Fragen & Antworten

Verhärtete Fronten: Streit um Distanzunterricht in Bremerhaven

Wie geht Schule während der Pandemie? Das Land Bremen fährt eine klare Linie: mit Präsenzunterricht. Das kommt bei vielen Schülern, Lehrern und Eltern gar nicht gut an.

Eine Schülerin arbeitet mit ihrem Smartphone im Unterricht (Symbolbild)
Schüler in Bremerhaven fordern zu Hause lernen zu können, weil das Abstandhalten in der Schule schwierig ist. Nun bekommen sie Unterstützung vom Zentralelternbeirat. (Symbolbild) Bild: DPA | Jens Kalaene

In Bremerhaven wollten Schüler diese Woche mit einer Aktion zeigen, dass Unterricht ohne erhöhtes Infektionsrisiko möglich ist, nämlich als Distanzunterricht, also zu Hause. Der Magistrat hat jedoch kurzerhand per Pressemitteilung verkündet: alle Schüler müssen in der Schule anwesend sein. Das sorgt jetzt für mächtig Zoff in der Stadt.

Wie sehen die Lager aktuell aus?
Es ist eine ziemliche Gemengelage: Schüler, Lehrer, Magistrat, Eltern und das Bildungsressort haben alle etwas zu dem Thema zu sagen. Am lautesten hat sich heute aber der Zentralelternbeirat geäußert. In einer Mitteilung schreibt der ZEB, dass an den Schülern ein Exempel statuiert werden soll, sie in die Schranken gewiesen und vorgeführt werden. Der Vorwurf: Die Stadt will verhindern, dass es zu weiteren Protesten für Distanzunterricht kommt.
Wie ist es zu dem Streit gekommen, worum geht es genau?
Diese Woche wollten Schüler von drei Bremerhavener Schulen mit der Initiative "Wir können Distanz" darauf aufmerksam machen, dass Unterricht auch zu Hause möglich ist. Der Stadtschülerring befürchtet nämlich, dass Schüler in Schulen unnötig einer Infektionsgefahr ausgesetzt sind. Eine ähnliche Aktion hat es letzte Woche gegeben – die Aktionen diese Woche wurden durch den Magistrat abgesagt. Begründung: Eltern, Lehrer und Schulleitung seien nicht mit an Bord gewesen. Das, so sagen die Schüler und die Eltern, stimmt aber nicht, denn etwa am Lloyd Gymnasium seien die Lehrer gut auf den Distanzunterricht vorbereitet gewesen.
Am Dienstag haben trotz des Verbots knapp 100 Schüler Distanzunterricht gemacht. Wie war das möglich?
Sowohl die Eltern, als auch die Schüler betonen, dass genau das gezeigt hätte, dass die Lehrer auf den Fernunterricht vorbereitet waren. Die Schüler, die zu Hause geblieben sind, haben sich nämlich per Video zum Unterricht zugeschaltet und mitgemacht. Der Elternbeirat schreibt dazu in seiner Mitteilung, dass weder fehlende Vorbereitung noch zu wenig Zeit Grund für die Absage durch den Magistrat gewesen sein können, weil ja Fernunterricht stattgefunden hat.
Was sagt der Magistrat zu den Vorwürfen?
Schuldezernent Michael Frost (parteilos) will sich aktuell nicht äußern. Er hat aber angekündigt, dass es in den kommenden Tagen Gespräche mit allen Beteiligten geben soll. Am Mittwoch hat Bildungssenatorin Claudia Bogedan (SPD) Gespräche mit Bremerhavener Schülern geführt. Allerdings ohne nennenswerte Ergebnisse. Neue Regeln sollen erst in Kraft treten, wenn ein Inzidenzwert von 200 erreicht ist. Das kann Luca Lennox Püchel vom Stadtschülerring nicht nachvollziehen. "Es hieß immer, die Gesundheitsämter sind ab 50 überlastet und dann vervierfachen wir diesen Wert jetzt", so Püchel. Es sei einfach unverantwortlich, dass man das Gesundheitssystem jetzt so überlaste.

Sowohl in Bremen als auch in Bremerhaven ist die Politik aber überzeugt, dass Präsenzunterricht der richtige Weg ist. Wegen der nötigen technischen Ausstattung, aber auch wegen wichtiger sozialer Kontakte. Weitere Gespräche mit der Senatorin und auch dem Magistrat sind schon angekündigt. Dabei soll es zum Beispiel auch um volle Busse auf dem Schulweg gehen.

Rückblick: Keine Einigung beim Streitthema Schule – Was wünschen sich die Schüler?

Video vom 21. November 2020
Schüler*innen in einem Klassenzimmer.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Autoren

  • Joschka Schmitt Redakteur und Autor
  • Patrick Florenkowsky

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Rundschau am Mittag, 3. Dezember 2020, 12 Uhr