So bringt der Welthandel-Boom die Hafen-Logistik im Land Bremen in Not

Audio vom 10. Mai 2021
Luftaufnahme vom Containerterminal Bremerhaven
Bild: DPA | blickwinkel/Luftbild Bertram
Bild: DPA | blickwinkel/Luftbild Bertram

Die Corona-Krise hat den Überseehandel durch das Online-Geschäft nochmal beschleunigt. Das bringt die Hafen-Logistik in Bedrängnis – auch am Bremerhavener Containerterminal.

Der Im- und Export über die Häfen brummt. So auch auf dem Bremerhavener Containerterminal. Und das besonders in der Corona-Krise, die den Online-Handel nochmal beschleunigt hat. Allerdings stockt der Handel mit Asien, es gibt zu wenig freie Schiffe und Container. Und viele Fahrpläne sind durch die Pandemie durcheinandergeraten. Die Folge: Verzögerungen sind an der Tagesordnung. Der Welthandel steht Kopf, wie kann es weitergehen?

Viel Arbeit im Hafen und noch mehr Druck

Auf den ersten Blick sieht alles aus wie immer auf dem Containerterminal. Die Boxen stapeln sich wie gewohnt. Die Transportfahrzeuge, die Container zu den Schiffen fahren – sogenannte Van Carrier – flitzen hin und her. Die Kajen sind randvoll. Arbeit ist jede Menge da, heißt es von Hafenarbeitern. Hinter den Kulissen herrscht jedoch mehr Druck denn je – die Terminals in den Häfen sind aus Sicht der Spediteure an der Belastungsgrenze. Und in manchen Läden fehlen schon erste Produkte, weil sie noch in Containern festhängen.

Oliver Oestreich
Oliver Oestreich ist Vorsitzender des Vereins der Bremer Spediteure und sagt, es könne in der Hafen-Logistik nicht weitergehen, wie bisher. Bild: Radio Bremen

Die Fahrplan-Pünktlichkeit liegt unter 40 Prozent, sagt Oliver Oestreich, Vorsitzender des Vereins der Bremer Spediteure: "Rein rechnerisch ist mehr als jedes zweite Schiff unpünktlich." Wenn die Schiffe normalerweise 35 Tage nach Shanghai brauchen, aber auf einmal 42 Tage unterwegs sind, dann macht das einen zeitlichen Unterschied von 20 Prozent, rechnet Oestreich vor. Das wirke sich auf die Container aus, die erst sieben Tage später wieder zur Verfügung stünden. Dieser Effekt sei schwer zu handlen.

Das ist ein Problem, das nicht so schnell gelöst ist und uns bestimmt noch zwei Monate beschäftigen wird. Viele gehen schon davon aus, dass es das ganze Jahr 2021 dauern wird, bis wir wieder in ein normales Fahrwasser kommen.

Oliver Oestreich, Vorsitzender des Vereins der Bremer Spediteure

Hinzu kommt, dass die Frachtraten in den vergangenen Monaten geradezu explodiert sind. Da zu der Zeit nicht ausreichend Container da waren, habe es Situationen gegeben, in denen Reedern keine Container für feste Buchungen zur Verfügung gestanden hätten. In dieser Zeit hätten sich die Raten teilweise verzehnfacht, sagt Oestreich. Der Transportpreis für einen Container von Asien nach Europa sei mitunter von 1.000 Euro auf 10.000 Euro hochgeschnellt.

Keine nachhaltige Veränderung im Welthandel erwartet

Trotzdem glaubt der Vorsitzende des Vereins der Bremer Spediteure nicht, dass sich der Welthandel mit Blick auf die Corona-Krise deutlich verändern wird. Versuche selbst wieder stärker in Europa zu produzieren seien nicht über Nacht machbar. "Es kann sein, dass in Osteuropa wieder mehr angesiedelt wird, aber wir hier in Deutschland sind ein Hochlohnland", sagt Oestreich.

Laut Burkhard Lemper, Professor am Bremer Institut für Seeverkehrslogistik, agieren große Containerreedereien inzwischen in Allianzen: "Die sind so marktmächtig, dass es Sinn macht, auf Seiten der Häfen durch Kooperation auch entsprechende Gegenmacht zu bilden, um Preise durchsetzen zu können, die ein Überleben sichern." Die Bremer Spediteure dringen unterdessen darauf, dass die deutschen Häfen wettbewerbsfähiger werden müssten.

Möglicher Zusammenschluss von Bremen und Hamburg

Einen möglichen Zusammenschluss der Terminalbetreiber Eurogate aus Bremen mit der Hamburger Hafen und Logistik HHLA hält Oestreich für den richtigen Weg. Man müsse die Beteiligten in Ruhe verhandeln lassen. "Ich behaupte mal, je weniger man davon hört, um so weiter könnten die auch sein." Forderungen von Seiten des Senats, nach einer gemeinsamen Firmenzentrale in Bremen, sieht er weniger erfolgversprechend. Dennoch müsse man zu einer Form der Zusammenarbeit kommen. Schließlich würden in der aktuellen Situation Verluste gefahren. Oestreich sagt: "Da kann man einfach nicht mehr so weitermachen wie bisher."

Bremer Spediteure klagen über massive Probleme im Überseehandel

Video vom 26. April 2021
Ein Kran hält ein Kontainer am Hafen.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Autoren

  • Dirk Bliedtner
  • Joschka Schmitt Redakteur und Autor

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Vormittag, 10. Mai 2021, 11:15 Uhr