Flutkatastrophe: Helfer aus Bremen berichten

Bremer Hundeführer zurück aus den Flutgebieten

Video vom 20. Juli 2021
Zwei Menschen mit gelben Helm und Shirt an einem Wrack der Hochwasserkatastrophe.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Nach Tief "Bernd" gehen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz die Aufräumarbeiten weiter – auch mit Hilfe aus Bremen. So packen Bremens DRK, Polizei und THW mit an.

Es sind Bilder, die man so aus Deutschland nicht kennt: umgeworfene Autos, ausgerissene Bäume, zerstörte Straßen und Häuser. Die Wassermassen, ausgelöst durch heftige Regenfälle, haben vor allem in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz eine Schneise der Verwüstung hinterlassen. Jetzt laufen die Aufräumarbeiten auf Hochtouren, und Einsatzkräfte aus Bremen helfen mit.

Gerade befinden sich zwölf Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) Bremen vor Ort. Sie transportieren Hilfsgüter vom zentralen DRK-Logistikcamp in Koblenz in das Hochwassergebiet, wie der Sprecher, Lübbe Roewer, erläutert. "Gestern waren es zum Beispiel Notstromaggregate und ein Hilfskrankenhaus." Sieben Laster hat das DRK Bremen im Einsatz. Seit Samstag ist das Einsatzteam in Koblenz und wird bis Sonntag dort bleiben. Bis zu 100 Ehrenamtliche stehen zudem bereit und könnten eventuell mobilisiert werden.

Polizei Bremen hilft bei Suche nach Opfern

Gerade sind auch neun Polizistinnen und Polizisten der Polizei Bremen in den betroffenen Regionen. "Dabei handelt es sich um Ermittler der Kriminalpolizei sowie spezielle Unterstützungskräfte der technischen Einheit aus der Direktion Einsatz", erläutert die Sprecherin, Franka Haedke. Dort müssen sie bei der Suche nach Opfern, deren Identifizierung und Ermittlung der Todesursache helfen.

Wie lange der Einsatz dauern wird, ist noch nicht absehbar. Eventuell könnten mehr Polizeibeamte aus Bremen hinzukommen. Das neunköpfige Team befindet sich gerade in der Steinbachtalsperre, südlich von Euskirchen. "Dort werden noch Fahrzeuge und Personen vermisst. Hier können auch die speziellen Einsatzfahrzuge der technischen Einheit zum Einsatz kommen, die Erfahrung darin haben, in schwierigem Terrain voranzukommen", so Haedke.

Die Einsatzkräfte wurden nicht angefordert, sondern wurden den Ländern am Samstagmorgen proaktiv angeboten. Nordrhein-Westfalen hat das Angebot umgehend und dankend angenommen, sodass sich noch am selben Abend neun freiwillige Spezialisten aus der Mordkommission und der technischen Einheit auf den Weg für diesen schwierigen Einsatz gemacht haben.

Franka Haedke, Polizeisprecherin

Ehrenamtlicher: "Hohes Maß an Zerstörung"

Ein Helfer steht vor einem überschwemmten Dorf.
Auch Helfer aus Bremen sind in den überfluteten Gebieten im EInsatz. (Symbolbild) Bild: Internationaler Katastrophenschutz Deutschland

Aus dem Technischen Hilfswerk (THW) in Bremen sind bislang circa 30 Helferinnen und Helfer in das Gebiet gefahren und bereits zurückgekehrt. Derzeit befinden sich zehn zusätzliche Kräfte in Rheinland-Pfalz. "Ein Teil der Bremer Helferinnen und Helfer ist dort mit ihrer mobilen Werkstatt, um Fahrzeuge und Ausstattung von anderen Einheiten instand zu setzen. Ein anderer Teil kümmert sich um die Koordination von logistischen Aufgaben innerhalb des Bereitstellungsraumes", sagt der Einsatz-Sachbearbeiter, Heiko Tabken.

