Fragen & Antworten

Sommeranfang – und auf was sich Bremen und Bremerhaven vorbereiten

Audio vom 1. Juni 2021
Ein Traktor fährt über einen staubigen Acker.
Bild: Imago | mhphoto
Bild: Imago | mhphoto

Der meteorologische Sommer beginnt heute. Und die Sonne strahlt im Land stabil. Welche Szenarien wird die heiße Jahreszeit bringen? Was wissen wir jetzt schon, was nicht?

In den vergangenen Sommern starben Bäume an Wassermangel und die Bevölkerung wurde dazu aufgerufen, keine Pools zu befüllen. Im Bremer Bürgerpark sackten Gebäude ab, weil der Boden nachhaltig austrocknet war. Auch Landwirte litten unter dem Extremwetter. Was ist dieses Jahr zu erwarten?

Meteorologin Annika Brieber steht in einem Raum mit Monitoren
Annika Brieber ist Meteorologin und arbeitet im Bremerhavener Klimahaus. Bild: Radio Bremen
Muss in Bremen und Bremerhaven wieder mit einem Dürre-Sommer gerechnet werden?
Bei Wetterprognosen gilt: Je weiter der vorherzusagende Zeitpunkt entfernt ist, umso größer werden die Unsicherheiten, sagt Alexander Fromm vom ARD-Wetterkompetenzzentrum. "Wie der Sommer 2021 hinsichtlich Temperatur und Niederschlag verläuft, kann momentan noch keiner seriös sagen." Dennoch gibt es Meldungen zur Gefahr eines erneuten Dürre-Sommers. Die berufen sich auf Langfristprognosen, die mit Durchschnittswerten arbeiten, sagt Annika Brieber, Meteorologin am Bremerhavener Klimahaus. Danach sehe es für den Sommer nach etwas erhöhten Temperaturen aus. Es lasse sich aber nicht sagen, ob deutlich über dem Durchschnitt oder nur ein wenig.

Für einen Dürre-Sommer könnte aus Sicht von Fromm die Tatsache sprechen, dass die Durchschnittstemperaturen zugenommen haben. Damit verbunden könnten ungewöhnlich warme Witterungsabschnitte sein. "In Bremen lässt sich dieser Trend auch feststellen", so Fromm.

Allerdings sei die Ausgangslage dieses Jahr eine andere. "Durch ein feuchtes Frühjahr ist es einigermaßen entspannt, was die Wasserversorgung im Boden angeht", sagt Brieber. "Die Wahrscheinlichkeit für einen Dürre-Sommer ist nicht so hoch, wie in den vergangenen drei Jahren."

Jährliche Niederschlagsmenge im Land Bremen

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Sind in der Region Hitzerekorde zu erwarten?
Hitzerekorden lassen sich ebenfalls schwer vorhersagen, sagt Brieber. Letztes Jahr habe es extreme Temperaturen gegeben, obwohl es den Sommer über insgesamt eher ein Hin und Her gewesen sei. "Die Sommer 2018 und 2019 waren heftig, in 2020 gab es nicht die wahnsinnigen Hitzeperioden." Trotzdem sei er zu warm gewesen, in Bremen 2,2 Grad über normal und in Bremerhaven 2 Grad.

Der höchste bislang in Bremen gemessene Wert stammt mit 37,6 Grad laut Fromm übrigens vom 9. August 1992. In Bremerhaven waren es damals 35,8 Grad. "Die Wahrscheinlichkeit für Temperaturrekorde hat in den letzten Jahren aufgrund des gestiegenen durchschnittlichen Temperaturniveaus zugenommen", so Fromm. "Ob aber tatsächlich in diesem Sommer Hitzerekorde zu erwarten sind, darüber lässt sich keine Aussage treffen."

