Liebe unter Auflagen feiern: Worauf Brautpaare jetzt achten müssen

Hochzeitspaare haben es wegen der Corona-Pandemie gerade schwer. Wie es trotzdem ein unvergesslicher Tag wird, verrät ein frisch gebackenes Bremer Ehepaar.

Ein junges Brautpaar sitzt lachend auf der Rückbank eines Wagens
Haben sich am 20. Mai das Ja-Wort geben: Merle und Matthias Tegeler. Bild: Privat/Hill Media/Martin Sündermann

So hatten sich Merle und Matthias Tegeler ihre Hochzeit nicht vorgestellt. Seit August wurden Listen erstellt, Telefonate geführt, Einladungen verschickt und Kleider anprobiert. Der 20. Mai 2020 sollte für das junge Paar aus Bremen ein unvergesslicher Tag werden. Doch dann kam die Corona-Pandemie und damit die Kontaktbeschränkungen. Vier Wochen vor ihrem Hochzeitstermin kam die Absage für die Trauungs-Location. "Einfach so per Mail", sagt der 28-jährige Bremer. Nach dem Ja-Wort auf der Yacht "Nedeva" sollte es eigentlich in ein Restaurant gehen, für einige Tage später war alles für eine große Feier organisiert. So der Plan. Doch es kam alles anders.

Durch die Pandemie werden viele Hochzeitspläne zu Zitterpartien. Auch wenn die Standesämter Trauungen durchführen, sind die Hürden hoch: Abstandsregeln, Hygienekonzepte, begrenzte Personenanzahl in Trausälen, Feiern, die nicht stattfinden dürfen, Gäste, die nicht anreisen können oder Termine wie Kleideranproben, die nur mit Mundschutz gestattet sind.

Eine junge Frau trägt ein Brautkleid und eine Schutzmaske in einem Brautgeschäft
Die Kleideranprobe war für Merle Tegeler nur mit Mundschutz möglich. Bild: Privat

Für einige Brautpaare Grund genug, das Ja-Wort zu verschieben oder sogar abzublasen. Zwar werden die Zahlen der abgesagten Trauungen nicht statistisch erfasst, doch das Standesamt Bremen teilt mit, dass es in diesem Jahr im März und April Verschiebungen wegen der Corona-Einschränkungen gab. Insgesamt ist die Zahl der Eheschließungen in Bremen im April 2020 mit 491 geringer als im Vorjahr (531). In Bremerhaven trauten sich im April 2019 25 Paare, im April dieses Jahres tauschten laut dem Standesamt Bremerhaven nur 15 Paare die Eheringe. Doch von Trauungsfrust könne in Bremen keine Rede sein. Das Standesamt Bremen schätzt das Interesse an Eheschließungen in der gesamten bisherigen Corona-Phase als insgesamt hoch ein.

Eine Junge frau trägt eine Schutzmaske passend zum Brautkleid
Nur zur Probe: Das Tragen eines Mundschutz war bei der Trauung nicht nötig. Bild: Privat

Für Merle und Matthias war jederzeit klar, dass sie ihren Hochzeitstermin nicht verschieben wollten. "Auch wenn wir nur zu zweit vor dem Standesbeamten gesessen hätten, hätten wir uns das Ja-Wort gegeben", sagt die 29-jährige Bremerin.

Wir wollten auf jeden Fall heiraten. Man heiratet ja nicht, um zu feiern, sondern weil man sich entschieden hat, miteinander das Leben zu verbringen.

Matthias Tegeler

Doch diese Einschränkungen waren nicht nötig. Nach langem Bangen war klar: auch Eltern, Geschwister und Trauzeugen dürfen mit in den Trausaal. Vor 18 Gästen ging das Paar auf dem Lür-Kropp-Hof in Bremen-Oberneuland den Bund der Ehe ein. Zwar ohne Mundschutz, dafür aber mit Abstandsregeln.

Wie heiratet man während einer Pandemie?

Standesamtliche Trauungen finden derzeit nur unter Auflagen in Bremen statt; es gilt die Einhaltung eines Abstands- und Hygienekonzeptes. Neben dem Brautpaar und dem Standesbeamten können im Standesamt Bremen-Mitte zusätzlich drei Personen und im Standesamt Bremen-Nord zusätzlich acht Personen mit im Trauzimmer sein. Die Trauzeremonie begrenzt sich auf den amtlichen Teil. Zusätzliche Gäste dürfen sich auch nicht im Gebäude oder im Eingangsbereich der Standesämter aufhalten. An den Außentraustandorten gelten abhängig von der Größe des Trauortes unterschiedliche Regelungen.

Das raten Hochzeitsplaner

Plötzlicher Regenguss, verwischtes Make-Up, Rotweinflecken, verschwundene Ringe: Hochzeitsplaner sind normalerweise auf alle unmöglichen Möglichkeiten vorbereitet.

Doch auf eine Pandemie sind wohl die wenigsten eingestellt. Das Team der Hochzeitsplaner Bremen empfiehlt deshalb: "Storniert alle eure großen Hochzeiten ab 50 Personen und verlegt sie auf das nächste oder sogar noch besser aufs übernächste Jahr". Wichtig sei es, dabei flexibel zu sein, wenn 2021 geheiratet werden soll, denn Corona bringe Langzeitnebenwirkungen mit sich.

Die Verbraucherzentrale Bremen empfiehlt, sich bei Verschiebungen oder Stornierungen über Rechte und Pflichten zu informieren, bestehende Verträge zu checken und sich beraten zu lassen, um dann Vereinbarungen mit den Veranstaltern treffen zu können.

Unvergessliche Überraschungen

Ihre große Hochzeitsfeier konnte das Ehepaar Tegeler problemlos um ein Jahr verschieben. Zu ihrer Überraschung gab es trotzdem eine Party, nur eben ganz anders. Nach der Trauung und einem Restaurantbesuch in Verden ging es auf eine Hochzeitsrallye. Die Trauzeugen hatten eine Route durch Bremen organisiert, die das Brautpaar mit dem Auto abfuhr.

An jeder Station warteten Familie, Freunde, Bekannte und Kollegen mit Geschenken, Überraschungen oder musikalischen Ständchen auf die beiden - natürlich mit dem gebotenen Abstand. Immer wieder flossen Tränen der Rührung. Rund 50 Menschen konnten so doch noch Teil dieses besonderen Tages sein, den Merle und Matthias eigentlich anders geplant hatten.

Es war ein wahnsinnig schöner Tag.

Merle Tegeler

"Eine Feier kann man planen, aber was unsere Freunde da gemacht haben, kann man nicht planen", sagt Matthias Tegeler. Erst durch Corona sei der Tag so schön geworden wie er für das junge Paar letztlich war.

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Autorin

  • Sophie Schwarz

Dieses Thema im Programm: Bremen Vier, 25. März 2020, 7:10 Uhr