Happy End für Delmenhorster Hund Betty – und Anklage gegen "Retter"

Schwer verletzt wurde Bulldogge Betty im September in einer Tierarztpraxis abgegeben. Heute geht es ihr wieder besser – und auch die Ermittlungen sind voran gekommen.

Video vom 16. Juli 2020
Hündin "Betty" genießt die Streicheleinheiten am Kopf.
Bild: Radio Bremen | Josephine Gotzes

Abgebissene Ohren, ein Riss im Auge und tiefe Wunden am ganzen Körper – als Hündin Betty im September 2019 in der Tierarztpraxis von Angelika Hoffmann abgegeben wurde, stand es nicht gut um die American Bulldog-Dame. Angeblich hatten Passanten sie an der B212 gefunden. "Sie hat kaum noch geatmet, sie hatte eine Körpertemperatur von 32 Grad. Der Hund war fast tot", stellte die Tierärztin damals fest.

Wohl von einem anderen Hund sei Betty übel zugerichtet worden. Und mit Blick auf ihre Verletzungen und Narben kam dem Praxisteam ein Verdacht: Wurde Betty als sogenannter "Bait Dog" in der Hundekampfszene benutzt, also als Köder, um andere Hunde an ihr zu trainieren?

Überraschende Erkenntnisse bei Suche nach Schuldigen

Zunächst hat die Staatsanwaltschaft Oldenburg diese Spur bei ihren Ermittlungen verfolgt. Doch Anfang Juli teilte sie schließlich mit: Die Ermittlungen hätten keine Hinweise auf eine Hundekampf-Szene ergeben. Stattdessen rückten die angeblichen Finder von Betty in den Fokus der Ermittlungen: Der Mann und die Frau sollen die schwer verletzte Hündin nämlich nicht – wie von ihnen behauptet – gefunden haben, sondern eigentlich ihre Besitzer sein. "Auf die beiden Angeklagten ist man durch eine Zeugenaussage gekommen. Der anfängliche Verdacht hat sich nach Auswertung mobiler Daten verfestigt", teilte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft auf Anfrage von buten un binnen mit.

Nach diesen Erkenntnissen erhebt die Staatsanwaltschaft Oldenburg nun Anklage gegen den 30-Jährigen aus Bookholzberg und die 25-Jährige aus Ganderkesee: Sie hätten Betty mit ihren Verletzungen nicht umgehend zum Arzt gebracht und ihr deswegen unnötige Qualen bereitet. Damit hätten sie gegen das Tierschutzgesetz verstoßen. Im Falle einer Verurteilung drohen ihnen drei Jahre Gefängnis oder eine Geldstrafe. Ob das Verfahren eröffnet wird, muss nun das Amtsgericht Delmenhorst entscheiden. Der Anwalt der Angeklagten teilte auf Anfrage von buten un binnen mit, dass seine Mandanten sich nicht zu den Anschuldigungen äußern möchten.

Betty hat ein "den Umständen entsprechend" schönes Leben

Betty selbst gehe es inzwischen "den Umständen entsprechend" wieder gut, sagt Praxismanagerin Yvonne Preiß: Ihr Auge ist verheilt, und auch von den zahlreichen Bissverletzungen sind nur noch Narben übrig. Nur ihre Ohren machen hin und wieder Probleme: Da ihre Gehörgänge zerstört wurden ist sie fast taub und muss immer wieder wegen Ohrenentzündungen behandelt werden.

Auch seelisch hat sie sich ein Stück weit erholt. "Sie ist natürlich ein traumatisierter Hund, und das wird sie auch immer bleiben", sagt Preiß. Auf einige Hunderassen und männliche Personen reagiere sie weiterhin aggressiv. "Aber Hauptsache, sie kommt mit Artgenossen klar und kann einfach ein bisschen Hund sein. Und das gelingt uns denke ich ganz gut", sagt Yvonne Preiß. Denn nach einem fehlgeschlagenen Vermittlungsversuch wird sie nun bei Tierärztin Angelika Hoffmann ihren Lebensabend verbringen.

Ein weiteres Problem ist ihr Gewicht: Während Betty am Anfang stark untergewichtig war, bringt sie nun einige Kilo zu viel auf die Waage und ist deswegen auf Diät. Das komme einerseits daher, dass sie sich fast nur durch Leckerli zu Dingen motivieren lasse, sagt Angelika Hoffmann. Andererseits hätten viele Menschen, die von ihrer Geschichte erfahren haben, ihr gutgemeinte Geschenke vorbeigebracht – oft in der Form von Hundekuchen und Co.

Große Anteilnahme – nicht nur aus Deutschland

Wie groß die Anteilnahme an Bettys Schicksal wirklich ist, zeigt auch ein Blick an die Wand der Praxis: Über und über ist sie bedeckt mit Briefen und Fotos von Kunden. Und viel Post richtet sich inzwischen direkt an Betty und ihre Retter. Nicht nur aus Deutschland kommen solche Einsendungen. Auch eine Nachricht aus zum Beispiel der Schweiz ist dabei. Und der Strom der Anteilnahme reißt nicht ab, erzählt Angelika Hoffmann: "Immer noch bekommen wir Pakete mit Spenden, und viele Leute, die kommen, fragen: 'Wo ist denn Betty?'"

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Autorin

  • Rebecca Küsters

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 16. Juli 2020, 23:30 Uhr