"Wie eine Beerdigung": Ein Bremer Karstadt-Fan nimmt Abschied

In Bremerhaven ist eine Ära zu Ende gegangen. Nach über 90 Jahren ist die Karstadt-Filiale Geschichte. Ein Rückblick mit einem der größten Karstadt-Fans Deutschlands.

Holger Philipp Bergt vor dem leer stehenden Karstadt Gebäude in BHV
Ein letztes Mal ist Holger-Philipp Bergt bei Karstadt in Bremerhaven zu Gast. Deutschlandweit hat er über 50 Filialen besucht. Bild: Radio Bremen | Leonard Steinbeck

Die Schaufenster sind ausgeräumt, die Etagen leergefegt und auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben sich endgültig verabschiedet. Teilweise unter Tränen. Für fast alle Beteiligten ist es ein Abschied mit Schmerz.

"Es hat ein bisschen was von einer Beerdigung. Etwas zu Grabe tragen."

Holger-Philipp Bergt, Karstadt-Fan aus Bremen

"Wie eine Beerdigung": Ein Karstadt-Fan nimmt Abschied

Audio vom 28. Januar 2021

Der Bremer Holger-Philipp Bergt ist wahrscheinlich einer der größten Karstadt-Fans Deutschlands. Durch seine Leidenschaft für die Architektur von alten Warenhäusern ist er zur Liebe für Karstadt gekommen. Über 50 verschiedene Filialen hat er bereits besucht, auch bei Karstadt in Bremerhaven war er regelmäßig zu Gast.

Holger Philipp Bergt vor einem Plakat auf dem Karstadt in Bremen zu sehen ist
Zuhause sammelt Holger-Philipp Bergt fast alles, was einen Bezug zu Karstadt hat. Das Highlight: Ein altes Bild der Karstadt-Filiale in Bremen. Bild: Radio Bremen | Leonard Steinbeck

Jetzt geht der 55-jähirge ein letztes Mal mit trauriger Mine durch die bereits leergeräumte Filiale. Ehemalige Karstadt Mitarbeiter haben ihn noch einmal eingeladen. Für seine private Sammlung darf er sich ein paar Erinnerungsstücke mit nach Hause nehmen.

"Das ist ein bisschen so, wie als wenn die Großeltern gestorben sind und man das Haus ausräumt"

Holger-Philipp Bergt, Karstadt-Fan aus Bremen
Karstadt Kleiderbügel hängen an einer Tür
Über 300 Karstadt Kleiderbügel hat Holger-Philipp Bergt mittlerweile gesammelt. Bild: Radio Bremen / Leonard Steinbeck

Privat sammelt Holger-Philipp Bergt fast alles, was einen Bezug zur größten deutschen Warenhauskette hat: Kleiderbügel, Arbeitsbücher ehemaliger Mitarbeiter oder auch Geschirr aus den Karstadt-Restaurants. Aus der Karstadt Filiale in Bremerhaven darf er einen Stuhl und eine alte Stempelkiste, mit der früher Plakate gestaltet wurden, mit nach Hause nehmen. "Das ist einerseits Erinnerung an Karstadt in Bremerhaven und andererseits auch Warenhaus-Geschichte", sagt er.

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Eine historische Aufnahme von Karstadt in Bremerhaven
Karstadt in Bremerhaven um 1965 Bild: Privat / Holger-Philipp Bergt

Doch auch in Zeiten, in denen immer mehr Menschen online kaufen, könnne eine Warenhaus-Kette funktionieren, meint Bergt. Wichtig sein vor allem drei Sachen:

  • Das Haus müsse ansprechend aussehen. In Bremerhaven sei das schon lange nicht mehr der Fall gewesen. Eine Renovierung sei dringend notwendig.
  • Am Service dürfe nicht gespart werden. Wenn ein Kaufhaus funktionieren soll, dann brauche es guten Service.
  • Es dürfe nicht deutschlandweit in allen Karstadt Filialen dieselben Dinge zu kaufen geben. Wichtig sei es, dass auf regionale Besonderheiten geachtet wird.

Diese drei Punkte seien in den vergangenen Jahren zu wenig berücksichtigt worden, meint Bergt.

Deutschlandweit mussten im vergangenen Jahr über 40 Karstadt Filialen schließen. Für die Stadt Bremerhaven sei der Weggang von Karstadt fatal, sagt Bergt. Die Auswirkungen seien an vielen Orten zu spüren: Die Menschen, die ihren Job verlieren. Die Innenstadt, die ihren Anreiz verliert. Und auch das Columbus-Center, in dem jetzt schon die achte Ladenfläche leer steht.

Autor

  • Leonard Steinbeck

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, 28. Januar 2021, 10:15 Uhr