Meinungsmelder

Axel aus Oyten: "Da habe ich erst einmal ganz schön geschluckt"

Der Ton in der Seuche sei rau, sagt Axel. Um bleibende Schäden im Miteinander abzuwenden, müsse man viel auf andere zugehen. Gut sei eine Einladung zum Eis.

Axel Brandt
Findet Diskussionen wichtig, Zerwürfnisse überflüssig: Axel aus Oyten. Bild: Axel Brandt

Der Umgang der Menschen miteinander habe sich in der Corona-Pandemie verschärft, findet Axel: "Das sieht man besonders deutlich auf Twitter." Dort würden – gerade wenn es um Corona gehe – immer weniger Fragen beantwortet. "Aber bei ihren Kommentaren gehen die Leute immer gleich richtig in die Vollen", hat der 68-jährige aus Oyten beobachtet.

Bedenklich finde er das. Denn Diskussionskultur zeichne sich dadurch aus, dass man sich vernünftig mit der Position des Anderen auseinandersetze. Hierzu müsse man sich aufeinander zubewegen. Wie das aussehen kann, erklärt der Oytener anhand eines persönlichen Beispiels.

Streit um die Impfreihenfolge

Über Impfungen hätten viele Menschen in Bremen und umzu zuletzt besonders heftig gestritten, glaubt er. Auch zu ihm habe eine Bekannte gesagt: "Du hast es gut. Dir als Rentner macht es nichts aus, wenn Du zu Hause rumsitzen musst. Ich bin im Berufsleben. Ich müsste eigentlich zuerst geimpft werden." Bei ihm sei es nicht so eilig.

"Da habe ich erst einmal ganz schön geschluckt", sagt Axel. Dann aber habe er versucht, die Diskussion aufzunehmen, habe darauf hingewiesen, dass ältere Menschen viel stärker durch Corona bedroht seien als jüngere, viel öfter schwer erkrankten. "Darauf ging meine Bekannte aber gar nicht ein", blickt er zurück.

Ganz im Gegenteil. Sie habe noch eins drauf gesetzt: "Wieso soll ich überhaupt eine Maske tragen? Die schützt sowieso nicht", habe sie gesagt. Mit dem Argument, dass das Tragen der Masken aber andere Menschen schützen könne, sei er gar nicht erst zu seiner Bekannten durchgedrungen. In der Folge sei möglicherweise auch er etwas schärfer im Ton geworden. Und die Debatte sei beendet gewesen.

"Ich werde die Dame auf ein Eis einladen"

Doch dabei möchte Axel es nicht belassen. Aus seiner Zeit als Betriebsrat bei Daimler wisse er, dass es im Zweifel immer das Beste sei, den ersten Schritt zu machen und auf den anderen zuzugehen, um einen Konflikt zu lösen: "Ich werde die Dame auf ein Eis einladen", erklärt er. "Wir schätzen uns doch schließlich eigentlich auch."

Mitunter, so seine Erfahrung, helfe es auch, ein Gespräch über vollkommen unverfängliche Themen wieder aufzunehmen. Manchmal entspanne sich die Situation auch wie von selbst, wenn noch eine dritte Person hinzukomme. Natürlich immer vorausgesetzt, dass dies mit der aktuellen Corona-Verordnung in Einklang zu bringen sei. "Und natürlich sollte diese Person der anderen auch sympathisch sein", fügt Axel lachend hinzu. Schließlich gelte es, einen Streit aus der Welt zu schaffen, nicht, einen neuen vom Zaun zu brechen.

Per Mausklick zu anderen Geschichten unserer Meinungsmelder

Eine Grafik die zur Navigation dient. In Kreisen sind die einzelnen Zitatgeber bzw. Symbolbilder dargestellt. Versöhnung mit der Schwester Corona-Streit: Pit vermisst seinen Freund Wir schreibenwieder Briefe Ich bin isoliert Man muss sich auch mal trennen können Ich breche keine Kontakte ab Ich verstehe die Diskussionskultur nicht Meine Schwiegermutter driftet ab Die Beziehung zu den Eltern ist stärker Manchmal muss es einfach mal krachen
Bild: Radio Bremen

Ist Herdenimmunität regional denkbar und ab wann könnte sie eintreten?

Video vom 11. Mai 2021
Eine Ärztin, die eine Spritze in der Hand hält. Die Frau steht seitlich zur Kamera.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Autor

  • Alexander Schnackenburg Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 14. Mai, 19:30 Uhr