Fragen & Antworten

Hunderten Haushalten in Bremerhaven könnte das Gas abgestellt werden

Zahlreiche Haushalte könnten bald ohne Erdgas dastehen, weil nicht auf die anstehende Gasumstellung reagiert wurde. Nun setzt der Versorger auf Nachbarschaftshilfe.

Ein Mann mit Handschuhen und Zange arbeitet an einem Gaszähler.
Wenn sie keinen Termin mit dem Netzbetreiber vereinbaren, könnte vielen Haushalten in Bremerhaven das Gas abgestellt werden. (Symbolbild) Bild: DPA | Patrick Pleul

Briefe, Anrufe, Besuche – auf solche Kontaktversuche haben rund 850 Haushalte in 550 Häusern in Bremerhaven laut Netzbetreiber Wesernetz bislang nicht reagiert. Eine Terminvereinbarung ist aber nötig, um Gasgeräte im Rahmen der Gasumstellung erfassen zu lassen. Über Monate hat das zum Energieversorger SWB gehörende Unternehmen versucht, Mieter und Eigentümer zu erreichen. Nun sieht es, sich gezwungen für die Sicherheit aller Bewohner Sperrungen der Erdgasanschlüsse vorzubereiten. Sie sollen ab dem 15. März beginnen und bis zum Jahresende durchgeführt werden. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Was sorgt bei der Gasumstellung in Bremerhaven für Probleme?
Mit Anschreiben und zwei Terminvorschlägen in sieben Sprachen sowie persönlichen Hausbesuchen an verschiedenen Tagen und zu unterschiedlichen Tageszeiten hat es Wesernetz nach eigenen Angaben versucht. Außerdem seien Informationskarten persönlich im Briefkasten hinterlegt und Telefonanrufe getätigt sowie extra zusätzliche Monteure eingesetzt worden. Zudem habe der Netzbetreiber in Abstimmung mit der Quartiersmeisterei Lehe zwei so genannte Kümmerer engagiert – mehrsprachig und in den Stadtteilen gut vernetzt. Auch mit Hausverwaltungen steht der Versorger in Kontakt. Trotzdem stehen weiterhin Hunderte Antworten aus. Gründe könnten in sprachlichen Hürden liegen oder darin, dass einzelne Bewohner alleine nicht gut zurecht kämen, vermutet Wesernetz-Sprecher Alexander Jewtuschenko.
Warum gibt es überhaupt ein Sicherheitsrisiko?
Gasgeräte dürfen laut Wesernetz nur dann mit dem neuen H-Gas betrieben werden, wenn sie vorher vom Versorger erfasst und – falls erforderlich – angepasst wurden. Andernfalls könnte eine Gefahr für Leib und Leben aller Hausbewohner entstehen, so der Netzbetreiber. Kommt er trotz aller Kontaktversuche nicht in eine Wohnung, ist der Betreiber gesetzlich verpflichtet, sie von der Erdgasversorgung abzutrennen. Bewohner sollten ihren Eigentümer oder Vermieter auf den drohenden Missstand ansprechen, rät Wesernetz. "Wir müssen allen das Erdgas abstellen, die sich nicht bei uns gemeldet haben", sagt Wesernetz-Sprecher Alexander Jewtuschenko.
Welches Szenario droht?
Bis Ende Juni 2021 müssen die ersten 230 Mehrfamilienhäuser zur Sperrung eingeplant werden, die übrigen 320 in der zweiten Jahreshälfte, teilt Wesernetz mit. Man versuche weiterhin mit allen Mitteln Zugang zu den Haushalten zu bekommen, die sich bislang nicht gemeldet hätten. "Wir wollen jede Sperrung unbedingt vermeiden", so Jewtuschenko. "Deshalb bitten wir zusätzlich alle Mieter, Eigentümer, Hausmeister und Verwalter um ihre Unterstützung." Die Gasumstellung in Bremerhaven könne nicht verschoben oder verlängert werden, da sie Teil der gesamten Umstellung für Nordwestdeutschland sei. Dies folge einem Zeitplan, der in Abstimmung mit der Bundesnetzagentur verbindlich vorgegeben ist.
Warum können auch unbeteiligte Nachbarn betroffen sein?
Zusätzlich zu den Haushalten, die sich bislang nicht melden, wären alle weiteren Wohnungen in den jeweiligen Häusern betroffen – auch, wenn sie bereits erfasst wurden und alles richtig gemacht haben. "Das ist auch für uns sehr unangenehm, doch es geht um die Sicherheit aller Bewohner und die hat oberste Priorität", sagt Jewtuschenko. "Wir dürfen keine Ausnahmen machen." Das Problem: Anders als üblich, können einzelne Wohnungen in Bremerhaven oft nicht am Gaszähler im Keller gesperrt werden. In der Seestadt seien Mehrfamilienhäuser über Jahrzehnte so gebaut worden, dass sich die Zähler fast immer in den Wohnungen befinden. Wird kein Zugang zur Wohnung gewährt, muss das gesamte Haus vom Erdgas abgetrennt werden.
Was kann jetzt noch helfen?
Ab Dienstag, 9. Februar, bis Sonntag, 14. Februar, will Wesernetz allen betroffenen Haushalten einen mehrsprachigen Info-Zettel in ihren Briefkasten legen und auch im Hausflur aushängen. Für diejenigen, die einen Zettel vorfinden, bedeutet das laut Wesernetz: Einer oder mehrere Nachbarn haben sich noch nicht zurückgemeldet. "Wir bitten alle Bewohner: Klären Sie untereinander, wer noch einen Termin mit uns vereinbaren muss", sagt Jewtuschenko. "Unterstützen Sie Ihre Nachbarn darin, uns anzurufen oder geben Sie uns Informationen, wie wir die Mieter oder Eigentümer doch noch erreichen können."
Welche Kosten drohen nach der Gasabstellung?
Ist ein gesamtes Gebäude einmal von der Erdgasversorgung abgetrennt, kann es laut Wesernetz nicht einfach wieder angeschlossen werden. Gemäß des technischen Regelwerks muss vorher die gesamte Hausinstallation geprüft werden. Und: Jedes einzelne Gasgerät muss von einem Installationsfachbetrieb wieder in Betrieb genommen werden. Die Kosten für diese Wiederinbetriebnahme schätzt Wesernetz auf mindestens mehrere hundert bis zu mehreren tausend Euro – getragen vom Hauseigentümer oder dem jeweiligen Verursacher. Denn die Zuständigkeit des Netzbetreibers endet an der Hauptabsperreinrichtung, also am Gashahn im Keller.

Autor

  • Joschka Schmitt Redakteur und Autor

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Tag, 9. Februar 2021, 14:10 Uhr