"Grenzwertig" bis "sinnvoll": Bremer zu den Kosten für Coronatests

Reportage vom Corona-Testzentrum an der Uni

Audio vom 6. Oktober 2021
Corona-Test in einem Test-Center.
Bild: DPA | ROBIN UTRECHT
Bild: DPA | ROBIN UTRECHT

Weil man für Coronatests künftig zahlen soll, stehen Bremens Testzentren vor einer ungewissen Zukunft. "Ausprobieren" lautet die Devise – für Kunden und Anbieter gleichermaßen.

Coronatests im Testzentrum: Für viele Menschen sind sie zum Ritual geworden, auch für Paul-Theodor Pricop. Ein- bis zweimal pro Woche lässt er sich im Testzentrum an der Uni Bremen testen. Ab kommenden Montag ist es damit für den ungeimpften Studenten aber erstmal vorbei. Für Pricop ist das ein Problem: "Man kann dann nicht mehr in die Mensa oder die Bibliothek", sagt er, um gleich hinzu zu fügen: "Gut man kann – wenn man getestet ist." Aber Coronatests werden ab Montag Geld kosten, mehr, als er sich leisten könne, sagt der Student.

Wenn ich 15 bis 20 Euro bezahlen muss, um im Seminar zu sitzen, dann find’ ich das ein bisschen grenzwertig.

Paul-Theodor Pricop, Student

Bisher wollte er sich aus Prinzip nicht impfen lassen - um aber weiter zu studieren, wird er sich nun wohl doch impfen lassen.

Allerdings sind nicht nur ungeimpfte Studenten regelmäßige Besucher des Testzentrums an der Uni. Von Schwangeren, Menschen auf der Durchreise, bis hin zur durchgeimpften Anwohnerin gehen hier viele ein und aus. Dafür, dass für die Tests ab Montag bezahlt werden muss, gibt es durchaus Verständnis. Eine Anwohnerin sagt: "Ich finde es sinnvoll, dass es nicht mehr von der Allgemeinheit getragen wird, wenn die Leute sich nicht impfen lassen."

"Die Unsicherheit ist mehr"

Das Testzentrum an der Uni bleibt erstmal geöffnet. Es ist weiterhin gut ausgebucht – besonders morgens und abends, berichtet Ines Volkmann. Sie arbeitet im Testzentrum und ist sich sicher, dass es auch so bleiben wird – trotz fast 15 Euro pro Test: "Da gibt’s noch genug, die das gerne noch in Anspruch nehmen und auch in Anspruch nehmen müssen", sagt sie. Die 3G-Regelung sorge dafür, dass auch weiterhin einige Testzentren wie dieses aufhaben werden. Wie lange, ist fraglich. Denn je höher die Impfquote, desto weniger Menschen brauchen Tests, um an Veranstaltungen teilzunehmen oder ins Restaurant zu gehen.

Silvano D‘Agostino ist Prokurist im Testzentrum. Er hat die Kunden direkt gefragt, wie wahrscheinlich es ist, dass sie wiederkommen werden, wenn sie für die Testes bezahlen müssten. Die Antwort: Es sehe danach aus, dass zumindest bei einigen das Interesse an den Tests bleiben wird, auch über den 11. Oktober hinaus und trotz der Kosten. "Am Ende des Tages müssen wir es jetzt aber auch ein bisschen ausprobieren, und wenn sich dann herausstellt, dass es sich gar nicht mehr rentiert – gegebenenfalls das Projekt auch wieder einstellen", sagt D’Agostino.  

Seine Kollegin Ines Volkmann hat jeden Tag Kontakt mit vielen Menschen. Bislang seien viele auch ohne Test und Impfung durchgekommen, sagt sie. Aber sie spüre, dass der Druck auf Ungeimpfte steigt: "Die Unsicherheit ist mehr – viele die einfach nicht wissen was auf sie zukommt", sagt Volkmann. In diesem Punkt gehe es den Kunden wie den Testzentren. Auch sie ständen zumindest mittelfristig vor einer ungewissen Zukunft.

Nach Juni-Flaute: Corona-Testzentren erleben wieder starken Zulauf

Video vom 29. Juli 2021
Ein Mitarbeiter in Schutzkleidung nimmt in einem Testzentrum einen Nasenabstrich bei einer Frau für einen Corona-Test.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, 6. Oktober, 7.20 Uhr