"Ich bin ein Flughafenmanager, der seiner Mannschaft zuhört"

Der bisherige Berliner Airport-Manager Elmar Kleinert wird im Sommer neuer Flughafen-Chef in Bremen. Er tritt die Nachfolge des entlassenen Jürgen Bula an – und hat einiges vor.

Bremens designierter Flughafen-Chef Elmar Kleinert wird vorgestellt, neben ihm Ekkehart Siering.
Von Berlin nach Bremen: Womit hat Bremen bei Ihnen gepunktet?
Bremen hat einen Traditions-Airport mit langer, langer Geschichte. Das alleine ist schon ein großer Reiz. Bremen als Flughafen ist ein ganz wichtiger Verkehrsträger der Region. Insgesamt ist Bremen natürlich, was Verkehrsträger angeht, mit Schiene, Hafen, Flughafen und Autobahn intermodal optimal vernetzt. Das soll auch so bleiben. Die mir zukünftig zugewiesene Aufgabe, den Flughafen Bremen zu optimieren, ist eine, die extrem spannend und gleichermaßen operativ angelegt und anspruchsvoll ist – auch, was die Managementaufgaben angeht. Für mich bringt sie die richtige Mischung mit. Daher freue ich mich auf die Aufgabe.
Es gibt ja auch ein wenig Unfrieden hier am Flughafen, die Fluggastzahlen sind zurückgegangen. Was sind die größten Herausforderungen, die auf sie warten?
Ich muss mir erstmal ein eigenes Bild davon machen, wie dieser Flughafen aufgestellt ist, wie dieser Flughafen funktioniert, wie die Unternehmenskultur ist, was tatsächlich die größten Themen sind, die man in der Kürze der Zeit angehen muss. Ob es infrastrukturelle sind, ob es prozessuale Themen sind, Airline-Akquise oder verkehrliche Entwicklung, oder ob es vor allem Themen sind, um die innere Geschlossenheit eines Flughafens wiederherzustellen. Ich glaube, man kann das jetzt nicht einfach clustern: Wir machen erstens das, zweitens das. Man muss sich erst mal in Ruhe ansehen, wo der Handlungsbedarf groß ist. Manche Dinge werden gleichzeitig angegangen werden müssen.
Bremen ist in einer Sandwich-Position zwischen den zwei starken Flughäfen Hamburg und Hannover. Was ist realistisch in Bremen?
Realistisch in welcher Hinsicht?
Ist es realistisch, den Bremen Airport subventionsfrei zu halten und als Flughafen für die Region offen zu halten, oder sollte man richtig auf Wachstum setzen?
Ein verkehrliches Wachstum ist sicherlich dann gut, wenn es ein Wachstum ist, was sich wirtschaftlich trägt. Subventioniertes Wachstum halte ich nicht für erstrebenswert. Es würde die Wirtschaftlichkeit des Flughafens verschlechtern. Wir werden immer darauf schauen, uns verkehrlich zu entwickeln. Es ist nicht nur der Flughafen Hamburg, es ist Hannover, Münster-Osnabrück, es gibt auch in Holland den Low-Cost-Standort Groningen: Die muss man alle im Auge behalten und schauen, welche Verkehre man denen wieder abknapsen und hier zum Standort holen kann. Aber sie sollen sich rechnen! Man möchte nicht an einem Standort Verkehre abwerben, die wir womöglich bezuschussen müssen – wie das bei anderen Flughäfen in Deutschland oft immer noch der Fall ist. Hier wird es das sicherlich nicht geben.
In Paderborn, wo Sie auch Leiter des Flughafens waren, sind Sie ohne Billigflieger ausgekommen. Ist das eine Perspektive für Bremen?
Mittlerweile haben sich die Low-Cost-Airlines, die Billigflieger, in Deutschland derart etabliert und so Fuß gefasst, dass man ohne das Segment von Low-Cost nicht unbedingt auskommt – auch nicht auskommen muss. Ich kenne Standorte, wie zum Beispiel Weeze, an dem im Wesentlichen nur Ryanair operiert – und der trotzdem ein profitabler Standort ist. Low-Cost und Profitabilität müssen sich nicht ausschließen.
Beschreiben Sie sich: Was sind ihre Qualitäten als Flughafenmanager?
Ich glaube, ich bin ein Flughafenmanager, der seiner Mannschaft zuhört, weil ich zutiefst davon überzeugt bin, dass die Mitarbeiter an der Front zu Problemen, die sich auftun, eigentlich immer die beste Antwort haben. Oft werden sie nicht gehört. Und das ist nicht nur auf Bremen gemünzt, das findet man an allen möglichen Standorten. Ich bin mein ganzes Leben lang gut damit gefahren, beruflich in irgendeiner Situation, die sich über Nacht ergeben hat – zum Beispiel ein beschädigtes Urlaubsgebiet, eine Bombe in der Türkei, eine Sicherheitsschieflage in Ägypten oder ein kaputtes Gepäckband im Keller – immer den Mitarbeiter zu fragen, der sich damit beschäftigt und um Rat zu bitten. Wenn man solche Themen lange genug im Mitarbeiterkreis ventiliert, gibt es zum Schluss fast immer die bestmögliche Lösung, der man dann zum fruchtbaren Boden verhelfen muss, damit die Saat aufgeht.

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  • Michael Pundt

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 13. März 2018, 19:30 Uhr