Heiraten in Zeiten von Corona: "Wir machen das Beste daraus"

Keine Trauzeuginnen, keine Gäste, kein Fotograf. Heiraten ist zurzeit eine ziemlich einsame Angelegenheit. Die Bremerinnen und Bremer machen es trotzdem.

Symboldbild: Heiraten zu Corona-Zeiten: Zwei Masken mit Herzchen liegen neben einem Strauss Blumen auf trockenem Boden
Ja sagen mit Maske? In den Standesämtern im Land Bremen ist das nicht nötig. Bild: DPA | Fotostand/Schmitt

Der Mai ist für viele der gesetzte Monat für Hochzeiten. Dann sind die Termine in den Standesämtern Bremen-Mitte, Bremen-Nord und Bremerhaven ausgebucht. Genauso wie die Termine in den Außenstellen – auf dem Lür-Kropp-Hof zum Beispiel oder in der Botanika. Dann sind auch die Veranstaltungsorte voll, an denen die Paare in Bremen und umzu anschließend gerne feiern. Doch Partys mit mehr Menschen als der eigenen Familie sind in diesen Tagen verboten, die meisten Locations sowieso geschlossen. Trauungen im Standesamt finden zwar statt, doch Hochzeitspaare müssen umplanen.

Absagen statt Hochzeitsvorbereitungen

Katharina Müller und ihr Freund Jacob Schönfeld wollen am 8. Mai "Ja" sagen. Statt letzte Vorbereitungen für das Fest zu treffen, machen sie in diesen Tagen eher traurige Anrufe: Sie müssen die kleine Familienfeier im Restaurant canceln, die Party mit 80 Freundinnen und Freunden im Club stornieren, den DJ abbestellen, dem Fotografen absagen.

"Dass unsere Hochzeit nicht so stattfinden kann wie geplant, wusste ich schon", sagt Katharina Müller. Die 30-Jährige hat die Lage in den vergangenen Wochen beobachtet – und sich keine Illusionen gemacht. Sie hatte also etwas Zeit, ihre Enttäuschung zu verarbeiten. Ihren Termin auf dem Standesamt werden die beiden trotzdem wahrnehmen.

Eine gute Entscheidung in den Augen von Hochzeitsplanerin und Traurednerin Anja Huemer. Sie sagt: "Diesen Termin dürfen die Brautpaare nicht hergeben!" Denn wenn alle ihre Hochzeit ins nächste Jahr verschieben, könne das schnell eng werden beim Standesamt. Schließlich seien die Termine jedes Jahr begrenzt – und im Mai besonders schnell weg.

Zeremonie nachholen

Hochzeitsplanerin Anja Huemer ist normalerweise von Mai bis Oktober jedes Wochenende ausgebucht. Entweder betreut sie eine Hochzeit oder nimmt selbst als Traurednerin teil. Nun sind alle Veranstaltungen abgesagt – bis die Kontaktsperre aufgehoben wird. Was für Huemer ein wirtschaftliches Problem ist, ist für ihre Brautpaare vor allem auch ein emotionales. Viele planten ihre Hochzeit ein bis eineinhalb Jahre im Voraus, so Huemer. Da gebe es schon mal Tränen. Trotzdem rät sie den Paaren, jetzt zu heiraten.

Es muss kein Verzicht sein für das Brautpaar.

Anja Huemer, Hochzeitsplanerin und Traurednerin

Huemer rät den Paaren, die Feierlichkeiten zu splitten. Dieses Jahr die Trauung im Standesamt – und dann nächstes Jahr die große Feier mit Freunden und Verwandten. Wer nicht kirchlich heiratet, könne den emotionalen Teil mit einer freien Trauung nachholen. "Die Zeremonie hebt die Feier emotional nochmal auf eine ganz andere Ebene", so Huemer.

Das Brautkleid bleibt im Schrank

Tatsächlich überlegen auch Katharina Müller und Jacob Schönfeld, ob sie sich für nächstes Jahr eine Traurednerin suchen. Eigentlich wollten die beiden ohne großes Brimborium heiraten. "Jetzt ganz auf Romantik zu verzichten, ist aber auch blöd", sagt Müller. Bei einer freien Trauung hätte die Familie zumindest auch noch etwas davon. Und sie ist sogar verhalten optimistisch.

Ich finde die Lösung jetzt eigentlich sogar ganz schön. Wir machen das Beste daraus.

Katharina Müller, Braut

Am 8. Mai werden die beiden also ihre kleine Tochter ausnahmsweise zur Oma geben und gemeinsam zum Standesamt-Mitte fahren. Dort werden sie die Kurzform der Trauzeremonie bekommen. Auf Wunsch macht die Standesbeamtin dann auch ein Foto von ihnen.

Und nächstes Jahr am 8. Mai – an ihrem ersten Hochzeitstag – wollen Katharina Müller und Jacob Schönfeld die Feier dann nachholen. Das Brautkleid bleibt allerdings bis dahin im Schrank. Für die kurze Zeremonie im Standesamt sei es ihr zu schade. Katharina Müller sagt: "Das spare ich mir auf für nächstes Jahr."

Autorin

  • Sarah Kumpf

Dieses Thema im Programm: Bremen Vier, 25. März 2020, 7:10 Uhr