Bremer Experten warnen: "Posten Sie keine Impfpässe im Internet!"

Sie freuen sich und werden leichtsinnig: Immer wieder veröffentlichen Menschen nach der Corona-Impfung ein Bild ihres Impfausweises im Netz. Das ist gefährlich.

Video vom 5. Mai 2021
Ein Impfpass liegt auf einem Tisch.
Bild: DPA | picture alliance / Geisler-Fotopress | Dwi Anoraganingrum/Geisler-Fotop
Bild: DPA | picture alliance / Geisler-Fotopress | Dwi Anoraganingrum/Geisler-Fotop

Für manche ist die Freude nach einer Corona-Impfung groß. Um den Pieks zu feiern, teilen sie auf Facebook, Twitter und in den sozialen Netzwerken ein Bild ihres Impfausweises mit dem ersehnten Stempel. Oder auch bereits davor, als Ausdruck ihrer Vorfreude. Menschlich nachvollziehbar, doch datenschutzrechtlich gefährlich. Darüber sind sich Experten und Expertinnen im Land Bremen einig.

Nahezu schockiert zeigt sich die Landesbeauftragte für Datenschutz, Imke Sommer. "Ich bin entsetzt", sagt sie. Dadurch könnten Fremde an Informationen über den Ort, das Datum und den Impfstoff gelangen. "Daraus kann man zum Beispiel die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Risikogruppe schließen", erläutert Sommer. "Das sind ganz wichtige Informationen."

Gesundheitsdaten sind auf rechtlicher Ebene absolut geschützt. So wichtig sind sie.

Imke Sommer die Landesbeauftragte für Datenschutz.
Imke Sommer, Bremer Landesbeauftragte für Datenschutz

Auch könnte man aus den Informationen das Alter ableiten sowie eventuelle Reisen oder sportliche Aktivitäten, wenn neben Corona auch die anderen Impfungen lesbar sind. "Es sind viele Informationen über die Person damit verbunden", sagt die Expertin. Diese könnten von Kriminellen abgezogen und weiterverkauft werden, eventuell kombiniert mit anderen persönlichen Daten, die man in den sozialen Netzwerken geteilt hat.

Nicht nur Datenschützer, auch Polizei besorgt

Das Risiko: Beim Abschließen eines Vertrags, zum Beispiel einer Versicherung, benachteiligt zu werden, oder sich politisch verletzbar zu machen, wie der Skandal um Facebook und Cambridge Analytica vor drei Jahren zeigte. Die Privatsphäre etwas strikter einzustellen sei besser als gar nichts, helfe dabei aber auch nicht viel.

Aus datenrechtlicher Sicht ist also das Preisgeben von gesundheitlichen Daten keine gute Idee. Doch auch in strafrechtlicher Hinsicht sei dies nicht ratsam, wie die Bremer Polizei bestätigt. Verbrecher im Netz hätten dadurch Zugang zu den persönlichen Daten, den Chargenummern, und damit die Möglichkeit, gefälschte Impfpässe herzustellen, sagt Polizei-Sprecher Nils Matthiesen.

Die Freude über die Impfung ist natürlich verständlich, aber wenn man den Impfausweis postet, nutzen das Kriminelle nicht selten aus.

Polizeisprecher Nils Matthiesen
Nils Matthiesen, Sprecher der Bremer Polizei

Ein illegales Geschäft, das jetzt noch lukrativer werden könnte, sollten Geimpfte einen Teil ihrer Grundrechte zurückbekommen. In Bremen hat sich jedoch laut Polizei noch kein Fall ereignet.

Doch die Täuschung einer erfolgten Impfung ist nicht das einzige Risiko. Chargenummer seien speziell medizinische Kennzeichen, mit denen gefälschte Ergebnisse übermittelt werden könnten, erklärt Matthiesen. Etwa dem Paul-Ehrlich-Institut, das Informationen über Nebenwirkungen sammelt. Wer eine Urkunde fälscht oder kauft, muss dann mit hohen Strafen rechnen: bis zu fünf Jahren Gefängnis oder Geldstrafen.

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Autoren

  • Serena Bilanceri Autorin
  • Heyko Habben

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 06. Mai 2021, 19:30 Uhr