Fragen & Antworten

Hilfe für Eltern, die von Schul- und Kitaschließungen betroffen sind

Ab Montag bleiben Schulen und Kindertagesstätte in Bremen und Bremerhaven für einen Monat dicht. Was können Eltern tun, um den Nachwuchs zu betreuen?

Kinderschuhe liegen herum, im Hintergrund spielen Kinder mit einem Bällebad.
Kita und Schulen sind ab Montag zu: Für viele Eltern eine große Herausforderung. (Symbolbild) Bild: DPA | Friso Gentsch

Der Bremer Senat hat beschlossen, dass Schulen und Kindertagesstätte im Land Bremen ab Montag bis zum 14. April geschlossen bleiben. Ziel ist, die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen.

Insbesondere für berufstätige Eltern wird das zum echten Problem: Wer keinen Sonderurlaub oder Homeoffice beantragen kann, muss sich um eine alternative Betreuung des Nachwuchses kümmern. buten un binnen hat die wichtigsten Fragen und Antworten rund um das Thema zusammengetragen.

Gibt es eine Notbetreuung in den Kitas und Schulen?
Ja, aber nur für Kinder, deren Eltern bei der Polizei, Feuerwehr oder im Gesundheitswesen arbeiten. Der Grund: Die Notfallversorgung muss weiterhin gewährleistet werden. Diese Regelung betrifft auch Tagesmütter und -väter sowie alle Einrichtungen der Kindertagespflege. Die Bremische Evangelische Kirche teilte auf Nachfrage mit, dass eine Reduzierung der Kinderzahl in den Notdiensten geplant sei. Mitarbeiter in den Kindereinrichtungen sind also prinzipiell weiterhin im Dienst. Es war am Freitag nicht möglich, Träger der Jugendarbeit zu erreichen, um zu erfahren, ob die Jugendgruppen ebenfalls gestrichen sind.
Ob für weitere Berufsgruppen, die für die Aufrechterhaltung des öffentlichen Lebens relevant sind, auch noch Ausnahmen gemacht werden, wird im Laufe der kommenden Woche entschieden.
Müssen sich Mitarbeiter der Polizei, Feuerwehr und des Gesundheitssystems besondere Unterlagen für die Notbetreuung besorgen?
Laut Bildungssenatorin Claudia Bogedan (SPD) können diese Eltern ihre Kinder am Montag wie gewohnt in die Einrichtungen bringen. Dort werden sie dann gefragt, wo sie arbeiten. Sie müssen außerdem ihre Telefonnummer angeben.
Die Kita meines Kindes hat wegen des Corona-Virus vorsorglich geschlossen. Kann ich zu Hause bleiben?
Grundsätzlich müssen Beschäftigte die Betreuung des Kindes selbst sicherstellen, einfach zu Hause bleiben geht also nicht. "Auf jeden Fall sollten Eltern mit dem Arbeitgeber sprechen und nach Lösungen suchen", sagt Hauer. Vielleicht lasse sich im Homeoffice arbeiten oder das Kind könne mit zur Arbeit kommen. Im Einzelfall kann die gesetzliche Regelung greifen, wonach das Gehalt dann weitergezahlt wird, wenn man für vorübergehend kurze Zeit ohne Verschulden der Arbeit fernbleibt. Dann aber darf auch wirklich keine andere Betreuungsmöglichkeit bestanden haben. Zudem muss bei diesem Anspruch geprüft werden, ob er nicht im Arbeits- oder Tarifvertrag ausgeschlossen ist und daher nicht greift.
Darf ich mehrere Kinder von Freunden oder Nachbarn bei mir aufnehmen und einige Stunden lang betreuen?
Es wird sicherlich dazu kommen, optimal ist das allerdings nicht – so lautet das Fazit des Epidemiologen Hajo Zeeb vom Bremer Leibniz-Institut für Präventionsforschung. Je kleiner die Gruppe der Kinder, desto besser. Am besten wäre, dass die Kinder zu Hause einzeln betreut würden. Wer unbedingt auf externe Hilfe angewiesen ist, sollte darauf aufpassen, dass keines der Kinder krank ist. Gleiches gilt für alle anderen Beteiligten, wie die Familie oder auch die Person, die die Kinder bei sich aufnimmt. "Es muss eine Abwägung getroffen werden", sagt Zeeb. Das größte Problem beim Coronavirus ist jedoch, dass nicht alle Infizierten Symptome zeigen.
Was sollte man beachten, wenn man Kinder in kleinen Gruppen zusammenschließt?
Auf gar keinen Fall sollten Menschen mit Vorerkrankungen Kinder bei sich aufnehmen. Dabei spielt das Alter der betreuenden Person erstmal keine Rolle. Ein No-Go sind allerdings ältere Menschen wie etwa Großeltern. Sie sollten nicht zu Großversorgern werden, sagt Zeeb. Das gilt nicht nur für kleine Kindergruppen, sondern auch für die eigenen Enkel.