Zu den Einsatzkräften, die bereits zurückgekehrt sind, gehört Matthias Lange, BSAG-Mitarbeiter und ehrenamtlicher Helfer beim THW Bremen-Ost. In Eschweiler in Nordrhein-Westfalen, wo sein Team stationiert war, habe es "ein hohes Maß an Zerstörung" gegeben: "Straßenzüge waren verwüstet, Autos sind hin und her geschwommen und an den Geschäften waren die Fensterscheiben zerborsten."

Helfer: Man hat uns mit sehr viel Dankbarkeit empfangen

Zerrissene Bäume und zerstörte Straßen in Überflutungsgebieten.
In einigen Dörfern sind Bäume und Autos von den Wassermassen mitgerissen worden. Bild: Internationaler Katastrophenschutz Deutschland

Er habe sich um Pumparbeiten gekümmert, ein Klärwerk, ein Krankenhaus und mehrere Keller vom verschmutzten Wasser befreit. "Die größte Herausforderung war, das kontaminierte Wasser aus der Stadt wegzukriegen. Denn in die Kanalisation konnten wir es nicht pumpen", erläutert er. 22 Millionen Liter habe sein Team am Ende wegbefördert. Zudem habe es kein Trinkwasser und keinen Strom vor Ort gegeben.

Langes Team ist am Donnerstagmorgen gegen vier Uhr alarmiert worden, drei Stunden später standen die Helfer und Helferinnen startbereit vor ihren Fahrzeugen, um in Richtung Süden zu fahren.

Am Anfang haben wir eine Einweisung bekommen, dann haben wir in der Nacht angefangen zu arbeiten. Als die Menschen das gesehen haben, haben sie uns viel Dankbarkeit gezeigt. In den Gaststätten haben wir Getränke umsonst bekommen, man hat Bilder gemalt und uns geschenkt.

Matthias Lange, Helfer

Einen ähnlichen Eindruck hatte DRK-Kreisbereitschaftsleiter Jörg Rolfs. "Die Leute sind natürlich froh, dass wir da sind", sagt er, herzlich seien sie aufgenommen worden. "Jeder winkt einem zu. Das kann man wirklich sagen: Sie warten auf uns hier."

Bereitschaftsleiter: "Eine Situation so ähnlich wie im Krieg"

Rolfs befindet sich immer noch in Koblenz, die Telefonleitung ist teilweise gestört, die Stimme abgehackt. Für den Bereitschaftsleiter ist das größte Problem momentan die kaputte Infrastruktur. Viele Straßen seien nicht befahrbar. Als Nicht-Ortsansässiger müsse man teilweise mit Lotsenfahrzeugen das Terrain erkunden. "Auch die kaputten Fahrzeuge, die an den Straßenrändern noch geparkt sind... Das ist schon eine Situation, die kriegsähnlich ist", sagt er. Es sei der schlimmste Einsatz, den er bislang erlebt habe. "Weil die komplette Infrastruktur teils zerstört ist", sagt er.

So etwas hat es in dem Ausmaß noch nicht gegeben – für uns.

Jörg Rolfs, DRK-Kreisbereitschaftsleiter Bremen

Lange hat hingegen in seinen 33 Jahren Ehrenamt schon ähnliche Situationen erlebt, zum Beispiel in New Orleans, nachdem der Hurrikan Katrina über die Stadt hinweggefegt war. "Da weiß man, was auf einen zukommt", sagt er. Für die jüngeren Kollegen sei es hingegen teilweise bedrückend gewesen. Dazu sagt Rolfs, es sei vorteilhaft, dass sein Team seit Jahren zusammenarbeite. "Man kann mit den Kollegen darüber reden."

Für Lange ist der Einsatz gerade zu Ende. Er betont aber, er möchte wieder hinfahren, wenn Bedarf besteht. "Wir sind unseren Arbeitgebern gegenüber dankbar, dass sie uns freigestellt haben, um Menschen zu helfen", sagt er. Rolfs wird hingegen bis Sonntag im Einsatzgebiet bleiben. Die Hilfsarbeiten, schätzt er, werden sich aber noch mehrere Wochen hinziehen.

Autorin

  • Serena Bilanceri

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 20. Juli 2021, 19:30 Uhr