Die größte Arktis-Expedition aller Zeiten endete in Bremerhaven

Corona machte auch den AWI-Forschern zu schaffen. Letztlich konnte die "Mosaic"-Expedition aber wie geplant bis Oktober laufen. Die ersten Ergebnisse sind erschreckend.

Menschen vor der einlaufenden "Polarstern"
Am 12. Oktober kam die "Polarstern" wieder in Bremerhaven an. Etliche Schaulustige begrüßten die Forscher. Bild: Radio Bremen | Sonja Harbers

"Mosaic" gilt als bislang größte Arktis-Expedition aller Zeiten. Im September 2019 waren die Forscher unter Leitung des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) in Bremerhaven mit der "Polarstern" gestartet. Das Forschungsschiff trieb ein Jahr lang mit zwei Eisschollen mit. So konnten die Wissenschaftler arktische Aspekte im Jahresverlauf untersuchen. Sie erwarten so auch neue Kenntnisse zum Klimawandel. Der Ausbruch der Corona-Epidemie brachte zunächst massive logistische Probleme. Mithilfe anderer Eisbrecher konnten Versorgung und Team-Transporte aber aufrecht erhalten werden.

24. Februar

Der Austausch der Mannschaft verzögert sich. Der Versorgungseisbrecher "Kapitän Dranitsyn" kommt kaum vorwärts. Das Meereis ist bis zu 160 Zentimeter dick.

28. Februar

Die "Kapitän Dranitsyn" erreicht die "Polarstern“ mit mehreren Tagen Verzögerung. An Bord des russischen Eisbrechers ist das Team für den dritten Fahrtabschnitt. Außerdem bringt der russische Eisbrecher Proviant und Material für die "Polarstern".

7. März

Es wird bekannt, dass sich ein Teilnehmer des Forschungsteams für den nächsten Abschnitt der Reise mit Corona infiziert hat. Er hatte sich in Bremerhaven mit weiteren Lehrgangsteilnehmern auf seinen Einsatz bei der "Mosaic"-Expedition vorbereitet, um dann gemeinsam in die Arktis zu fliegen. Die gesamte Gruppe muss in Quarantäne. Der Start der "Mosaic"-Flugkampagne wird verschoben. Ursprünglich war die Ankunft der Forschungsflugzeuge "Polar 5" und "Polar 6" auf Spitzbergen für den 11. März geplant.

12. März

Die Sonne ist zurück: Schon wenige Tage nachdem die Wissenschaftler die Eisscholle erreicht hatten, mit der sie durch die Arktis driften, stieg die Sonne nicht mehr über den Horizont. Jetzt wird es endlich wieder hell. Heute gibt es einen richtigen Sonnenaufgang.

26. März

Der Crew-Austausch kann nicht wie geplant stattfinden. Die rund 100 neuen Wissenschaftler dürfen wegen Corona nicht nach Spitzbergen einreisen. Die bisherige Crew kommt nicht von Bord.

16. April

Die Bremer Fotografin Esther Horvath gewinnt den renommierten "World Press Photo Award". In der Kategorie "Umwelt/Einzelbild" landet sie auf dem ersten Platz. Ihr Foto von einer Eisbärin mit ihrem Jungen, die neugierig die Ausrüstung der Forscher der "Mosaic"-Expedition in der Arktis untersuchen, ging um die Welt.

24. April

Die "Polarstern" muss sich infolge der Corona-Krise für drei Wochen von der Eisscholle lösen, mit der das Schiff durch die Arktis driftet. Nur durch die Unterbrechung der für ein Jahr geplanten Eisdrift in der Arktis sei es möglich, den nächsten Personalwechsel an Bord zu ermöglichen, sagt Expeditionsleiter Markus Rex am 24. April. Die "Polarstern“ soll bis zur Eiskante des Nordpolarmeeres fahren. Dort sollen die deutschen Forschungsschiffe "Sonne" und "Maria S. Merian" mit dem neuen 100-köpfigen Expeditionsteam an Bord gleichzeitig eintreffen.

18. Mai

Die "Mosaic"-Expedition bekommt nun verspätet ein neues Team und Versorgungsgüter. Die beiden Forschungsschiffe "Sonne" und "Maria S. Merian" waren in Bremerhaven gestartet und bringen das neue Team sowie Versorgungsgüter zur "Polarstern". Die "Polarstern“ fährt den beiden Schiffen bis zur Eiskante entgegen.

