Umzug in Übergröße: Schifffahrtsmuseum bezieht Neubau in Bremerhaven

Das Deutsche Schifffahrtsmuseum in Bremerhaven bezieht ab heute sein neu gebautes Forschungsdepot. Den Anfang macht das größte Objekt, ein Segelrettungsboot von 1913.

Video vom 17. Mai 2021
Ein Kran hebt ein Boot auf einen Lkw.
Bild: Radio Bremen | Carolin Henkenberens
Bild: Radio Bremen | Carolin Henkenberens

Wer einen Keller oder Dachboden hat kennt das: Was nicht ordentlich verstaut ist, wird irgendwann feucht und muffig. Wäre doch schade um gerade nicht benötigte Weihnachtsdeko oder Wintermäntel. Ähnlich funktioniert auch das Depot eines Museums: Weil nie alles gleichzeitig ausgestellt werden kann, wird ein Teil der Exponate gut verpackt verwahrt. Das Deutsche Schifffahrtsmuseum (DSM) in Bremerhaven hat dafür nun ein neues Gebäude bekommen, für acht Millionen Euro errichtet im Fischereihafen. Nach gut anderthalb Jahren Bauzeit hat diese Woche der Umzug der Objekte aus einem nahegelegenen Interimslager begonnen.

Im Zeitlupentempo, Zentimeter für Zentimeter, wird die grün-weiß-rote "Geheimrat Heinrich Gerlach" auf eine Rampe gerollt. Ein Kran hält das Schiff über breite Spanngurte fest. Dem Segelrettungsboot Baujahr 1913 soll nichts passieren. Höchste Präzisionsarbeit. Bis der Kran das Schiff in die Luft hebt und auf einen Anhänger stellt, dauert es mehr als eine Stunde. Das historische Segelrettungsboot zieht von einer angemieteten Halle im Fischereihafen ein paar Straßen weiter ins neue Forschungsdepot des Schifffahrtsmuseums.

Schifffahrtsmuseum besitzt 440.000 Objekte

Eine Frau steht vor einem Kran und einem Boot.
Museologin Annika Opitz koordiniert den Umzug ins neue Forschungsdepot des Schifffahrtsmuseums. Bild: Radio Bremen | Carolin Henkenberens

"Das ist das erste und auch das größte Teil, weil es ja erstmal rein muss, bevor wir dann alles vollbauen und zustellen", sagt Museologin Annika Opitz. Sie koordiniert den Umzug. 440.000 Archivalien und Objekte besitzt das DSM. Sie lagern seit einem Umbau des Museums in einer Halle im Fischereihafen, als Zwischenlösung. "Man sieht hier Leuchttürme, Kisten, Schiffsmodelle. Alles was so zu unserer Sammlung gehört", sagt Opitz. "Man kann sagen, so ziemlich die gesamte Sammlung des Deutschen Schifffahrtsmuseums ist hier gerade eingelagert." Also alles, was nicht in der Ausstellung gezeigt werden kann, aber für die Nachwelt erhalten bleiben soll. Darunter auch Kuriositäten.

Bei manchen Dingen kann man sich gar nicht vorstellen, dass es das tatsächlich gibt, wie zum Beispiel eine Marzipan-Kogge. Und dann haben wir auch tatsächlich Souvenirs, also das, was man im Urlaub an der Nordsee kaufen kann.

Annika Opitz, Museologin am DSM in Bremerhaven

Wertvolle Gegenstände müssen aufwändig gelagert werden

Die Verwahrung der Kulturgüter ist anspruchsvoll. Es braucht je nach Material eine Luftfeuchtigkeit von etwa 50 Prozent, sagt Opitz. Im Winter ein bisschen Heizung, im Sommer mehr Luftfeuchte, das brauchen die Objekte, erklärt die Museologin. Und gerade weil die Schätze so behutsam verwahrt werden müssen, ist nun das neue Depot gebaut worden. 2.300 Quadratmeter groß. Draußen graben noch Bagger den Boden um, drinnen ist bereits alles einzugsbereit: Es warten eine Kühlkammer für empfindliche Fotografien, ein Raum ohne Tageslicht für Gemälde und eine riesige Halle mit meterhohen Regalen. Die Halle ist über acht Meter hoch und bietet den größeren Exponaten Platz in Palettenregalen.

Objekte der Sammlung sind nicht ersetzbar

Die für den Umzug gut verpackten Objekte werden jedoch nach der Ankunft nicht alle ausgepackt. Einige bleiben in Hüllen aus Polypropylen-Stoff. Das Material ist für die Gegenstände schonend. Andere Teile werden in säurefreien Archivboxen gelagert. Bis im neuen Depot alles eingeräumt ist, wird es noch Monate dauern. Acht bis zwölf Mitarbeitende ziehen mit ein, zum Beispiel um hier 3-D-Modelle von Objekten zu erstellen. Die Sammlung zu konservieren, sei das oberste Ziel. Der materielle Wert der Gegenstände ist dabei nicht ausschlaggebend, sagt Opitz. Wertvoll sei immer relativ. "Sie sind ja alle nicht ersetzbar, wenn sie kaputtgehen, deswegen ist alles wertvoll, ideell wertvoll."

Autoren

  • Joschka Schmitt Redakteur und Autor
  • Carolin Henkenberens Redakteurin und Autorin

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 17. Mai 2021, 19:30 Uhr