Interview

Bremens kleine Kinos öffnen – aber darum ist die Krise nicht vorbei

Die ersten Filme seit Beginn der Corona-Krise flimmern in zwei Programmkinos wieder auf der Leinwand. Theaterleiter Erdmann erzählt, wie es weitergeht – und hat eine Bitte an die Besucher.

Die Schauburg in Bremen
Auch die Schauburg öffnet heute wieder - wenn auch mit einer kleineren Filmauswahl. Bild: Robert Erdmann
Herr Erdmann, wenn Sie auf die letzten Monate zurückschauen: Wie schwierig war die Corona-Zeit wirklich?
Das war eine sehr harte Zeit. Nach dem Lockdown am 18. März ist bei uns alles geschlossen gewesen. Wir mussten die drei Kinos Gondel, Atlantis und Schauburg zumachen. Kurze Zeit später konnten wir zumindest die Gastronomie in der Gondel und in der BarTabac öffnen. Aber das hat natürlich überhaupt keine Einnahmen gebracht. Das ist schon existenziell gewesen, was uns da widerfahren ist. Und wir sind auch jetzt noch nicht durch mit der Krise. Wir müssen erstmal gucken, wie wir wieder auf die Beine kommen.
Robert Erdmann vom Bremer Filmkunsttheater
Robert Erdmann, Theaterleitung Schauburg Kino GmbH. Bild: Robert Erdmann
Wie genau sieht die Situation denn gerade aus?
Die meisten Mitarbeiter sind weiter in Kurzarbeit. Wir müssen die Hygiene- und Abstandsregeln beachten. Das heißt für uns, dass das Atlantis-Kino in der Böttcherstraße nicht geöffnet werden kann, weil das mit den geltenden Regeln nicht wirtschaftlich zu betreiben ist. Und in der Schauburg und in der Gondel können wir vielleicht 20 bis 25 Prozent der Sitze belegen. Und da ist die Frage, ob sich das dann tatsächlich lohnt. Auch, weil die Nebeneinnahmen nicht mehr so zu erzielen sind, wie vorher. Wir werden ja nicht den Getränkeverkauf haben, den wir vor Corona gehabt haben.
Theoretisch hätten Sie auch schon am 12. Juni öffnen können. Warum doch erst jetzt?
In erster Linie wollten wir das nicht am 12 Juni. Denn einerseits kam der Hinweis, dass wir die Kinos wieder öffnen können, sehr kurzfristig. Ich meine, Bürgermeister Bovenschulte hat am Dienstag gesagt, dass wir am Freitag wieder öffnen können. Und andererseits waren da gerade überhaupt keine Filme auf dem Markt. Die eigentlichen Bundesstarts, die geplant waren, sind alle zurückgezogen oder verschoben worden. Zudem hat unser Verband, die Kino-Gilde, einen bundeseinheitlichen Restart angedacht, nämlich den 2. Juli. An den klammern wir uns jetzt, beziehungsweise haben ihn um einen Tag auf heute vorgezogen.
Gibt es denn jetzt wieder mehr Filme auf dem Markt?
Es sind immernoch weniger als normal. Die deutschen Verleiher positionieren sich jetzt im Juli mit den Filmen "Undine" und "Berlin Alexanderplatz". Was die großen internationalen Produktionen angeht: Da halten die Verleiher sich tatsächlich zurück und schieben Filme hin und her. Das ist schwierig, weil man dann auch nicht richtig planen kann. Vor Corona hatten wir also eine größere Filmauswahl: Wir hatten ja mit Atlantis, Gondel und Schauburg immer vier Leinwände. Das ist jetzt, da das Atlantis noch nicht öffnen kann, auf drei Leinwände reduziert. Und in der Startwoche gehen wir erst mal mit nur zwei neuen Filmen an den Start.
Mit Blick auf die Einschränkungen: Wie haben Sie die Corona-Regeln umgesetzt?
Wir haben in den Kinos jede zweite Reihe gesperrt. Und wenn eine Karte gekauft wird, dann werden automatisch die nächsten Plätze auch blockiert, um den geforderten Sicherheitsabstand einzuhalten. Außerdem gelten natürlich die allgemeinen Hygienekonzepte – Händewaschen und Maske tragen. Für die Kinovorstellung selber kann man die Maske dann abnehmen. Aber man muss natürlich auch im Foyerbereich den entsprechenden Abstand einhalten und wir müssen die Daten der Besucher festhalten. Des Weiteren werden beim Einlass die Karten nicht mehr durch Abriss entwertet, sondern wir machen da einfach Sichtkontrolle.
Kann man sagen, dass diese Regeln vor allem die kleineren Kinos besonders schwer treffen?
Ich denke schon, dass wir besonders betroffen sind. Wir können nicht die riesen Anzahl an Plätzen anbieten, wie das die Multiplexe tun. Und das zeigt sich jetzt ja auch am Beispiel Atlantis: Das Kino kann von uns nicht wirtschaftlich betrieben werden und bleibt deswegen zu. Während die Multiplexe mit neun, zehn Sälen immernoch ausweichen können.
Gibt es neben den genannten Regeln noch etwas, das die Besucherinnen und Besucher beachten sollten?
Wir müssen uns tatsächlich beim Publikum bedanken, weil in der Corona-Zeit unglaublich viele Gutscheine verkauft wurden. Und da hätte ich noch eine Bitte: Es wird für uns wirklich schwierig, wenn jetzt sämtliche Gutscheinbesitzer kommen und ihre Gutscheine sofort einlösen würden. Deswegen würde ich sie bitten, ein wenig zu warten. Es kommt durch die wenigen Plätze sowieso kaum Geld in die Kassen, und wenn die dann auch noch durch die Gutscheinbesitzer besetzt werden, ist das natürlich schwierig zu stemmen.

Rückblick: Neustart kommt für Bremer Kinos zu früh

Video vom 12. Juni 2020
Leere Sitzreihe in einem Kinosaal.

Weitere Informationen:

Autorin

  • Rebecca Küsters

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 2. Juli 2020, 23:30 Uhr