Können wir die Wildbienen noch retten? Das sagen Experten in Bremen

Video vom 11. Juli 2021
Eine Biene fliegt in eine Niesthilfe – ein sogenanntes Bienenhotel.
Bild: Imago | imagebroker
Bild: Imago | imagebroker

Die Bienchen und die Blümchen – das sind zwei, die zusammengehören. Allerdings werden Wildbienen immer seltener. Bienenhotels und Nahrung sollen helfen.

Nicht alle Nisthilfen, die es als Saisonware in Baumärkten und sogar bei Discountern gibt, sind optimal, wie Naturschützer kritisieren. Einige Bienenhotels können sogar zur Todesfalle für Insekten werden, wenn die Sonne auf Plexiglasröhrchen brennt. Die Stichprobe im Baumarkt zeigt: Die Hersteller haben dazugelernt. Statt altes Holz, zum Teil behandelt, gibt es dort inzwischen Bienenhotels mit einem Siegel des Naturschutzbundes (NABU).

DIY-Hotel für glückliche Bienen

Schließlich habe nicht jeder Zeit, Lust und die Fingerfertigkeit, selbst ein Insektenhotel zu bauen, sagt Klaus Schulze vom Bremer Nabu, auch wenn es relativ einfach ist: "Die Grundidee ist, dass man erstmal trockenes Holz braucht, und zwar Hartholz, Ahorn, Esche, Buche, und dass man da Bohrungen einbringt, im Durchmesser zwischen drei und acht Millimeter." 

Die Löcher sollten fünf Zentimeter tief sein. Dabei bitte einen scharfen Bohrer nehmen, der ein glattes Loch beschert, an dem sich die Wildbienen mit ihren hauchdünnen Flügelchen nicht verletzen.

Egal ob gekauft oder selbstgemacht, mit Empfehlung oder leichten Mängeln: Jedes Insektenhotel ist erst mal gut, sagt der Entomologe, also Insektenkundler, Volker Lohrmann vom Bremer Überseemuseum. "Und wenn es nur dafür ist, dass es den Menschen offensichtlich gezeigt hat, dass sie etwas tun müssen. Die Wildbiene ist deshalb so gefährdet, auch beispielsweise im Vergleich zur Honigbiene, weil die Wildbiene eben nicht mit einem Rapsfeld zufrieden ist. Das ist für sie so interessant wie ein asphaltierter Parkplatz vorm Supermarkt."

Keine Insekten – keine Menschen

Glyphosat, Insektenvernichter und das Abmähen von Nahrungs- und Lebensräumen – was vielen nicht klar ist: Damit schneiden wir uns ins eigene Fleisch, sägen am Ast auf dem wir sitzen. Keine Insekten, keine Menschen, so drastisch lasse sich das schließlich sagen, meint Lohrmann. Doch zurück zu den Nützlingen: Sie freuen sich über eine abwechslungsreiche Natur.

Also gehen wir mal in den Garten, dann könnten es Tothölzer sein, in den genistet werden kann, es können offene Sandflächen sein, die als Brutflächen genutzt werden. Es können Hohlräume zwischen Steinen sein, die mittlerweile verloren gehen. Aber es ist vor allem auch die Vielfalt an Blütenpflanzen, die fehlt.

Volker Lohrmann, Entomologe

Neben Nisthilfen muss man also auch für ein gutes Nahrungsangebot sorgen, durch heimische Pflanzen und ein paar wilde, ungepflegte Ecken im Garten. "Auch wenn alle Gärten zusammen im Vergleich zu den großen landwirtschaftlichen Flächen eher unbedeutend sind – es ist ein Versuch wert, die Wildbienen zu retten."

Nabu-Geschäftsführer Hofmann: "Nicht nur auf hübsche Blüten achten"

Video vom 11. Juli 2021
Der geschäftsführer vom Nabu Bremen Sönke Hoffmann im Studiogespräch bei buten un binnen.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Autor

  • Mario Neumann Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 11. Juli 2021, 19:30 Uhr