Bilanz nach einer Woche: So läuft die Notbetreuung in Bremer Kitas

Erschöpfte Eltern, verunsichertes Kita-Personal: Das große Chaos blieb aus, zufrieden sind viele aber trotzdem nicht. An die Politik gibt es klare Forderungen.

Hinter einem Teppich mit bunten Zahlen laufen Kinder auf dem Flur eines städtischen Kindergartens.
Für Bremer Kitas gilt seit letzter Woche die Notbetreuung, Krippen sind von dieser Regelung ausgenommen. Bild: DPA | Uwe Anspach

Eine Woche Notbetreuung in Bremer Kitas ist vorbei. Die Bilanz: durchwachsen. Während einige Träger ein insgesamt positives Fazit ziehen, überwiegen für viele Familien Stress und viele Unsicherheiten. Bei der Zentralelternvertretung (ZEV) in Bremen seien bis vergangenen Freitag zwar keine größeren Beschwerden und aufgebrachte Elternstimmen eingegangen, die Belastung sei für Familien dennoch sehr groß, so Petra Katzorke von der ZEV.

In der aktuellen Notbetreuung, der sogenannten "Reaktionsstufe 3" können nicht alle Kinder in den Kitas betreut werden. Erlaubt sind nicht mehr als zehn Kinder pro Gruppe, Vorrang haben laut Senat dabei Kinder von Berufstätigen, die nicht im Homeoffice arbeiten können, besondere Härtefälle und Fälle, in denen das Wohl des Kindes gefährdet ist. Laut ZEV war die Umsetzung dieser Regularien in der vergangenen Woche von Kita zu Kita unterschiedlich.

Kitas mit sehr guter Personalausstattung und hohem Anteil berufstätiger Eltern fahren teilweise Modelle eines tageweisen Wechsels unter Zuordnung genau einer Fachkraft zu einer Gruppe, andere haben ein Auswahlverfahren zur Ermittlung der berechtigten Kinder durchgeführt.

Petra Katzorke der zentralen Elternvertretung Bremen im Studio von buten un binnen.
Petra Katzorke, Zentralelternvertretung Bremen

Brandbrief an die Senatorin

Irene Beier leitet den Standort Heiligenbergstraße in Bremen-Osterholz der Kita Melanchthon-Gemeinde. Bei der Kindergartengruppe lag die Auslastung zuletzt bei etwa 75 Prozent. "Derzeit haben bei uns 13 Kinder einen Anspruch auf Betreuung, zehn dürfen aber nur zeitgleich kommen", sagt die 62-Jährige. Das Einholen der Berufstätigkeitsnachweise der Eltern habe in der letzten Woche im Großen und Ganzen gut geklappt, so die Kita-Leiterin.

Dennoch: Jeder Tag sehe unterschiedlich aus und gerade bei den Krippenkindern – wo die Notbetreuung nicht gilt – merke man deutliche Unterschiede was die Anzahl der Kinder betrifft. "Im Moment sind wir mit acht Kindern belegt, an machen Tagen kamen letzte Woche fast alle, mal waren es nur vier", sagt Beier. Die Kita-Leiterin bemängelt, dass die Notbetreuung nicht auch für unter Dreijährige gilt. Hier sei eine Reduzierung der Kontakte mindestens genauso wichtig.

Meine Mitarbeitenden und ich fühlen uns zu wenig geschützt und ernst genommen. Wir sind diejenigen, die die hustenden und niesenden Kinder auf dem Schoß haben.

Irene Beier
Irene Beier, Kita-Leiterin in Bremen-Osterholz

Mit dem aktuellen Vorgehen der Politik in Sachen Kitas ist Irene Beier unzufrieden. Ende Januar machte die Diplom-Sozialpädagogin ihrem Ärger Luft und schickte einen Brandbrief unter anderen an Bildungssenatorin Claudia Bogedan (SPD). Gerade den Informationsfluss zwischen Behörde, Träger und den Kitas kritisierte sie darin als Zumutung. Denn am 27. Januar 2021 hatte Beier mit ihren Kollegen die Dienstpläne für die darauffolgende Woche erstellt. "Abends habe ich dann bei buten un binnen von der Notbetreuung erfahren, unsere Pläne waren damit hinfällig", sagt Beier. Weitere Informationen folgten erst am Nachmittag des 28. Januar. "Die Folge sind verunsicherte Eltern und verunsicherte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter", klagt Beier.

Träger ziehen weitestgehend positive Bilanz

Laut Carsten Schlepper von der evangelischen Kirche Bremen lag die Auslastung in den Einrichtungen bei etwa 45 Prozent. "Wir hatten knapp die Hälfte der Kinder in unseren Kitas, allerdings nicht an jedem Tag", sagt Schlepper. Er plädiere für die Rückkehr in einen eingeschränkten Regelbetrieb, die regelmäßigen Testungen der Mitarbeitenden seien dafür eine wichtige Grundlage. "Mit Blick auf die Inzidenzwerte in Bremen sollte dieses für die Zeit bis Ostern erneut vereinbart werden. Darauf können sich Kitas, Kinder und Eltern einstellen", findet Schlepper.

Bei den Einrichtungen von Kita Bremen zeigt sich ein ähnliches Bild: Im Schnitt seien die Kitas zu einem Drittel ausgelastet gewesen, so Geschäftsführer Wolfgang Bahlmann. "Hier und da hat es geruckelt und es gab auch einige Diskussionen mit Eltern, die leider keinen Platz für ihre Kinder bekommen haben aber insgesamt sind wir zufrieden", sagt er. Den von anderer Seite kritisierten Informationsfluss zwischen der Bildungsbehörde und den Trägern lobt Bahlmann dagegen.

Vorab wurden aber alle Träger zu einer Videoschalte eingeladen und über die Entwicklungen informiert. Das lief angesichts der Lage gerade in der letzten Woche ziemlich gut.

Kopf eines Mannes, der vor einem bunten Bild sitzt.
Wolfgang Bahlmann, Geschäftsführer Kita Bremen

Wie geht es weiter?

Auch beim Verbund Bremer Kindergruppen überwiegt der Eindruck einer insgesamt guten Umstellung auf die Notbetreuung. Klar sei laut Kirsten Köcher aber auch: Es gibt mehr Berechtigte als Betreuungsplätze. In diesen Fällen habe man individuelle Lösungen gefunden, Probleme habe es nur in Einzelfällen gegeben, so Köcher. Ganz oben auf der Wunschliste stehen neben sinkenden Coronazahlen auch hier rechtzeitige Informationen seitens der Behörde für eine bessere Planbarkeit.

Wie lange die Notbetreuung in den Kitas noch weitergeht, ist derzeit ungewiss. Am Mittwoch berät sich Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) dazu mit Bundeskanzerlin Angela Merkel (CDU) und den anderen Länder-Chefs. Die Dienstpläne und Betreuungskonzepte für die Notbetreuung stehen in vielen Bremer Kitas erstmal. In welchem Umfang diese für die kommenden Wochen angepasst werden müssen, werden die Beschlüsse am Mittwoch zeigen.

Bremer Kitas wieder im Notbetrieb

Video vom 28. Januar 2021
Eine Nahaufnahme der Regenstiefel eines sitzendes Kindes im Sandkasten.
Bild: Radio Bremen

Autorin

  • Angela Weiß

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 8. Februar 2021, 19:30 Uhr