Und plötzlich werden Kunstwerke in Bremens Wohnungen lebendig

Museen und Galerien sind wegen der Corona-Pandemie dicht. Die Kunsthalle Bremen hat sich einer außergewöhnlichen Challenge angeschlossen – die Kunst buchstäblich zum Leben erweckt.

tussenkunstenquarantaine-Collage aus der Sammlung der Kunsthalle Bremen – Der Kunstverein in Bremen
Bitte nachmachen! Die Kunsthalle Bremen sucht Neu-Interpretationen ihrer Sammlung während der Corona-Krise. Bild: Kunsthalle Bremen – Der Kunstverein in Bremen /Théodore Chassériau, Junges Mädchen (Melancholie)/Privat

Keine Konzerte, keine Kunstausstellungen, kein Kino. Klar: Corona. Praktisch über Nacht mussten Kulturstätten wie Museen, Theater und Lichtspielhäuser wegen der Pandemie schließen. Und trotzdem macht die Kunst keine Pause. Dank einer weltweiten Challenge werden nun auch Bremer Wohnzimmer zu Ateliers.

Die Kunsthalle Bremen hat nämlich dazu aufgerufen, während der Corona-Krise Kunstwerke aus ihrem Online-Archiv nachzustellen – und in den sozialen Netzwerken zu posten. Alles was man dafür braucht: ein paar Alltagsgegenstände und ein Smartphone.

Quarantäne-Version von Toulouse-Lautrec

tussenkunstenquarantaine-Collage aus der Sammlung der Kunsthalle Bremen – Der Kunstverein in Bremen
So geht Kunst von zuhause: Die Adaption eines echten Toulouse-Lautrec. Bild: Kunsthalle Bremen/Henri de Toulouse-Lautrec, Junges Mädchen im Atelier (Hélène Vary), um 1889, Gouache auf Pappe | Jörg und Jette Peterschewski

Jörg Peterschewski ist dem Aufruf gefolgt. Mit Leinwänden, ein paar Blättern Papier und Tochter Jette hat er das Werk "Junges Mädchen im Atelier" von Henri Toulouse-Lautrec neu interpretiert. Die Quarantäne-Version ist dabei nicht nur ziemlich detailgetreu geworden, sondern auch unterhaltsam: "Die Aktion #museumathome fanden wir wieder eine richtig Klasse-Idee von euch! [Anmerkung der Redaktion: gemeint ist die Kunsthalle Bremen]", berichtet Peterschewski auf Instagram.

Keine Internetaktion ohne Katzenbilder: Natürlich darf auch der "cat-content" bei einer Challenge nicht fehlen. Der Nachbau von Pierre Bonnards "Dame mit Katze" stammt von Hartwig Dingfelder. Er hat eine junge Kunstliebhaberin – zwar ohne üppigen Garten, dafür aber mit gut genährtem Stubentiger und Kopfbedeckung – mit hohem Kuschelfaktor nachgestellt.

tussenkunstenquarantaine-Collage aus der Sammlung der Kunsthalle Bremen – Der Kunstverein in Bremen
Kunst mit Katze: Hartwig Dingfelders Neuinterpretation von Pierre Bonnards "Dame mit Katze". Bild: Kunsthalle Bremen – Der Kunstverein in Bremen /Pierre Bonnard, Dame mit Katze/Hartwig Dingfelder

Zeit für Kunst

Um die Verbreitung von Covid-19 einzudämmen, verbringen Menschen gerade auf der ganzen Welt viel mehr Zeit zu Hause als sonst. Viel Zeit, um sich auch mehr mit Kunst auseinanderzusetzen, sie in den Alltag zu bringen und zu beleben. "Durch das persönliche Nachstellen erkennt man, dass die Position eines Models teilweise anders ist als im ersten Augenblick gedacht und, dass ein Motiv komplexer sein kann, als auf den ersten Blick erkennbar ist", sagt Jasmin Mickein von der Kunsthalle Bremen.

Die bisher eingereichten Fotos machen die intensive Auseinandersetzung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer deutlich.

Jasmin Mickein, Pressesprecherin Kunsthalle Bremen

So führe die Aktion dazu, dass Menschen sich mit der Kunst intensiv auseinandersetzen und sie genau betrachten. Auch in Zeiten, in denen Museen geschlossen bleiben müssen.

Do-it-yourself-Kunst begeistert weltweit

Die Idee mit den Ikonen aus dem eigenen Wohnzimmer kommt an. Das kalifornische J. Paul Getty Museum hatte Ende März zu der Challenge aufgerufen, während der Corona-Krise Kunstwerke neu zu interpretieren und auf Instagram, Twitter und Facebook zu posten.

"Schaut euch Kunstwerke in unserem Online-Archiv an und stellt sie zu Hause nach", lautete der Auftrag an die Do-it-yourself-Künstler. Die Herausforderung, für die Eigenschöpfungen nur drei Gegenstände zu benutzen, hatte das Museum bei dem niederländischen Instagram-Account "tussenkunstenquarantaine" (übersetzt "zwischen Kunst und Quarantäne") abgeschaut. Diesem Account folgen mittlerweile knapp 222.000 Follower.

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"Wir haben schon etwa 100.000 Einsendungen bekommen", sagte Getty-Mitarbeiterin Annelisa Stephan Mitte April der Deutschen Presse-Agentur. Täglich würden jetzt noch Hunderte Fotos von den Nachahmungen eintreffen.

Ausstellung in Bremen geplant

Zahlenmäßig hängt Bremen da zwar noch hinterher, aber bis zum 24. Mai werden noch Beiträge gesammelt. Die Werke können an presse@kunsthalle-bremen.de geschickt werden. Daraus soll eine Ausstellung entstehen. "Zwischen Kunst und Quarantäne" kann dann voraussichtlich in den Sommerferien, abhängig von der Wiedereröffnung der Kunsthalle, den Besuchern präsentiert werden und zeigen, wie Bremer in der Corona-Zeit berühmte Gemälde zum Leben erweckt haben.

Weitere Informationen:

Autorin

  • Sophie Schwarz

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 25. April 2020, 8:30 Uhr