Fischer fürchten verheerende Folgen durch Fangquoten-Streit

Fischer fürchten verherende Folgen durch eskalierten Fangquoten-Streit

Audio vom 15. Juli 2021
Ein gelbes Schiff liegt an einerm Kai.
Bild: Radio Bremen | Patrick Florenkowsky
Bild: Radio Bremen | Patrick Florenkowsky

Norwegen hat das Brexit-Chaos genutzt und im Alleingang Fischfangquoten geändert – zulasten der Fischer in der EU. In Bremerhaven und Cuxhaven reagiert man besorgt.

Brexit und kein Ende: Regelmäßig zeigen sich neue Folgen des EU-Austritts Großbritanniens für die Menschen hierzulande. Viele davon waren nicht absehbar. So wie jetzt ein Streit um Fischfangquoten. Norwegen hat einige rechtliche Unklarheiten in Folge des Brexits genutzt und seine eigenen Fischfangquoten erhöht – zu Lasten der EU-Quoten. Das sorgt nun für Ärger.

Drei Männer stehen an Deck eines Schiffes.
Uwe Richter vom Hochseefischereiverbandes, Gero Hocker vom Deutschen Fischerei-Verband und Kai-Arne Schmidt von der Geschäftsführer der Kutterfischzentrale in Cuxhaven (v.l.) Bild: Radio Bremen | Patrick Florenkowsky

Auf dem Trawler "Lodairo" passiert aktuell nicht viel. Gerade erst ist sein Fang im Bremerhavener Fischereihafen gelöscht worden. Wann es für das Schiff wieder raus geht ist unklar. Der Grund ist ein Streit zwischen der EU und Norwegen, erklärt Uwe Richter, Vorsitzender des Deutschen Hochseefischereiverbandes. Denn: Norwegen hat für sich neue Fangquoten festgelegt. "Der EU gehen dadurch für die Kabeljaufischerei in diesem Gebiet knapp 7.000 Tonnen in diesem Jahr verloren", erklärt Richter. "Und das hat auch Auswirkungen auf die Reedereien – die Quoten sinken da natürlich und deswegen liegen die Schiffe hier im Hafen, weil sie den größten Teil der Quoten schon abgefischt haben in diesem Gebiet."

Fischer sind sauer auf Norwegen

Die Fischereiverbände werfen Norwegen vor, das Chaos rund um den Brexit ausgenutzt zu haben. Norwegen und die Briten hatten sich bei Fangquoten nicht einigen können, sodass auch das Abkommen mit der EU nicht zustande gekommen ist. Dass Norwegen diese Situation so für sich nutzt, ärgert Kai-Arne Schmidt, Geschäftsführer der Kutterfischzentrale in Cuxhaven.

Das ist eine mittlere Katastrophe, weil wir eigentlich ein politisches Abkommen haben. Die EU teilt uns die Quoten zu. Du kriegst die Erlaubnis da hoch zu fahren und der Norweger sagt: Das Papier, das Dir die EU ausgestellt hat, das kannst Du dir sonstwo abheften. Aber Du darfst hier nicht mehr rein und Deine Quote fischen.

Kai-Arne Schmidt, Geschäftsführer der Kutterfischzentrale in Cuxhaven

Laut Richter hat Norwegen offiziell gedroht: Werden die zugeteilten Quoten überfischt, setzen sie Aufsichtsschiffe und die Marine ein. Und es solle langwierige Gerichtsverfahren gegen den Reeder und den Kapitän geben. Richter rechnet aktuell mit einem Schaden von jährlich rund 20 Millionen Euro für die Deutsche Hochseefischerei – verursacht durch den Brexit und das Vorgehen Norwegens. Geld, das den Unternehmen fehlt, um die Flotte in der Form weiter zu betreiben. "Klar wird das bedeuten, dass wir Fahrzeuge verlieren werden, um uns der neuen Quotensituation anzupassen", glaubt Schmidt. "Da wird der Fischerei in Deutschland nichts anderes übrig bleiben."

Folgen für Fischbestände und Nachhaltigkeit

Eine Person läuft über das leere Deck eines Fischtrawlers.
Stillstand an Deck des leeren Fischtrawlers in Bremerhaven. Bild: Radio Bremen | Patrick Florenkowsky

Neben der wirtschaftlichen Situation hat Norwegens Alleingang aber auch Folgen für bestimmte Fischbestände. Makrelen etwa. Da hat Norwegen seine eigene Fangquote auf rund 175.000 Tonnen erhöht. Zum Vergleich: Die Quote der gesamten EU liegt hier bei 200.000 Tonnen. Die EU müsste also fast seinen gesamten Makrelen-Fang einstellen, um die Quote Norwegens im Rahmen einer nachhaltigen Bewirtschaftung auszugleichen. Das wird laut Richter aber so nicht passieren.

Aus dem jetzigen Gesichtspunkt muss man sagen: Es wird wieder zu drastischen Überfischungen kommen. Und dann kann man nur hoffen, dass man sich im Rahmen der Drittlandsabkommen auf einen vernünftigen Verteilerschlüssel einigt. Aber aus heutiger Sicht sehe ich das noch nicht.

Uwe Richter, Vorsitzender des Deutschen Hochseefischereiverbandes

Die Verbände fordern daher von der Politik ein klares Signal an Norwegen – notfalls auch mit höheren Zöllen. Ein Mittel, dass auch der CDU-Bundestagsabgeordnete und Mitglied im Ausschuss für Ernährung und Landwirtschaft, Michael von Abercron, für möglich hält: "Wenn es nicht funktioniert, dass wir vorher auf einer vernünftigen Ebene zu einer Lösung kommen, müssen wir auch darüber nachdenken, bei der Frage der Besteuerung oder der Einfuhrzölle für ausländische Fischprodukte entsprechende Maßnahmen zu ergreifen." Für den Verbraucher heißt das unterm Strich: Der Fisch wird teurer.

Autoren

  • Patrick Florenkowsky
  • Joschka Schmitt Redakteur und Autor

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Nachmittag, 15. Juli 2021, 16:35 Uhr