Premium-Routen für Radfahrer? Diese Ideen haben buten un binnen-User

Am Wall soll eine Autospur zu Bremens erster "Fahrrad-Premiumroute" umgebaut werden. Verbesserungsbedarf gibt es nach Ansicht vieler Bremer aber auch an anderen Stellen des Radwegenetzes.

Video vom 24. Juni 2020
Der Wall mit Fahrradfahrern auf Fahrradweg und Autos auf der Strasse.

Weniger Platz für Autos, dafür eine eigene Spur für Fahrradfahrer: So soll es bald am Wall in der Bremer Innenstadt aussehen. Das Bauressort hat jetzt die Pläne für eine geschützte Fahrradspur dort vorgestellt. Insgesamt soll das Projekt fünf Millionen Euro kosten und bis Herbst 2022 fertig gestellt werden.

Doch dieser Plan wird nicht von allen begrüßt: Unter anderem die Bremer Handelskammer ist strikt gegen die Fahrradspur. Und auch viele Bremer stehen dem Vorhaben kritisch gegenüber. Das hat eine Umfrage von buten un binnen auf Facebook gezeigt. Vor allem die Verengung der Straße für den Autoverkehr sorgt für Empörung: So werde die Innenstadt unattraktiver, und die Umwandlung der Straße in eine Einbahnstraße würde den Verkehr behindern und Auswärtige sowie Bremer verwirren.

buten un binnen-User: Gesamtkonzept für Radwegenetz nötig

Neben Kritik äußern einige Nutzer aber auch Vorschläge, wo stattdessen – oder ebenfalls – Investitionen in die Fahrradinfrastruktur nötig seien. Bei weitem der meistgenannte Punkt: Es sei sinnvoller, die bestehenden Radwege zu sanieren, als in neue zu investieren.

Besser wäre es die Radwege im gesamten Stadtgebiet zu reparieren und pflegen statt ein paar hundert Meter Prestige-Radweg zu bauen. Ein kurzes Stück phantastischer Radweg bringt nix wenn ich den Rest meiner Strecke, auf typisch Bremer Radwegen, weiterhin durchgeschüttelt werde.

Thomas Blome - 22. Juni 2020, 13:14 Uhr.

Dass ein "ernst gemeintes Gesamtkonzept für die (Fahrrad-) Verkehrspolitik" fehlt, sieht auch User Thomas Becker so. Kurze Fahrrad-Schnellstraßen seien nicht nützlich, wenn nach einigen hundert Metern wieder Ampeln und unebene Fahrradwege warteten. Außerdem müsse auch an Pendler aus dem Umland gedacht werden.

Der gemeine Pendler [...], der aus dem niedersächsischen Umland täglich morgens nach Bremen herein- und abends herausfährt, wird von diesem City-Ring kaum profitieren. Hier braucht es - wie für den Kfz-Verkehr natürlich vorhanden - gut ausgebaute Ein- und Ausfallfahrradstraßen, um die Autofahrer mit guten Argumenten von einem langfristigen Wechsel des Verkehrsmittels zu überzeugen.

Thomas Becker - 22. Juni 2020, 12:41 Uhr.

Tempo 30 als Lösungsvorschlag

Eine mögliche Lösung für ein neues Gesamtkonzept – zumindest für die Innenstadt – schlägt User Bernd Peters vor: Bei einer geringeren Geschwindigkeit in der Stadt könnten Fahrräder und Autos sich die Straßen teilen.

Tempo 30 auf den meisten Straßen und Fahrräder auf die Straße, spart eine Menge Geld, senkt den C02-Ausstoß und verringert die Unfallgefahr. Dort, wo Tempo 50 bleibt, braucht's dann aber doch "Premium"-Radwege.

Bernd Peters - 22. Juni 2020, 19:58 Uhr.

Neben der Kritik am Gesamtkonzept haben einige User auch bestimmte Orte auf Bremens Straßen genannt, an denen ihrer Meinung nach der Radverkehr sicherer gemacht werden müsste. Unter anderem wurde hier die Ecke Kirchbachstrasse/Kurfürstenallee genannt, da die Ampel dort für Radfahrer und Autofahrer gleichzeitig auf Grün springe. "Die Autofahrer kommen teilweise wie vom anderen Stern um die Ecke gebrettert", so eine Userin. Immerhin sei dort bislang nichts passiert. Anders sieht das aber laut Facebook-Nutzerin Lisa Qu Am Achterdiek aus: "Dort ist das Fahrradkonzept eine Katastrophe. Am Kreisel sind schon so viele Unfälle passiert", beschreibt sie. Deswegen wünsche sie sich dort Änderungen.

Probleme zwischen Radfahrern und Fußgängern lösen?

Doch nicht nur für ein besseres Miteinander von Autos und Fahrrädern plädieren die Bremer: Auch in Bereichen mit viel Fußverkehr hoffen einige auf Verbesserungen. "Irgendwie besser durch die Altstadt zu kommen wäre schön", wünscht sich zum Beispiel Userin Isabell Sonntag. Allerdings sei das wegen des wenigen Platzes wohl schwierig. Insa Stütze hingegen hat vor allem den Weg entlang der Weser im Blick.

Schön wäre es, wenn man eine Trennung zwischen Radfahrer und Fußgänger entlang der Weser schaffen könnte. Zumindest streckenweise. In der Überseestadt wurde am Wochenende ein kleiner Hund mit dem Rad Tod gefahren und auch unten am Osterdeich meinen viele Fahrradfahrer dies wäre eine Rennstrecke.

Insa Stütze - 22. Juni 2020, 18:14 Uhr.
Video vom 19. Juni 2020
Ein Entwurf von der geplanten Fahrradstraße am Wall.

Autorin

  • Rebecca Küsters

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Nachrichten, 22. Juni 2020, 18 Uhr