Mit dem Fahrrad durch die Antarktis

An der Neumayer-Station in der Antarktis können Forscher jetzt mit einem speziellen Fahrrad das ewige Eis befahren. Bernhard Gropp vom Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut leitet die Neumayer-Station – und weiß, warum die neuen Gefährte eine gute Idee für das Forschungsteam sind.

Gropp Alfred-Wegener-Institut
Bernhard Gropp ist der Leiter der Neumayer Station in der Antarktis. Er fährt mit Trikes über das ewige Eis. Bild: Alfred-Wegener-Institut
Grüße in die Antarktis! Wie sieht es bei Ihnen aus? Scheint im ewigen Eis auch gerade die Sonne?
Wir haben hier auf der Neumayer-Station strahlenden Sonnenschein – aber Minus 30 Grad. Ein schöner Tag also, nur eben ein bisschen kalt.
Sie fahren jetzt neuerdings mit einem Dreirad, einem sogenannten Trike, über das Eis. Was ist das genau für ein Gefährt?
Das sind Fahrräder von einem britischen Hersteller, die als Dreiräder funktionieren. Man hat vielleicht schon Fat Bikes gesehen, also Fahrräder mit sehr dicken Reifen – und diese Ballonreifen haben unsere Fahrräder auch, nur dass sie eben auf drei Rädern auch stabil stehen. Man liegt in einer Art Strandstuhlposition und tritt nach vorne. Dabei hat man eine recht gute Kraftübersetzung.
Trikes am Nordpol
Durch die überdimensionierten Reifen können die Trikes auch schwierigen Untergrund in der Eiswüste befahren. Bild: Alfred-Wegener-Institut
Was ist der Unterschied zu ähnlich gebauten Fahrrädern, wie man sie hier auch auf der Straße sieht?
Der Hauptunterschied zu Liegerädern zum Beispiel sind die überdimensionierten Reifen, die auf Schnee, Eis und auch Land gut funktionieren. Und zum anderen haben wir  eine spezielle Umsetzung der Schaltung: Das sind sehr kleine Gänge, bei denen man in einer hohen Frequenz tritt, um sich auch auf weichem Untergrund gut fortzubewegen.
Wofür brauchen Sie die Fahrräder genau?
Das Fahrrad ist für das nähere Stationsumfeld gedacht, in dem wir verschieden Messpunkte und Observatoren haben. Dann ist es einfach praktisch, sich mit unseren Trikes dorthin zu bewegen. Man ist ein wenig schneller als zu Fuß – wenn das Wetter schön ist, kommt man mit diesen Fahrrädern gut voran. Aber es ist natürlich nicht so rasend schnell wie auf einem Radweg. Das Eis ist recht holprig, es gibt Schneeverwehungen, die bei diesen Temperaturen auch recht hart sind. Ingesamt kommt man aber gut vorwärts – und es ist aus sportlicher Sicht auch einfach eine positive Abwechslung im Bewegungsablauf.
Trikes am Nordpol
Eine spezielle Gangschaltung sorgt dafür, dass man den weichen Untergrund leicht befahren kann – dafür muss man aber auch im Schnitt schneller in die Pedale treten. Bild: Alfred-Wegener-Institut
Sie sind ja auch Arzt – dann wissen Sie natürlich, was gesundheitlich gut für ihre Leute ist.
Genau, für die Gesundheit ist es gut, und man muss ja nicht immer nur aus praktischen Erwägungen unterwegs sein. Man kann sich mit diesem Fahrrad auch einfach sportlich im Stationsumfeld betätigen.
Haben die Fahrräder denn auch Licht? Es beginnt ja schließlich nun die Winterzeit in der Antarktis.
Wir haben kein spezielles Licht für die Fahrräder, dafür aber Kopflampen. Aber noch ist es hell – die Polarnacht steht uns erst bevor.

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, 8. April 2018, 14:46 Uhr