Schüler durchsegeln Atlantik: Tränenreiche Rückkehr in Bremerhaven

Über ein halbes Jahr lang waren die Jugendlichen unterwegs – statt des fliegenden also das segelnde Klassenzimmer. Jetzt gab es das emotionale Wiedersehen mit den Eltern.

Schüler der "High Seas High School", die nebeneinander auf einem Segelpfosten eines Schiffes sitzen.

Er hält es kaum aus. Das Segelschiff Johann Smidt ist noch ein gutes Stück entfernt von der Seebäderkaje in Bremerhaven, doch Thorsten Trappschuh kann vor Aufregung kaum stillhalten. Ebenso seine Frau Susanne. Sie fiebern dem Moment entgegen, an dem sie ihre 16 Jahre alte Tochter nach sieben Monaten endlich wieder in die Arme schließen können. Kaum ist das Schiff vertaut und die Gangway gelegt, stürmt Josephine von Bord. Minutenlang drücken sich Eltern und Tochter eng umschlungen. Tränen der Freude fließen.

Auch wenn es viel zu tun gab: Ich habe so oft an meine Eltern gedacht.

Josephine Trappschuh

Und Vater Trappschuh ist sichtlich stolz, dass seine Tochter diesen Segeltörn mitgemacht hat.

Wenn man 16 Jahre alt ist, ist das eine so schöne Chance, viel zu sehen. Das kann man später auch nicht mehr wiederholen.

Thorsten Trappschuh, Vater von Josephine

Josephine kommt aus Köln und hat an der 26. Reise der High Seas High School teilgenommen – einem Projekt, bei dem jedes Jahr im Herbst bis zu 30 Schüler aus 10. und 11. Klassen teilnehmen können. Mitfahren dürfen bis zu vier Schüler der Hermann Lietz-Schule Spiekeroog und weitere 26 Gymnasialschüler aus ganz Deutschland. Begleitet werden sie von vier Lehrern. Doch die Reise ist nicht gerade preiswert. Pro Schüler kostet sie mehr als 20.000 Euro.

Schülern liegt in den Armen ihrer Eltern
Nach sieben Monaten zurück in den Armen der Eltern. Das Wiedersehen an der Kaje war sehr emotional.

Und keineswegs liegen die Schüler an Bord des Großseglers auf der faulen Haut. Neben den Aufgaben, die das Leben an Bord mit sich bringt, haben sie natürlich auch Unterricht. Spanisch, Mathematik, Meeresbiologie oder Physik, unter anderem erklärt anhand des Segelns. Und auch Erdkunde steht auf dem Stundenplan, aber eben nicht in der grauen Theorie, sondern praktisch vor Ort. Was aber vielleicht am wichtigsten ist: Die Jugendlichen übernehmen Verantwortung und verändern sich durch die Erfahrungen an Bord.

Das Entscheidende ist das Gefühl, etwas zu machen, was für die ganze Gruppe von Bedeutung ist. Das Gefühl, sich bewährt zu haben. Das nehmen die Schüler mit.

Hartwig Henke, Gründer der High Seas High School

Im Herbst 2018 stach die Gruppe in See

Am 13. Oktober vergangenen Jahres nahm die Reise ihren Anfang. Am Sandtorhöft in Hamburg lief das Schiff aus. Schon damals ein emotionaler Moment, der nicht nur die Schüler, sondern auch die Eltern bewegte. Zum ersten Mal mussten sie ihre Kinder ziehen lassen und darauf vertrauen, dass auf der langen Reise über den Atlantik alles gut gehen wird.

Schüler am Steuer eines Schiffes
Die Schüler lernten auch das Navigieren auf hoher See. Bild: Josephine Trappschuh

Zunächst ging es von Hamburg in Richtung Kanarische Inseln. Auf Teneriffa legte die Gruppe einen mehrtägigen Stopp ein. Sie erkundeten die Insel und bereiteten sich auf die Atlantiküberquerung vor.

Landaufenthalte in der Karibik und Mittelamerika

Es waren drei lange Wochen, in denen sie nichts anders umgab als die scheinbar unendliche Weite des Ozeans. Dann erreichte das Schiff die Karibikinsel Martinique. Nach drei Tagen Aufenthalt setzte die Johann Smidt wieder die Segel, weiter nach Grenada, Panama und Costa Rica. Dort blieben die Schüler einen Monat. Sie lebten in Gastfamilien und lernten Spanisch.

Schiff auf dem Atlantik
Auf der Johann Smidt ging es über den Atlantik. Bild: Josephine Trappschuh

Mitte Februar folgte die Überfahrt nach Kuba. Auch dieses Land erkundeten die jungen Segler zwei Wochen lang. Nach einem Zwischenstopp in St. George's auf den Bermudas stand schließlich der lange Törn über den Ozean zurück nach Europa an. Auf den Azoren mitten im Atlantik wurde Mitte April noch mal Proviant aufgefüllt, bevor es auf die letzte Etappe ging.

Jetzt ist es soweit: Die Johann Smidt legt sicher in Bremerhaven an. Für Josephine Trappschuh geht damit eine wichtige Erfahrung zu Ende. Für ein Fazit der langen Reise sei es aber noch zu früh, meint sie. Die Eindrücke seien viel zu vielfältig, um alles bereits jetzt begreifen zu können. Und außerdem ist in diesem Moment ohnehin nur eines wichtig: Die Eltern fest in den Arm nehmen.

Mehr rund um das Thema Segeln:

Autor

  • Immo Maus

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 4. Mai 2019, 19:30 Uhr