Es gibt keine genaue Altersgrenze: Es geht vor allem um die Fitness der Person. Ab 65, 70 Jahren nehmen jedoch die Erkrankungen in der Regel zu wie Herz-Kreislauf-Probleme und so weiter. Für ältere Menschen ist es auch deshalb deutlich gefährlicher

Hajo Zeeb
Hajo Zeeb, Leibniz-Institut für Präventionsforschung
Dürfen Teenager auf ihre Geschwister aufpassen?
Das muss im Einzelfall abgewogen werden. Sicherlich sollte man das nicht überziehen, sagt Zeeb. Die gesamte Betreuung der Kinder sollte nicht auf die älteren Geschwister abgewälzt werden. Zudem sollte der Jugendliche reif genug sein, um auf die Schwester oder den Bruder aufpassen zu können. Auf gar keinen Fall sollten sich laut Experten Kinder um ihre Geschwister kümmern, wenn sie jünger als zwölf Jahre sind. Rechtlich gesehen wäre sicherer, wenn der Jugendliche mindestens 16 Jahre alt ist. „Man kann aber sicherlich Zwischenwege finden, zum Beispiel mit Bezugspersonen in der Nachbarschaft, an die sich die Kinder in einem Notfall wenden können“, schlägt Wissenschaftler Zeeb vor. Martin Stoevesandt vom Zentralen Elternverband Bremen rät: "Nutzen Sie jetzt ihre privaten, ihre sozialen Netzwerke." Alle müssten sich jetzt gegenseitig unterstützen: "Wir sitzen alle in einem Boot."

Wir müssen nach neuen Lösungen gucken für diese besondere Situation.

Hajo Zeeb
Hajo Zeeb, Bremer Leibniz-Institut für Präventionsforschung
Dürfen sich Kinder und Teenager mit Freunden treffen oder Sport treiben?
Im Allgemeinen gilt: Das soziale Leben sollte so weit wie möglich eingeschränkt werden. Wenn es unbedingt sein soll, dann sollten Treffen lieber in kleineren Gruppen stattfinden und stets mit Kindern, die keine Symptome aufweisen. Problematisch bleibt, dass Corona-Infektionen asymptomatisch verlaufen können und nicht immer sofort erkennbar sind.
Gruppensport ist ebenfalls nicht optimal. Anders sieht es bei Einzelsportarten wie Joggen aus. Diese sind durchaus erlaubt. Wer sich unbedingt für ein Fußball-Match im kleinen Rahmen treffen möchte, sollte auch das am besten im Freien tun – und nicht in einer Halle, sagt Zeeb. Städtische Sportanlagen bleiben sowieso bis zum Ende der Osterferien geschlossen.

Corona: alles über Schulausfall und Kita-Schließung in Bremen

Video vom 13. März 2020
Eine leere Schulklasse, in der die Stühle hochgestellt sind.

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Autorin

  • Serena Bilanceri

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 13. März 2020, 19:10 Uhr