Fragen & Antworten

Ansturm auf Corona-Soforthilfen: Existenzängste in Handwerksbetrieben

In der Corona-Pandemie müssen viele Betriebe schließen. Einnahmen fehlen, Ausgaben bleiben. Trotz staatlicher Soforthilfen wachsen da Existenzängste. Wie erlebt das Handwerk die Krise?

Eine Frau steht in einem Friseur-Salon an einen Stuhl gelehnt.
Der Friseur-Salon von Sabine Schwarz in Bremerhaven muss in der Corona-Krise geschlossen bleiben. Ihr Handwerk steht vor Existenzängsten. Bild: Radio Bremen | Patrick Florenkowsky
Wie werden die Hilfen angenommen?
Der Ansturm auf die Soforthilfen von Bund und Ländern ist groß. Aus dem Wirtschaftsressort heißt es, dass bis zum Montag für das Landesprogramm schon rund 8.000 Anträge gestellt wurden. Die Angebote werden branchenübergreifend genutzt, von Hotels über kleine Agenturen bis zu Friseuren. Letztere gehören laut Kreishandwerkschaft Wesermünde zu den besonders Betroffenen. "Die Situation betrifft uns sehr stark, weil wir seit wir unser Geschäft schließen mussten überhaupt kein Einkommen mehr haben", sagt Friseurin Sabine Schwarz aus Bremerhaven. "Und dieses nicht vorhandene Einkommen betrifft die Miete, Gehälter, die ganzen Kosten, die wir weiterhin haben, die sich ja nicht verändert haben." Den Antrag auf Hilfe hat sie letzten Mittwoch gestellt, noch wartet sie auf Rückmeldung.
Wie schnell soll das Geld bei den Betrieben landen?
Laut Wirtschaftsressort so schnell wie möglich. Es sei schon das erste Geld geflossen. Im Land bearbeiten etwa 50 Mitarbeiter einer Task Force der Bremer Aufbaubank die Anträge. Sie stehen laut Ressort aufgrund der großen Menge vor einer Herausforderung. "Habe ich auf die Schnelle alle Kosten eingetragen? Was kommt da noch auf mich zu. Summen wie zum Beispiel Berufsgenossenschaftsbeiträge", das fragt sich Friseurin Susanne Schwarz und ist verunsichert, ob sie alles richtig gemacht hat. "Die Rechnungen bekommen wir alle bald ins Haus. Die habe ich alle nicht bedacht, weil ich nur dachte: bloß schnell diesen Antrag raus, damit du schnell Unterstützung bekommst." Laut Ressort sollen die Anträge so unbürokratisch wie möglich abgearbeitet werden. Dennoch sei wichtig zu betonen: Nicht jeder Betrieb bekommt auch die finanzielle Unterstützung. Hierfür müsse der Betrieb schon in existenzieller Not sein, oder bald geraten. Das Wirtschaftsressort schätzt aktuell, dass von den rund 22.000 Betrieben mit weniger als 10 Mitarbeitern etwa die Hälfte in diese Situation kommen wird.
Wie sehr helfen diese Finanzmittel am Ende?
Das hängt stark davon ab, wie lange die Betriebe weiter geschlossen bleiben müssen. Den April würde Friseurin Sabine Schwarz noch überstehen. Ihre Mitarbeiter sind bereits in Kurzarbeit. Aber wie es danach weitergeht kann sie nicht abschätzen. "Dass es diese Gelder gibt und, dass es sie schnell geben soll, so wie ich hoffe, ist eine Hilfe. Aber das wird nicht reichen, das kann nicht reichen, auch für einen kleinen Betrieb. Die Kosten sind einfach sehr viel höher." Sabine Schwarz bittet deswegen unter anderem ihre Kunden sich jetzt nicht selbst die Haare zu färben oder schneiden, sondern nach der Krise wieder zum Frisör ihres Vertrauens zu gehen. Das würde den Salons dann am allermeisten helfen.

Autoren

  • Joschka Schmitt Redakteur und Autor
  • Patrick Florenkowsky

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Morgen, 31. März 2020, 8:45 Uhr