Bremens Juden feiern Jom Kippur: Was hat der Sündenbock damit zu tun?

Jüdischer Versöhnungstag Jom Kippur

Audio vom 14. September 2021
Eine Jude bläst das Schofar (Widderhorn), welches das Jom Kippur-Fest einleitet (Archivbild)
Bild: Imago | EPA
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Der jüdische Versöhnungstag wurde begangen: Diese vier erstaunlichen Fakten wissen Sie bestimmt noch nicht über den höchsten jüdischen Festtag.

Letzte Woche Montag feierten die Juden weltweit das jüdische Neujahrfest Rosch ha-Schana. Nach dem biblischen Kalender befinden wir uns nun im Jahr 5782. Es ist ein besonderes Jahr: Es ist Sabbat- und Jubeljahr zugleich. Diese werden an dem höchsten jüdischen Festtag, dem heutigen Jom Kippur, ausgerufen. Mit dem Sonnenuntergang am Mittwoch beginnt Jom Kippur. Er endet Donnerstagabend mit dem Posaunenblasen ins Widderhorn.

Jom Kippur ist hebräisch und bedeutet Tag der Versöhnung. Damit ist die Versöhnung der Juden mit Gott und den Mitmenschen gemeint. An diesem Tag werden die Sünden des jüdischen Volkes kollektiv bekannt und Gott um Verzeihung gebeten. Anders als andere jüdische Feiertage wird Jom Kippur sehr enthaltsam begangen: Kein Essen, kein Trinken und kein Sex. Dafür aber stehen Ruhe, Buße und Beten an.

Vier Begriffe sind in unseren Sprachgebrauch übergegangen, die hier ihre Wurzeln haben.

1 Sabbatjahr

Wer ein Sabbatjahr oder auch "Sabbatical" einlegt, der nimmt sich eine Auszeit, zieht sich für längere Zeit von seiner Arbeit zurück und macht etwas vollkommen anderes. Ursprünglich beschreibt das Sabbatjahr ein göttliches Gebot im Alten Testament. Das Sabbatjahr wurde von dem Priester an Jom Kippur ausgerufen. Der Sabbat ist bekanntlich der jüdische Ruhetag. Es ist der siebte Tag, an dem alle Juden von ihrer Arbeit ruhen sollen.

Demnach ist das Sabbatjahr das siebte Jahr, in dem symbolisch keine Landarbeit verrichtet werden darf. Äcker und Weinberge sollen für den eigenen Nutzen ruhen. Laut Bibel ordnet Gott an, dass alles, was im siebten Jahr geerntet wird, den armen Mitmenschen gegeben wird. Im Alten Testament wird das Sabbatjahr folgendermaßen angeordnet: "Sechs Jahre sollst Du Dein Feld besäen und sechs Jahre Deinen Weinberg beschneiden und die Früchte einsammeln. Aber im siebten Jahr soll das Land dem Herrn einen feierlichen Sabbat halten. Da sollst Du Dein Land nicht besäen und auch Deinen Weinberg nicht bearbeiten" (3. Buch Mose 25, 1-4).

2 Jubeljahr

"Alle Jubeljahre einmal" sagt man, wenn etwas sehr selten passiert. Auch der Begriff "Jubeljahr" findet seinen Ursprung im Alten Testament. Das Jubeljahr kehrte alle 50 Jahre wieder. Es beginnt immer an Jom Kippur, wenn ins Widderhorn, also in das Schofar geblasen wird. Das Jubeljahr wird auch Erlassjahr oder Jahr der Freilassung genannt. Denn in diesem 50. Jahr sollen alle Schulden erlassen und alle Sklaven freigelassen werden. Auch die katholische Kirche kennt das Jubeljahr: Es fand im Jahr 1300 unter Papst Bonifatius VIII mit Ablass-Wallfahrten nach Rom so einen Zuspruch, dass das nächste "Heilige Jahr" später sogar alle 25 Jahre begangen wurde und Sonderjubeljahre eingeschoben wurden. Zuletzt 1983 zum 1950. Todesjahr von Jesus von Nazareth.

3 Sündenbock

Im Alten Testament wird in den Büchern Moses vorgeschrieben, dass der Priester an Jom Kippur einen Ziegenbock per Los auswählen soll. Danach soll er vor der Versammlung seine Hände auf den Kopf des Ziegenbocks legen und über ihn alle Sünden und Schuld des jüdischen Volkes aussprechen. Demnach ist mit "Sündenbock" aus biblischer Sicht einen Ziegenbock gemeint, der symbolisch die Sünden, also die Schuld und Fehler der Menschen, trägt.

4 Jemanden in die Wüste schicken

Dieser Ziegenbock wurde, nachdem er sozusagen mit den Sünden beladen wurde, vom Priester in die Wüste geschickt. So sollte der Ziegenbock alle Sünden des jüdischen Volkes mit sich in die Einöde tragen. Später wurde der "Sündenbock" auch außerhalb von Jerusalem zu einer Klippe gebracht und von dort heruntergestoßen, damit er nicht zurückkehren konnte. Wie der Begriff "Sündenbock" stammt auch die Redewendung "jemanden in die Wüste schicken" also aus dem Alten Testament. Ihre heutige Bedeutung im Alltag hat sich im Laufe der Zeit gewandelt. Sprichwörtlich "jemanden in die Wüste" zu schicken verwenden wir eher, wenn wir jemandem den Laufpass geben oder entlassen.

So sichtbar ist jüdisches Leben in Bremen

Video vom 28. August 2021
Innenraum einer Synagoge mit jüdischen Utensilien.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Autorin

  • Necla Süre Volontärin

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Nachmittag, 15. September 2021, 15:25 Uhr