Darum weht beim CSD am Rathaus keine Regenbogenfahne

Abstiegsduell in der Fußball-Bundesliga. Am Rathaus weht die Werder-Fahne im Wind. Jetzt kommt der Christopher Street Day. Die Regenbogenfahne wird aber nicht gehisst. Warum eigentlich nicht?

Die Regenbogenflagge am Bremer Rathaus (Fotomontage).
In Bremen weht die Regenbogenfahne an der Bürgerschaft, aber im Gegensatz zu anderen Städten weht sie nicht am Rathaus. Bild: Imago | Eckhard Stengel, CommonLEns
  • Im Gegensatz zu anderen Städten wie Hamburg, Berlin oder München hisst Bremen anlässlich des Christopher Street Days (CSD) am Rathaus keine Regenbogenfahne. Begründung: Das Rathaus ist ein Regierungssitz und Flaggen sind Hoheitssymbole. Dazu passt kein Regenbogen, heißt es zur Begründung aus dem Rathaus.
  • Konkret bedeutet das: Am Rathaus werden Fahnen nur zu besonderen Anlässen gehisst. Neben feststehenden Jahrestagen, den sogenannten Beflaggungsterminen, wehte zuletzt auch nach den Anschlägen von Barcelona eine Fahne mit Trauerflor vor dem Rathaus. Auch für einen besonderen Staatsgast wird die entsprechende Fahne vom Dachboden des Rathauses geholt.
  • Die Protokollchefin im Rathaus, Birgitt Rambalski, begründet die Absage an die Regenbogenfahne folgendermaßen: Alle privaten Äußerungen und Parteinahmen sollen fern vom Fahnenmast des Rathauses gehalten werden – dafür gebe es andere Möglichkeiten und Kommunikationsformen. Heißt übersetzt: Auch die Regenbogenfahne ist Privatsache und hat hier anscheinend nichts verloren.
  • Aber: Das war doch was. Am 13. Mai 2016 hisste Bürgermeister Carsten Sieling (SPD) die Werder-Fahne am Rathausmast. Kurz vor dem Abstiegs-Endspiel gegen Eintracht Frankfurt hatte sich das Fußball-Fieber wohl auch über die strengen Richtlinien der Rathaus-Beflaggung hinweggesetzt. Kurios, erfüllt die Werder-Fahne doch gleich beide Ausschlusskriterien: private Äußerung und Parteinahme.
  • Die Regenbogenfahne, das Symbol der Lesben- und Schwulenbewegung, wird aber dennoch gehisst – und zwar an der Bürgerschaft. Die Fahne weht erst zum zweiten Mal in der Geschichte Bremens am Parlaments-Gebäude. Warum an der Bürgerschaft und nicht am Rathaus? Grundsätzlich gilt die Bundesflaggenverordnung. Das Parlament kann aber Ausnahmen beschließen. Und das hat es getan. Dazu sagt Herrmann Kleen aus der Bürgerschaftskanzlei: "Das Haus wird so lange am internationalen Tag gegen Homophobie oder zum Christopher Street Day geflaggt, bis die Diskriminierung von Homosexuelle und Transgender beseitigt ist."

Dieses Thema im Programm: Bremen Vier, 25. August 2017, 8:20 Uhr