deutsche Nordseehäfen, organisiert euch neu

Viele Container stehen gestapelt in einem hafen.
Bild: DPA | picture alliance / dpa | Christian Charisius
Bild: DPA | picture alliance / dpa | Christian Charisius

Hapag-Lloyd kauft Anteile am Jade-Weser-Port, Bremen und Hamburg verhandeln über eine Häfen-Fusion – es ist Bewegung in der Branche. Dringend nötig, meint Redakteur Dirk Bliedtner.

Halleluja! Es kommt Bewegung in die Hafenwirtschaft! Während die Bremer Eurogate und die Hamburger Hafen und Logistik AG, kurz HHLA, über einen Zusammenschluss verhandeln, schafft die Hamburger Reederei Hapag-Lloyd – als größter Hamburger Kunde – schon mal Fakten. In Zukunft sollen offenbar mehr Container direkt an der Nordsee in Wilhelmshaven und Bremerhaven abgefertigt werden. Die Fahrt über die Elbe, sie dürfte nicht mehr zwangsläufig auf dem Plan stehen. Ein deutliches Signal dafür, dass es nun endlich an der Zeit ist für eine neue Häfen-Kooperation. Die weltgrößte Reederei Maersk hat sich am Tiefwasserhafen zurückgezogen, verkauft ihren Anteil an Hapag-Lloyd. Angeblich will sich Maersk mehr auf Bremerhaven und Rotterdam konzentrieren.

Hamburg war zu zurückhaltend, eine Fehlentscheidung!

Fest steht jedenfalls: Es ist viel Bewegung in der Containerbranche. Hamburg war jahrelang äußerst zurückhaltend gegenüber einer möglichen Beteiligung am Tiefwasserhafen. Eine Fehlentscheidung! Zu groß waren dort die Bedenken, man könne mehr verlieren als gewinnen. Dabei war schon zur Eröffnung des Hafens 2012 klar: Eine andauernde Vertiefung von Elbe und Weser ist nicht zu vertreten, erst recht nicht mit Blick auf die Klimakatastrophe. Und die Not ist groß: Denn inzwischen diktieren weltweit agierende Reeder-Allianzen die Preise, und ausländische Häfen punkten mit automatisierten Terminals.

Verhandlungen dürfen nicht ins Stocken geraten

Um mithalten zu können, einerseits Jobs zu sichern, andererseits neue, moderne Job-Perspektiven zu schaffen, müssen sich die deutschen Nordseehäfen neu organisieren. Die Häfen- und Finanzsenatoren von Bremen und Hamburg haben das gerade erst noch einmal bekräftigt und an die Hafenunternehmen appelliert. Bremen ist an Eurogate beteiligt, Hamburg an der HHLA. Es ist richtig, diesen Einfluss zu nutzen. Die Verhandlungen dürfen nicht ins Stocken geraten. Was über Jahrzehnte undenkbar schien – es ist in greifbare Nähe gerückt. Bremen und Hamburg, die größten Konkurrenten, die alten Hanseaten, scheinen ihre Befindlichkeiten endlich beiseite zu legen – um ein neues, gemeinsames Kapitel aufzuschlagen. Dass wir das noch erleben dürfen. Halleluja!

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Autor

  • Dirk Bliedtner

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Morgen, 29. September 2021, 9:20 Uhr