Infografik

Fragebogen für Führerscheinprüfung: Die gibt's sogar auf Arabisch

Viele Migranten in Bremen wollen einen deutschen Führerschein. Durchfallen kann jeder – doch zumindest an unzureichenden Sprachkenntnissen kann die Prüfung nicht scheitern.

Auf einem Computerbildschirm ist ein Führerscheinprüfungsbogen auf Arabisch zu sehen
Die theoretische Fahrprüfung gibt es sogar in arabischer Schrift. Bild: DPA | Thomas Frey

Die Freude am Fahren wird in Deutschland großgeschrieben. Und das nicht nur auf Deutsch, sondern in jeder Sprache. Wie international es inzwischen auch auf Bremens Straßen zugeht, zeigen die aktuellen Statistiken von TÜV Nord und ADAC Weser-Ems.

Demnach hat sich die Anzahl fremdsprachiger theoretischer Fahrprüfungen in Bremen von 2015 bis 2019 auf 3.661 verdreifacht – das sind im Schnitt zehn pro Tag. Zum Vergleich: Die Zahl der auf Deutsch durchgeführten Theorieprüfungen lag laut Kraftfahrtbundesamt im selben Zeitraum bei jeweils rund 13.000 pro Jahr.

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Neben Deutsch können Theorieprüfungen am Computer in elf weiteren Sprachen abgelegt werden. Die mit Abstand häufigste ist Hocharabisch. 2019 fanden 58 Prozent der fremdsprachigen Tests im Land Bremen auf Arabisch statt. Gefolgt von Türkisch (11,5 Prozent), Englisch (10,5 Prozent) und Russisch (7 Prozent).

Bemerkenswert: Hocharabisch wurde erst 2016 in den Katalog der Prüfungssprachen aufgenommen. Dass es sich so schnell etabliert hat, überrascht auch Mathias Rüdel, Chef der Arbeitsgemeinschaft Technische Prüfstelle von TÜV und Dekra, die für die Konzeption fremdsprachlicher Theorieprüfungen verantwortlich ist.

Neue Sprache als Reaktion auf Migration

Auf einem Computerbildschirm ist ein Führerscheinprüfungsbogen auf Arabisch zu sehen
Theoretische Führerschein-Prüfungen können seit 2016 in zwölf Sprachen abgelegt werden. Bild: DPA | Thomas Frey

"Hocharabisch wurde als Prüfungssprache eingeführt, nachdem seit 2015 viele Migranten aus arabischsprachigen Ländern nach Deutschland gekommen waren", sagt Rüdel. Seine Mitarbeiter und er mussten dafür nicht nur die Prüfungsfragen übersetzen, sondern auch das Layout der Aufgaben anpassen. Denn die Lesart im Arabischen sei von rechts nach links.

Auch für die Fahrschulen hat seine Prüfstelle sich etwas ausgedacht. Denn geprüft werden Fahrschüler nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch. "Wir haben deshalb eine Art Vokabelheft für Fahrlehrer und Fahrschüler entwickelt. So kann zum Beispiel die Aufforderung, rechts abzubiegen, als Standardsatz formuliert werden, um es Fremdsprachlern zu erleichtern", sagt Rüdel. Zumindest die Fahrstunden selbst können allerdings auch komplett auf Arabisch oder in einer anderen Sprache stattfinden. "Es gibt Fahrschulen, die sich genau darauf spezialisiert haben." Nur die praktische Prüfung finde stets auf Deutsch statt, so Rüdel.

Fahranfänger und Wohnsitzwechsler im Blick

Ausländer, die schon einen Führerschein haben, können damit zwar grundsätzlich auf Deutschlands Straßen fahren – wenn sie beispielsweise Bekannte in Bremen besuchen. Doch in bestimmten Fällen gibt es Ausnahmen. "Fremdsprachige Führerscheine aus Drittstaaten müssen gemäß Fahrerlaubnisverordnung mit einer Übersetzung verbunden sein, wenn die Fahrer einen ordentlichen Wohnsitz in Deutschland haben, sich hier also mehr als die Hälfte des Jahres aufhalten", sagt Heiko Recker vom ADAC Weser-Ems.

So wurden in der Region Weser-Ems, zu der Bremen und der Nordwesten Niedersachsens gehören, im vergangenen Jahr insgesamt 1.289 Führerscheine aus verschiedenen Sprachen ins Deutsche übersetzt.

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Am häufigsten wurden Führerscheine aus dem Iran, also aus dem Persischen, ins Deutsche übertragen. Danach folgten Fahrgenehmigungen aus den USA, aus Moldawien, Albanien und Indien. Erst an sechster Stelle listet die Statistik mit Syrien das erste arabischsprachige Land auf.

Neben der 185-Tage-Regelung gibt es laut Recker einen weiteren Grund, einen Führerschein übersetzen zu lassen. "Für alles, was in einer Sprache abgefasst ist, die hier nicht zu lesen ist, braucht man eine Übersetzung." Die müsse jeder Autofahrer dabeihaben. Eine Ausnahme gibt es allerdings. "Griechische Führerscheine kann zwar kaum ein Polizist lesen, sie müssen aber dennoch nicht übersetzt werden", sagt Recker. Denn Führerscheine in EU-Sprachen würden stets anerkannt.

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Autor

  • Kristian Klooß

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 12. Februar 2020, 23:20 Uhr