Fragen & Antworten

Inzidenzwert über 200: So organisiert Bremerhaven nun den Unterricht

In Bremerhaven liegt die Inzidenz weiter über 200. Beim Präsenzunterricht geht die Stadt daher einen eigenen Weg. Eltern- und Schülervertretung haben dabei gemischte Gefühle.

In einem Klassenzimmer einr Grundschule sitzen drei Schüler und zwei Erwachsene Personen.
Für Grundschulen in Bremerhaven gilt nun Wechselunterricht in Halbgruppen. (Symbolbild) Bild: DPA | Sina Schuldt

Neue Woche, neuer Monat, neue Regeln an den Schulen im Land Bremen – ab dem 1. März gilt wieder die Präsenzpflicht. In Bremerhaven läuft dies allerdings etwas anders. Dort ist am Wochenende der Inzidenzwert der Corona-Infektionen auf über 200 gestiegen, unter anderem durch einen Ausbruch in einem Altenheim. Das bedeutet für die Seestadt: Keine komplette Anwesenheitspflicht für alle vor Ort in der Schule, aber auch nicht nur Home-Schooling. Der Begriff Präsenzpflicht hatte zuletzt zu Irritationen geführt.

Schuldezernent Michael Frost in einem Klassenraum
Stadtrat Michael Frost ist unter anderem Dezernent für die Organisationseinheit des Bremerhavener Schulamts. Bild: RadioBremen | Joschka Schmitt
Was macht Bremerhaven anders als Bremen?
Präsenzpflicht bedeutet, dass die Schülerinnen und Schüler an dem Unterrichtsangebot, das von den Schulen organisiert wird, verbindlich teilnehmen müssen, erklärt Bremerhavens Schuldezernent Michael Frost. "Allerdings gibt es in Bremerhaven die Besonderheit, dass der Unterricht in den Grundschulen nicht in vollen Klassenverbänden stattfinden wird, sondern maximal in Halbgruppen – also in deutlich kleineren Unterrichtsgruppen", so der Schuldezernent.

Die Halbgruppen haben dabei maximal die halbe Klassenstärke und sollen je zwei bis dreimal wöchentlich zur Schule kommen, sagt Frost. Bei einer Bandbreite von Grundschulklassen mit 20 bis 24 Kindern seien dies höchstens zwölf, in der Praxis eher weniger. Denn die Gruppen könnten auch kleiner ausfallen und zum Beispiel bei acht oder zehn Kindern liegen. Darüber entscheiden die Schulen je nach Personal- und Raumlage, so der Dezernent*. Die andere Halbgruppe bleibe im Home-Schooling. In den weiterführenden Schulen ab der 5. Klasse gilt laut Frost weiterhin an einem Stundenplan orientierter Distanzunterricht. Mit Ausnahme der Abschlussjahrgänge, die höhere Anteile vor Ort in der Schule haben, weil bestimmte Prüfungsvorbereitungen nur vor Ort stattfinden können, so Frost.
Warum wird der Wechselunterricht in Grundschulen verpflichtend?
Bisher hatten Eltern die Möglichkeit selbst zu entscheiden. Etwa ein Drittel der Grundschüler waren zuletzt gar nicht mehr in der Schule, sagt Schuldezernent Frost. Die Maßnahmen sollten dem nun entgegenwirken.
Ist es sinnvoll die Schulen bei einer Inzidenz von über 200 wieder zu öffnen?
An dieser Frage scheiden sich die Geister. In den sozialen Netzwerken äußern sich beispielsweise Eltern, die es gut finden und Eltern die das kritisieren. Der Bremerhavener Zentralelternbeirat würde sich bei einer Inzidenz von über 200 wünschen, dass die Präsenzpflicht ausgesetzt bleibt, sagte eine Sprecherin. Allerdings sei es gut, dass es nur Halbgruppen und keine ganzen Klassen wie in Bremen seien. Das sei ein Kompromiss, mit dem man leben könne. Der Bremerhavener Stadtschülerring hält die aktuelle Lösung ebenfalls für einen Kompromiss zwischen Präsenzbeschulung und Gesundheitsschutz. Er hätte die Entscheidung jedoch gerne bei den Eltern gesehen, ob ein Kind zur Grundschule geht.

Schuldezernent Frost begründet die Regelung angesichts der hohen Inzidenz so: In Grundschulen seien die Gruppen klein genug, sodass das Risiko gering sei. Mit dem Wechselunterricht in Halbgruppen werde der höheren Inzidenz in Bremerhaven Rechnung getragen und sichergestellt, dass die Kinder gut unterrichtet werden könnten: Mit Abstand, unter Einhaltung der Hygieneregelungen, in der Grundschule im Wechselsystem. In weiterführenden Schulen werde es weiterhin größtenteils Distanzunterricht geben, weil es da auch klassenübergreifende Kurse gebe.

*Zuvor war lediglich von acht bis zehn Kindern pro Halbgruppe die Rede gewesen.

Bremer Grundschuldirektoren wollen keine vollen Klassen

Video vom 22. Februar 2021
Mehrere Schülerinnen und Schüler in einem Klassenzimmer einer Schule.
Bild: Radio Bremen

Autoren

  • Patrick Florenkowsky
  • Joschka Schmitt Redakteur und Autor

Dieses Thema im Programm: Bremen Vier, Bremen Vier Läuft, 1. März 2021, 11:15 Uhr