So will die Handelskammer die Bremer Wirtschaft stärken

Die Handelskammer Bremen sorgt sich um die wirtschaftliche Zukunft des Landes. Damit der Wohlstand erhalten bleibt, hat sie einen Forderungskatalog verfasst.

Menschen an einem langen Tisch in der Handelskammer Bremen

"Perspektive Bremen-Bremerhaven 2030" – so hat die Handelskammer Bremen ihr heute präsentiertes Positionspapier genannt. Handelskammer Präses Harald Emingholz und Geschäftsführer Matthias Fonger haben in Workshops, Arbeitsrunden und in Onlinebefragungen einen Katalog erarbeiten lassen, mit dem Wachstum in Bremen gesichert und gefördert werden kann. Die 74 Seiten des Positionspapiers lassen sich in sieben Punkte aufspalten.

1 Wachsende Städte Bremen und Bremerhaven

Blick in die Lloydpassage in der Bremer Innenstadt.
Mehr Passagen sollen die Attraktivität der Innenstadt steigern.

625.000 Einwohner in Bremen und 130.000 in Bremerhaven prognostiziert die Handelskammer bis 2030. Deshalb verlangt sie vom Senat, in Bremen den jährlichen Wohnungsneubau auf 2.500 Einheiten aufzustocken. Auch in Bremerhaven müsse der Wohnungsbau zu einem "zentralen Handlungsfeld" werden, um den Fortzug junger Familien einzudämmen. Die einzelnen Stadtteile sollen zudem besser im Wegenetz mit einander verknüpft werden. Die Innenstadtbereiche will die Handelskammer attraktiver machen: mehr Passagen, zusätzliche Parkplätze und Umbau der Haupteinkaufsstraßen. Damit sich mehr Unternehmen in der Stadt Bremen ansiedeln, sollen zusätzliche Gewerbeflächen her – mindestens 150 Hektar müssten ständig als Reserve zur Verfügung stehen, auf denen sich sofort Betriebe ansiedeln könnten, so die Handelskammer.

2 Bildung und Wissenschaft als Wirtschaftsmotor

Das Land brauche dringend hochqualifizierte Fachkräfte, stellt die Handelskammer fest. Neben der beruflichen Aus- und Weiterbildung seien die allgemeinbildenden Schulen der Schlüssel für diesen Bedarf. Mehr Lehrer sowie eine bessere Ausstattung der Schulen müssten gewährleistet werden. Auch müsse die Wissenschaft, also die Universitäten, Hochschulen und Fachhochschulen gestärkt werden.

3 Fokus auf Zukunftsbranchen und Gründerszene

Zukunftsbranchen sind für die Handelskammer die Autowirtschaft, Energieversorgung, Luft- und Raumfahrt, Nahrungsmittel- und Genussmittel, Dienstleistungen, Logistik, Gesundheit, Tourismus sowie Informations- und Kommunikationstechnologie.

In der Logistik beispielsweise sollten die Häfen in Bremen und Bremerhaven sowie die Umschlagsplätze an Land ausgebaut werden. Die Handelskammer will unter anderem die Weser an aktuelle Schiffsgrößen angepasst wissen. Ebenso müssten der Autobahnbau sowie die Anbindung an das Schienennetz vorangetrieben werden. Auch soll in Bremerhaven das Geschäft mit Kreuzfahrtschiffen gestärkt werden, indem das ColumbusCruiseCenter modernisiert wird.

Durch Bremen und Bremerhaven muss dringend der sprichwörtliche Ruck gehen.

Positionspapier "Perspektive Bremen-Bremerhaven 2030 – Wachstum für das Land Bremen"

Die "vitale" Hochschul- und Forschungslandschaft im Land Bremen müsse mit wichtigen Wirtschaftszweigen verbunden werden, schreibt die Handelskammer. Die Gründerszene soll nach diesen Vorstellungen von der Politik tatkräftig unterstützt und der Gedanke der Selbstständigkeit in den Schulen stärker propagiert werden.

4 Effiziente und flexible Behörden und Ämter

Ein wesentlicher Standortfaktor ist nach Auffassung der Handelskammer die Kundenorientierung der Verwaltung. Dazu zähle eine bessere Erreichbarkeit, indem beispielsweise öffentliche Dienstleistungen in einem Onlineportal gebündelt werden. Ebenso müsse sich die Dauer von Genehmigungsverfahren deutlich verkürzen. Damit Bremen eine "Verwaltung 4.0" bekomme, fordert die Handelskammer eine Reform der Verwaltungsstrukturen über alle Zuständigkeitsbereiche hinweg. Unerlässlich sei in diesem Zusammenhang auch eine "Modernisierung des bremischen Personalvertretungsrechts".

Handelskammer Präses Harald Emingholz (li) und Geschäftsführer Matthias Fonger.
Der Präses der Handelskammer Emingholz und Geschäftsführer Fonger präsentierten das 74-seitige Positionspapier.

5 Digitale Infrastruktur ausbauen

Bremen und Bremerhaven, so wünscht es sich die Handelskammer, sollten "Smart Cities" werden. Ein flächendeckender Ausbau eines Wlan-Netzes in den Innenstädten oder mehr Breitbandkapazitäten zählen demnach dazu. Die rasant wachsende Datenmenge sei eine der drängendsten Aufgaben. Dänemark und Estland hätten die Herausforderung erfolgreich angenommen, und das Land könne sich daran ein Beispiel nehmen.

6 Mobilitätsstädte der Zukunft

Elektromobilität, autonomes Fahren, Ausbau von Ladestationen, intelligente Verkehrssteuerung und ein optimierter Güternahverkehr – in diesen Punkten könnten Bremen und Bremerhaven zu Vorreitern in Deutschland werden. Dafür müssten jedoch zahlreicher Modellprojekte angestoßen werden.

7 Internationale Vernetzung und sichtbares Selbstbewusstsein

Die Globalisierung greife tief in die "traditionellen Wertschöpfungsketten" ein, resümiert die Handelskammer. Um auch künftig wettbewerbsfähig zu bleiben, sei eine gute systematische Vernetzung mit Entscheidern im In- und Ausland notwendig. Bremen müsse weiterhin als attraktiver Standort wahrgenommen werden. Es müsse ohne Understatement und "kraftvoll" auf klassischen und neuen Kanälen kommuniziert werden.

  • Alexander Drechsel

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 19. Dezember 2017, 19:30 Uhr