25. Mai

Endlich können die Wissenschaftler des dritten Fahrtabschnitts die "Polarstern" verlassen: Team 3 und Team 4 treffen sich an der Eiskante.

8. Juni

Der Crewwechsel hat problemlos geklappt: Die "Polarstern“ bricht in Spitzbergen auf und kehrt zurück ins Eis. Das bisherige Team tritt mit den beiden deutschen Forschungsschiffen "Maria S. Merian“ und "Sonne“ die Heimreise an. Durch die Unterbrechung fehlen laut Expeditionsleiter Markus Rex Messdaten von rund vier Wochen. Ein Teil der Messungen konnte mit autonomen Messinstrumenten fortgesetzt werden.

30. Juli

Unter lautem Knallen zerbricht die Scholle der "Mosaic"-Expedition in viele Einzelteile. Das Timing ist perfekt: Am Tag zuvor hatten die Forscher ihr Camp auf der Scholle abgebaut. Wie geplant konnten sie auch die letzte Phase des Lebens der Scholle dokumentieren. Die Forscher hatten genau 300 Tage zuvor mit der "Polarstern" an der Scholle angedockt und waren mit dem Eis mitgedriftet. Die Scholle zerbricht etwa fünf Kilometer von der Eiskante entfernt. Die Reise ist aber noch nicht zu Ende. Die "Polarstern" bleibt zunächst noch nahe der Eiskante, bis der russische Forschungseisbrecher "Akademik Tryoshnikov" eintrifft und das letzte Team bringt.

19. August

Die "Polarstern" hat mit dem letzten Team an Bord den Nordpol erreicht. Das Schiff hat damit nur sechs Tage von seinem letzten Standort in der nördlichen Framstraße in der Arktis bis zum nördlichsten Punkt der Erde gebraucht. Vom Nordpol geht es Richtung Sibirien zu einer neuen Eisscholle, um den beginnenden Gefrierprozess zu beobachten. Nach kurzer Suche findet die Crew nur drei Tage später eine neue Scholle für die letzten Untersuchungen.

30. August

Endlich kann die Flugkampagne doch noch stattfinden. Die beiden deutschen Polarforschungsflugzeuge "Polar 5" und "Polar 6" sind nach einer fünfmonatigen Zwangspause in der Arktis angekommen. Mit den wissenschaftlichen Messflügen wollen die Forscher die Atmosphäre und das Meereis untersuchen. Geplant ist zudem, dass die "Polar 5" der Route folgt, die zuvor die "Polarstern" entlanggedriftet ist. So will das Flug-Team die Messdaten der Forscher auf dem Schiff und auf dem Eis mit Messwerten aus der Luft vervollständigen. Mithilfe der Daten sollen später die Atmosphärenmodelle verbessert werden. Ursprünglich sollten vier Flugkampagnen stattfinden – zwei im Frühling und zwei im Sommer. Die für Frühjahr geplanten Flugkampagnen werden nicht nachgeholt. Die Forscher hoffen aber, dennoch genügend Daten sammeln zu können.

12. Oktober

Nach einem Jahr Drift durch das Nordpolar-Eis ist das Forschungsschiff "Polarstern" zurück in Bremerhaven. Bei strahlendem Sonnenschein läuft der 120-Meter-Eisbrecher mit vielen Eskort-Schiffen in die Wesermündung ein, dreht vor Fans mit Fahnen und mit Schiffshörnern eine Extra-Runde und lässt sich dann einschleusen. Kurz nach zehn Uhr wird am Dalbenpier dann die Gangway heruntergelassen. Damit geht zwar die Mammut-Expedition "Mosaic" zu Ende, doch für die Forscher geht die Arbeit weiter. Denn die vielen Proben und Daten müssen nun ausgewertet werden. Nach der Rückkehr ziehen die Beteiligten aber eine erste Bilanz – und die fällt düster aus. "Das Eis stirbt“, sagt Expeditionsleiter Markus Rex. "Wenn das so weitergeht mit dem Klimawandel, dann wird die Arktis in naher Zukunft im Sommer eisfrei werden."

Rückblick: Sondersendung zur Rückkehr der Polarforscher

Video vom 12. Oktober 2020
Moderator Felix Krömer vor dem Forschungsschiff Polarstern in Bremerhaven
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

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Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 30. Dezember 2020, 19:30 Uhr