Interview

Bremerin mit Down-Syndrom: "Jeder ist doch anders – auf seine Art"

Video vom 19. August 2021
Amelie Gerdes lehnt lachend an einer Mauer
Bild: Sigrun Strangmann
Bild: Sigrun Strangmann

Amelie Gerdes ist 17 Jahre alt und hat das Down-Syndrom. Im Interview erzählt sie, was sie am Schubladen-Denken stört und warum sie in ihrem Freundeskreis "die Mami" ist.

Behindertenverbände schlagen Alarm: Bluttests für Schwangere auf Down-Syndrom könnten bald zu Kassenleistungen werden. Der Gemeinsame Bundesausschuss hat dazu am Donnerstag über eine Informationsbroschüre entschieden, die Schwangere bekommen sollen, wenn sie diesen Bluttest machen. Die Entscheidung war eine der letzten Hürden für die Kostenübernahme. Als Folge würden mutmaßlich noch weniger Menschen mit Trisomie 21 auf die Welt kommen als jetzt schon. Menschen wie Amelie Gerdes. Die Bremerin ist 17 Jahre alt, hat gerade ihren Schulabschluss gemacht und die Dreharbeiten für einen ARD-Fernsehfilm beendet.

Was bedeutet das Down-Syndrom für Sie?
Für mich bedeutet das, anders zu sein, dass ich auffalle. Ich finde es in manchen Situationen echt blöd, in eine Schublade gesteckt zu werden. Manche sagen, Behinderte können gar nichts. Die werden auch richtig gemein. Aber jeder ist doch anders – auf seine Art. Und ich kenne das einfach von klein auf, dass man zusammen ist in einer Gesellschaft, wo alle miteinander lernen und wo man einen Ort hat, wo alle hinkommen können, zum Beispiel in der Schule.
Was würden Sie sich von anderen wünschen?
Ich wünsche mir von anderen Leuten, dass man mich oder auch andere Menschen akzeptiert, so wie man ist, egal welche Ecken oder Kanten man hat. Weil jeder die hat – ob man jetzt eine Beeinträchtigung hat oder nicht. Ich wünsche mir von Leuten, dass die aufmerksam bleiben sollen und einen akzeptieren, egal wie man ist. Beeinträchtigung oder nicht.

Ich habe auch im Freundeskreis Leute, die keine Beeinträchtigung haben, und ich find‘s schön, Zuneigung von anderen zu haben, die anders sind und ich einfach aufgenommen werde.

Porträt von Amelie Gerdes
Amelie Gerdes
Was sind Ihre Stärken?
Meine Stärken sind auf jeden Fall, dass ich weiß, was ich will und dass ich auch ziemlich zielstrebig sein kann bei den Dingen, die ich gerne mache, zum Beispiel beim Tanzen und beim Theater. Was ich sehr gut kann, mich in verschiedene Personen hineinzuversetzen. Ich bin sehr sensibel und sehe, wenn Personen, die mir wichtig sind, Hilfe brauchen. Also in meinem Freundeskreis bin ich mehr so die Mami, würde ich sagen. Ich kann aber auch ziemlich streng sein.
Und gibt es auch Schwächen?
Meine Schwächen sind auf jeden Fall, dass ich mega ungeduldig bin in den Dingen, die ich machen muss und nicht möchte. Also zum Beispiel Dinge im Haushalt, die mag ich eher nicht so gerne, aber man muss die ja machen. Ich hab` voll den Sturkopf.
Was wünschen Sie sich für Ihre Zukunft?
Mein größter Wunsch wäre, dass ich auf weiteren Bühnen auftreten kann, egal ob das Tanzen oder Theater ist. Tanzen und Theater sind ein Teil meines Lebens und meine Leidenschaft, und dafür brenne ich, Tag ein und Tag aus. Was noch mein größter Wunsch wäre: Einmal so richtig auf den ersten Arbeitsmarkt gelangen, das wäre der Hammer!

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Autorin

  • Claudia Scholz Redakteurin

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 19. August, 19:30 Uhr