Umstrittene Öffnung: Bremer Friseure wappnen sich für den Ansturm

Heute können Friseure wieder loslegen und viele sind schon lange ausgebucht. Vor allem ältere Menschen freuen sich auf den Besuch, denn für sie geht es um mehr als nur die Frisur.

Eine Seniorin erhält eine Haarwäsche von einer Frisuerin, beide tragen dabei eine OP-Maske.
"Endlich wieder eine Frisur und nicht nur Haare haben" – das denken sich wahrscheinlich viele Bremerinnen und Bremer. Bild: Imago | Geisser

Menschliche Haare wachsen pro Woche zwischen drei und fünf Millimeter. In mehr als zehn Wochen Friseur-Lockdown wurden unsere Haare also bis zu fünf Zentimeter länger. Dem stellen sich jetzt in Bremen und Bremerhaven wieder jede Menge Friseurmeister und ihre Angestellten. Die Branche atmet auf – die Öffnung sorgt aber auch für Kritik.

Dass Friseure vor allen anderen Geschäftsbereichen wieder öffnen dürfen, ist für viele nicht nachvollziehbar. Im Vergleich zum Einzelhandel sei das eine Ungleichbehandlung, sagt Stefan Offenhäuser, Sprecher der Bremer Handelskammer: "Denn auch der Einzelhandel kann seit Langem sehr gute Hygienekonzepte vorlegen." Dennoch gönne er es den Friseuren.

Aufregung nach wochenlangem Lockdown

Viele Friseurmeister und -meisterinnen freuen sich, dass sie heute wieder öffnen können. Mike Piée sieht die Öffnung aber mit gemischten Gefühlen. Für ihn müssten Friseure nicht die ersten sein, die jetzt wieder öffnen dürften: "Da gibt es noch mehr, wie die kleinen Einzelhändler im Viertel oder andere Dienstleistungen", sagt er. Gleichzeitig versteht er nicht, warum Friseure – gerade in Altenheimen – überhaupt schließen mussten. Für ältere Menschen sei es hygienisch wichtig, regelmäßig zur Haarwäsche und -pflege zu gehen.

Man fühlt sich wie vor der allerersten Eröffnung, ich bin schon ganz aufgeregt.

Lena Schweers, Friseurmeisterin

Bis zum nächsten Termin kann es dauern

Ein leerer Terminkalender.
Ohne Termin geht bei Bremer Friseuren nichts. Manchen sind für Wochen ausgebucht. Bild: Imago | K. Schmitt

Wer in der vergangenen Woche bei Mike Piée anrief, um einen Termin zu vereinbaren, der wurde in den April vertröstet. Gerade holt er die ausgefallenen Termine vom Dezember nach. Bremerhavener stehen vor einer ähnlich schwierigen Aufgabe, heißt es von der Friseur-Innung Bremerhaven-Wesermünde. Der Ansturm sei riesig.

Wartezeiten ab drei Wochen scheinen alltäglich zu sein. Dabei haben viele Salons ihre Öffnungszeiten ausgeweitet. Den montäglichen Ruhetag gibt es kaum noch.

Auch montags und samstags geöffnet

Der Friseur Heiko Klumker in seinem Studio
Manche trauen sich mit der herausgewachsenen Frisur nicht mehr auf die Straße, sagt Friseurmeister Heiko Klumker. Bild: Heiko Klumker

Bremer Friseumeisterin Lena Schweer hat ihre Öffnungszeiten auch erweitert. Zwischen 8 und 20 Uhr arbeitet sie mit ihren Team im Schichtdienst – zunächst mal für die ersten Wochen. Das entzerre auch die Zahl der Kunden und die Mitarbeiter können sich abwechseln, ohne sich direkt zu begegnen.

Unsere Kunden haben dafür Verständnis, dass sie nicht sofort einen Termin bekommen. Sie sagen: Auf die drei Wochen kommt es nun auch nicht mehr an.

Heiko Klumker, Friseurmeister

Seit bekannt wurde, dass Friseure im März wieder öffnen dürfen, klingelte das Telefon im Salon von Heiko Klumker in Bremen-Kirchhuchting mit seinem Handy um die Wette. Im Fünf-Minuten-Takt vergab er Termine.

Bei vielen Herren ist es bei Kurzhaarschnitten dringlicher. Bei den Frauen spielt Farbe eine Rolle – obwohl auch die mit kurzen Haaren sehnen sich nach einem Haarschnitt.

Lena Schweers, Friseurmeisterin

Heimbewohner freuen sich aufs Haareschneiden

Eine Frau mir grauen Haaren wird gefönt.
Gerade für ältere Bremer und Bremerinnen ist es wichtig, regelmäßig zum Friseur zu gehen. Bild: Imago | penofoto

Ein Argument für die frühzeitige Öffnung der Friseursalons in Bremen ist, dass diese Dienstleistung nicht nur dem persönlichen Wohlbefinden diene, sondern besonders ältere Menschen, auf sie angewiesen seien: Laut Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) handelt es sich dabei um eine Frage des "hygienischen Wohlbefindens".

Meike Fiorucci kann das nachvollziehen. Die Hausleiterin einer Alteneinrichtung der Bremer Heimstiftung freut sich mit ihren Bewohnern, dass die Haarpflege wieder möglich ist. Gerade ältere Menschen könnten sich selbst nicht mehr so pflegen wie andere.

Oftmals können sich ältere Menschen nicht einfach die Haare waschen, die meisten brauchen Hilfe. Und diese Generation kennt es, dass man alle zwei oder vier Wochen zum Friseur geht.

Meike Fiorucci, Heimleiterin

Für die Bewohner der Senioreneinrichtung sei es etwas besonderes, zum Friseur zu gehen. Neben der Pflege ist es für viele ältere Damen und Herren auch ein Vergnügen und das fehle sehr, sagt Heimleiterin Fiorucci.

Haareschneiden könnte teurer werden

Eine Frau mit Maske frisiert einen Übungskopf.
Aus der Übung an der Puppe wird wieder Realität beim Haareschneiden. Bild: Imago | Sven Simon

Seit einer guten Woche wissen die Betriebe, dass sie nochmal Überbrückungsgeld bekommen können. "Wir haben noch nicht einen Cent bekommen", sagt Heiko Klumker, Obermeister der Bremer Friseur-Innung. Lena Schweers sagt, dass sie nur 90 Prozent der Fixkosten für ihren Salon bekommt. Geld für die private Miete sei da nicht bei.

Bis ich das alles aufgefüllt und das eingereicht habe... Da habe ich bestimmt schon einen Monat wieder gearbeitet, bis ich Geld bekomme.

Heiko Klumker, Friseurmeister

Überlebt haben viele nur von ihren privaten Ersparnissen. Im Salon von Lena Schweers habe man lange diskutiert, ob man die durch vier Monate Lockdown ausgefallenen Verdienste im vergangenen Jahr zum Teil an den Kunden weiter gibt – so wie es andere Bremer und Bremerhavener Friseure machen. Erst mal wolle sie dies aber noch nicht, ganz vermeidbar sei es aber wohl nicht.

Wir sind sehr zwiegespalten, aber am Ende haben wir uns dafür entschieden, die Preise noch nicht zu erhöhen. Weil es einfach vielen im Moment nicht so gut geht.

Lena Schweers, Friseurmeisterin

Frische Frisur auch ohne Friseur

Video vom 28. Januar 2021
Reporterin Johanne Bischoff schneidet sich ihren Pony.
Bild: Radio Bremen

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Autoren

  • Marike Deitschun Autorin
  • Leonard Steinbeck

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 1. März 2021, 19:30 Uhr