Tageshöchsttemperaturen in der Stadt Bremen

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Die Waldbühne im Bremer Bürgerpark
An der Waldbühne im Bürgerpark waren 2018 Risse entstanden, weil das Gebäude wegen des trockenen Bodens abgesackt war. Bild: DPA | Klaus Nowottnick
Mit welchen Folgen müssen Parkbetreiber und Landwirte rechnen?
Momentan sieht die Situation in den Böden besser aus und ist entspannter als in den Vorjahren, sagt Brieber. Den Pflanzen steht laut Fromm aktuell genug Wasser zur Verfügung. Doch eine lange Trockenperiode könne wieder zu einer Verschlechterung der Bodensituation führen. Dass Landwirte dieses Jahr mit einer guten Ernte rechnen dürfen, glaubt Jan Heusmann, Vorsitzender des Landvolks Wesermünde. Die feuchten und kühlen Bedingungen in der ersten Jahreshälfte würden das wahrscheinlich machen. Landwirte haben laut Heusmann aktuell an vielen Stellen eher ein anderes Problem: Felder sind etwas zu feucht und deswegen schwer befahrbar. Aber das sei besser, als die Dürre. Problematisch seien allerdings Schädlinge, die durch anhaltende Wärme und Trockenheit kämen, etwa der Maiszünsler: ein Käfer, der Maispflanzen befällt.

Mit den jüngsten Dürre-Sommern hatte unter anderem der Bremer Bürgerpark zu kämpfen. Dessen Leiter Tim Großmann erklärt, dass wegen der Trockenheit viele Torfschichten im Boden vertrocknet und dadurch geschrumpft sind. Die Folge: Wege sind kaputtgegangen und Gebäude abgesackt. Bei den Pflanzen im Park würden vor allem ältere Bäume leiden. Vor wenigen Jahren hätte vielleicht ein bis zwei Mal bewässert werden müssen. Inzwischen seien es bis zu 10 Mal im Jahr.

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Wie breiten sich die Städte auf drohende Dürren vor?
In Bremerhaven bereitet man sich laut der Stadt mittlerweile routinemäßig auf einen Dürre-Sommer vor. Unter anderem mit ausgebauten Bewässerungskapazitäten und fahrbaren Wassertanks. Außerdem ist es mittlerweile üblich, dass die Stadt im Sommer Bürger und Firmen um Unterstützung beim Gießen bittet. Auch die Feuerwehr wird gegebenenfalls für die Bewässerung eingesetzt. Das Bremerhavener Gartenbauamt hält Bewässerungssäcke und Wassertanks bereit. Zusätzlich will man auch vermehrt auf Pflanzen setzen, die Trockenheit tolerieren. Ein Schritt, den auch Großmann im Bürgerpark geht. Und auch der Landwirt Heusmann erklärt, dass er und seine Kollegen häufiger auf Pflanzenarten setzen, die längere Trockenphasen aushalten, etwa beim Mais.
Sind die vergangenen Dürrejahre Belege für den Klimawandel?
Studien zeigen, dass Hitzewellen wie 2019 mit über 40 Grad an mehreren Tagen hintereinander in Deutschland durch den Klimawandel wahrscheinlicher sind, sagt Meteorologin Brieber. Die Wahrscheinlichkeit für neue Hitzerekorde und immer wärmere Sommer seien auf einer heißeren Erde höher.

Das schließe durchschnittliche Jahre dazwischen allerdings nicht aus. "Man muss immer zwischen Wetter und Klima unterscheiden", sagt Fromm. "Wetter ist etwas Kurzfristiges und kann dem Trend entgegen stehen." Klima sei ein über einen längeren Zeitraum von mindestens 30 Jahren durchschnittlicher Zustand an einem Ort, deshalb sei es eher schwierig bei ungewöhnlichen Wettersituationen Rückschlüsse auf den Klimawandel zu ziehen. Dennoch ließe feststellen: Die mittlere Temperatur in Deutschland ist um etwas mehr als 1 Grad im Zeitraum 1991-2020 im Vergleich zu 1961 -1990 angestiegen. "Über einen langfristigen Zeitraum ist es also wärmer geworden, was als Folge des Klimawandels interpretiert werden kann."

Darum geht es den Wäldern in Deutschland immer schlechter

Video vom 21. März 2021
Ein umgefallener Baumstamm in einem Wald.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

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Autoren

  • Joschka Schmitt Redakteur und Autor
  • Sonja Harbers Autorin

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 1. Juni 2021, 19:30 Uhr