Interview

So will ein Bremer Indien in der Corona-Krise helfen

Die Corona-Lage in Indien verschlimmert sich von Tag zu Tag. Es mangelt an Sauerstoff und Impfungen, Krematorien sind überlastet. Jetzt wollen Bremer helfen.

Familienmitglieder von Corona-Erkrankten liegen auf einem Krankenhausflur in Indien.
In den Krankenhäusern in Teilen Indiens können Corona-Kranke oft nur in den Fluren untergebracht werden. Bild: DPA | Prabhat Kumar Verma/ZUMA Wire

Es war ein neuer, trauriger Höchststand am Freitag in Indien: Die Zahl der registrierten Neuinfektionen mit dem Coronavirus hat wieder die 400.000er-Schwelle überschritten. Die Lage ist ernst. In dem südasiatischen Land mangelt es derzeit an medizinischem Sauerstoff und Intensivbetten, auch der Impfstoff ist knapp. Leichen werden auf Parkplätzen und in Parks verbrannt.

Zwei Maschinen der Luftwaffe sind diese Woche vom Fliegerhorst Wunstorf bei Hannover in Richtung Neu-Delhi gestartet, um eine Sauerstoffanlage nach Indien zu bringen. Doch auch in Bremen wollen Menschen helfen. Vivek Bhandari, ein Raumfahrtingenieur mit indischen Wurzeln, hat buten un binnen über das Vorhaben erzählt, das er mit der Deutsch-Indischen Gesellschaft in Bremen umsetzen will.   

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Herr Bhandari, Sie haben Verwandte in Indien, was erzählen sie?
Die meisten unserer Verwandten wohnen in nordindischen Großstädten, zum Beispiel in Neu-Delhi. Der Norden von Indien ist auch sehr schlimm betroffen. Bei ihnen herrscht Lockdown, sie müssen zu Hause bleiben und dürfen nur in einigen Fällen raus, zum Beispiel bei Notfällen. Das ist aber von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. Wir hatten viele Corona-Fälle in unserer Familie in Indien, aber zum Glück war keiner – mindestens in unserem engeren Familienkreis – schwer krank. Freunde von uns sind jedoch einige Tage lang zu mehreren Krankenhäusern gefahren und haben keinen Platz rechtzeitig bekommen. Sie sind dann gestorben.
Wie geht es Ihnen, wenn Sie die Nachrichten hören?
Wir haben auch Angst um unsere Familien und Verwandten in Indien. Wenn sie krank werden, kann es sein, dass sie vielleicht keinen Platz im Krankenhaus finden. Die Krankenhäuser sind voll. Wir machen uns Sorgen.
Was sind Ihrer Meinung nach aktuell die größten Probleme?
Die Menschen finden teilweise keine freien Plätze in den Krankenhäusern. Und manchmal ist es so, dass die Betten da sind, aber der Sauerstoff fehlt. Oder die Ventilatoren. Der Sauerstoffmangel ist ein großes Problem. Das gesamte Gesundheitswesen in Indien ist überlastet. Die Krankenhäuser sind voll – nicht überall, aber auch in Großstädten. Und ich habe gehört, dass die Menschen nicht schnell genug einen Platz kriegen, um ihre Verwandten zu begraben.  

Dies addiert sich zu den anderen Problemen, die es schon davor gab. Arbeitslosigkeit und Armut zum Beispiel. Wanderarbeiter haben ihren Job verloren, sie haben kein Einkommen mehr und die Lebensmittel sind teurer geworden. Das ist auch ein Problem.
Sie und die Deutsch-Indische Gesellschaft in Bremen arbeiten an Lösungen für diese Probleme – und zwar von Bremen aus. Was haben Sie vor?
Wir haben zuerst Informationen gesammelt, mithilfe des indischen Konsulats in Hamburg. Wir wollten wissen: "Was fehlt genau, wie können wir helfen?" Dann haben wir mit Mitgliedern der Deutsch-Indischen Gesellschaft in Bremen darüber gesprochen. Wir haben festgestellt, dass in Indien vor allem Sauerstoffflaschen fehlen und haben versucht, Firmen zu identifizieren, von denen wir Sauerstoffflaschen bestellen können. Und auch Sauerstoffgeräte. Das Problem mit den Geräten ist aber, dass sie einerseits sehr teuer sind, andererseits sind nicht so viele von ihnen auf Lager, auch nicht in Deutschland. Unser Plan ist, diese Sauerstoffgeräte zu besorgen und sie nach Indien zu schicken. Später möchten wir dann auch mit Impfungen und Medikamente helfen.
Wie weit sind Sie momentan mit Ihren Plänen?
Wir wissen jetzt, welche Geräte und Sauerstoffflaschen wir brauchen. Jetzt müssen wir sie besorgen und nach Indien schicken. Dafür brauchen wir finanzielle Unterstützung und Spenden. Wer helfen möchte, kann sich gern per E-Mail an die Deutsch-Indische Gesellschaft in Bremen wenden.

Im letzten Jahr haben wir schon drei Hilfsprogramme gestartet, mit Partnern in Indien und Bremen: für arbeitslose Wanderarbeiter und ihre Familien, schwangere Frauen und vaterlose Kinder sowie ältere Damen. Die finanzielle Unterstützung für diese drei Projekte kam auch von der Bremer Senatskanzlei und von den Mitgliedern der DIG.
Worum geht es bei den drei Projekten, die der Senat in der Pandemie unterstützt?
Wanderarbeiter arbeiten in großen Städten und im vergangenen Jahr haben viele während des Lockdowns ihre Arbeit verloren. Sie sind dann in ihre Dörfer zurückgekehrt. Wir helfen ihre Familien mit Lebensmitteln und Medikamenten. Dann helfen wir vaterlosen Kindern, deren Mütter als Haushaltshilfen gearbeitet haben und wegen Corona den Job verloren haben. Wir wollen, dass sich Kinder Essen und Schule leisten können. Und ältere Frauen: Sie sind auch von finanziellen Probleme getroffen. Zum Beispiel diejenigen, die in Altersheimen wohnen. Wir wollen Hilfe leisten. Doch jetzt geht es um mehr, vor allem, wegen des Sauerstoffmangels. Das ist dringend.

Warum die Corona-Krise in Indien auch Bremer beschäftigt

Video vom 3. Mai 2021
In einem notdüftig ausgestattetem Krankenhaus in Indien werden Corona-Patienten mit Sauerstoff versorgt.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

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Autorin

  • Serena Bilanceri

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 3. Mai 2021, 19:30 Uhr