Durchführung von Corona-Tests: Hat Bremen ein Konzept?

Von flächendeckenden Covid-19-Tests ist das Land Bremen noch weit entfernt. Zwar werden immer mehr durchgeführt, doch das Land stößt jetzt schon an seine Grenzen.

Video vom 20. Mai 2020
Mehrere Proben werden in einem Labor bearbeitet.
Bild: Radio Bremen

Bremen will künftig mehr Corona-Tests durchführen. Das gilt allerdings nur für Einrichtungen, in denen es bereits Covid-19-Fälle gibt. Anlassunabhängige Tests gibt es weiterhin nicht. Das hat die Gesundheitsbehörde buten un binnen auf Anfrage mitgeteilt.

"Wir testen bereits jetzt in Pflegeeinrichtung, aber auch Betrieben, in denen es Ausbrüche gibt – aber das wollen wir noch einmal ausbauen", sagt Lukas Fuhrmann, Sprecher der Gesundheitsbehörde. Derzeit würden in Bremen täglich etwa 840 Tests durchgeführt. Das entspricht einer Verdoppelung binnen zweier Wochen. Theoretisch verfügt Bremen über eine Kapazität von über 1.200 Tests pro Tag.

Tests sind wichtiges Element der Lockerungen

CDU und Grüne fordern, dass Bremen in einigen Bereichen auch ohne konkreten Anlass testen solle. Rainer Bensch, gesundheitspolitischer Sprecher der CDU, hat dabei vor allem die Pflegeheime im Blick. "Wenn wir wollen, dass die dort Beschäftigten sowie die Bewohner nicht mehr in ständiger Angst und Isolation leben müssen, dann sollten wir dort zielgerichtet und mehrfach testen - dann können wir faktenbasiert Lockerungen ermöglichen", sagt er.

Neben pflegerischem sollte auch medizinisches Personal in Krankenhäusern und Praxen regelmäßigen Corona-Tests unterzogen werden, findet Ilona Osterkamp-Weber, die sich für die Grünen-Fraktion mit Gesundheitsfragen beschäftigt. "Ich bin der festen Überzeugung, dass Infektionsgeschehen nur dadurch früh erkannt werden kann", sagt sie. Denn viele Menschen zeigten keine sichtbaren Symptome und seien dennoch ansteckend.

Auch eine Frage des Geldes

Diesen Forderungen erteilt die Gesundheitsbehörde allerdings eine Absage. "Um mehr als eine Momentaufnahme zu bekommen, müssten wir alle Bewohnerinnen und Bewohner sowie das Personal von Einrichtungen zweimal wöchentlich testen und das übersteigt die Kapazitäten, die tatsächlich vorhanden sind", sagt Sprecher Lukas Fuhrmann.

Deutlich mehr Tests sind theoretisch zwar machbar, würden aber deutlich höhere Ausgaben bedeuten. Um dieses zusätzliche Geld auszugeben, fehlt im Bremer Senat derzeit der politische Wille.

Kostenübernahme wird neu geregelt

Bundestag und Bundesrat hatten beschlossen, in Pflegeheimen und Krankenhäusern verstärkt auf das Coronavirus zu testen. Nach bisheriger Rechtslage mussten die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für Corona-Tests nur bei Personen mit Symptomen übernehmen. Mit der Neuregelung werden Tests laut Bundesgesundheitsministerium in einem weiteren Umfang als bisher möglich. Das neue Pandemieschutzgesetz legt fest, dass die gesetzlichen Krankenkassen Corona-Tests auch dann bezahlen müssen, wenn jemand keine Symptome zeigt.

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Autor

  • Sebastian Manz

Dieses Thema im Programm: buten und binnen, 21. Mai 2020, 19:30 Uhr