Chronologie: Die Krankenhaus-Morde von Niels Högel

Erste Verdachtsmomente gab es früh – die beispiellose Mordserie des Ex-Krankenpflegers Niels Högel kam jedoch erst nach und nach ans Licht.

Leeres Bett in einer Intensivstation
Über Jahre hinweg hat Nils Högel Patienten vergiftet und gezielt in Lebensgefahr gebracht, um bei der Wiederbelebung als Held gefeiert zu werden. Bild: DPA | Daniel Reinhardt

1999-2002: Niels Högel, Sohn eines Krankenpflegers, wechselt von seiner Ausbildungs-Klinik in Wilhelmshaven zum Klinikum Oldenburg, wo er in der herzchirurgischen Intensivstation arbeitet. Bei etwa 60 Prozent der Sterbefälle im Jahr 2001 ist Högel im Dienst.

2002-2005: Der Pfleger arbeitet auf der Intensivstation im Klinikum Delmenhorst.

Juni 2005: Eine Krankenschwester ertappt Niels Höge im Klinikum Delmenhorst auf frischer Tat, als er einem Patienten ein Herzmittel verabreichen will, das dieser gar nicht bekommen soll. Der 63-Jährige stirbt kurz darauf.

2006: Im Prozess vor dem Landgericht Oldenburg geht es zunächst nur um diesen einen Fall. Das Urteil: fünf Jahre Haft wegen versuchten Totschlags. Der Bundesgerichtshof kippt das Urteil.

Juni 2008: Im Revisionsprozess verurteilt das Landgericht Oldenburg den ehemaligen Pfleger zu siebeneinhalb Jahren Haft wegen Mordversuchs. Erste Verdachtsmomente auf mögliche weitere Fälle, die der Delmenhorster Oberarzt in beiden Prozessen bereits äußert, werden nicht weiterverfolgt.

2008 - 2010: Die Tochter einer Patientin erfährt aus den Medien von Högel und schöpft Verdacht. 2009 wird die Mutter exhumiert, 2010 sieben weitere mögliche Opfer.

Januar 2014: Die Staatsanwaltschaft erhebt erneut Anklage gegen Niels Högel, der Prozess beginnt im September. Zunächst geht es um dreifachen Mord und zweifachen Mordversuch.

Oktober 2014: Drei Mithäftlinge sagen aus. Die Hinweise verdichten sich, das Höge weit über 50 Menschen getötet hat.

November 2014: Die Ermittler suchen systematisch nach Auffälligkeiten in Höges ehemaligen Dienststellen während seiner dortigen Beschäftigungszeit. Inzwischen wird mehr als 200 Verdachtsfällen nachgegangen. Die Sonderkommission "Kardio" wird gegründet.

Januar 2015: Niels Högel gesteht vor Gericht etwa 90 Taten. Bis zu 30 Patienten sollen gestorben sein.

Februar 2015: Das Landgericht Oldenburg verurteilt Högel wegen zweifachen Mordes, zweifachen Mordversuchs und gefährlicher Körperverletzung an Patienten in Delmenhorst zu lebenslanger Haft.

März 2015: Nachdem mehr als 500 Patientenakten ausgewertet wurden, werden auf dem Friedhof in Ganderkesee die ersten Gräber geöffnet, um ehemalige Patienten zu untersuchen. Die Staatsanwaltschaft ordnet insgesamt Exhumierungen von 134 Leichen auf 67 Friedhöfen an.

Mai 2015: Sowohl das Klinikum Delmenhorst als auch das Klinikum Oldenburg kündigen an, den Angehörigen der Opfer Entschädigungszahlungen anzubieten.

Juni 2016: Die Ermittler geben bekannt, dass Niels Högel für mindestens 33 Todesfälle am Klinikum Delmenhorst verantwortlich ist. Er habe gestanden, auch am Klinikum Oldenburg Patienten getötet zu haben.

März 2017: Zwei Oberärzte und der früheren Leiter der Intensivstation Delmenhorst werden angeklagt wegen "Totschlags durch Unterlassen", da sie trotz Verdachtsmomenten untätig geblieben waren.

November 2017: Niels Högel wird mittlerweile vorgeworfen, mindestens 106 Menschen getötet zu haben. Die Staatsanwaltschaft plant eine Anklageerhebung für Anfang 2018.

Januar 2018: Die neue Anklage der Staatsanwaltschaft Oldenburg will Niels Högel für weitere 97 Morde zur Verantwortung ziehen. Während seiner Arbeit im Klinikum Delmenhorst soll es zu 62 Taten gekommen sein, Oldenburg ordnen die Ermittler der Soko Kardio 35 Fälle zu.

März 2018: Das Verfahren gegen Niels Högel soll wegen des großen Umfangs — es gibt 126 Nebenkläger — in der Oldenburger Weser-Ems-Halle stattfinden.

April 2018: Niels Högel wird eines weiteren Mordes angeklagt — der Fall war zunächst wegen eines Übermittlungsfehlers nicht aufgenommen worden. Er muss sich jetzt für 98 Morde verantworten.

September 2018: Die Staatsanwaltschaft Oldenburg erhebt erneut Anklage wegen Mordes gegen Niels Högel. Die Begründung: Das Ergebnis einer Obduktion in der Türkei hat ergeben, dass auch bei diesem Patienten ein nicht notwendiges Herzmedikament verwendet wurde.

Oktober 2018: Gegenüber einem Psychiater gibt der Ex-Krankenpfleger zu, sich an einen weiteren Mord zu erinnern. Durch das Geständnis erhöht sich der Prozess wegen des Todes von 99 Patienten auf 100 Opfer.

Oktober 2018: Dem ehemalige Krankenpfleger wird die wohl größte Mordserie in der deutschen Nachkriegsgeschichte vorgeworfen. Der Prozess beginnt am 30. Oktober mit einer Schweigeminute für die Opfer. Högel beantwortet die Frage, ob die Tatvorwürfe größtenteils zuträfen, kurz und knapp mit "Ja".

Mai 2019: Am 16. Mai hält die Staatsanwaltschaft ihr Plädoyer. Tags drauf folgt das der Nebenklage-Vertreter.

6. Juni 2019: Nachdem die Verteidigung am Tag zuvor ihr Plädoyer gehalten hat, folgt der Urteilsspruch vor dem Landgericht Oldenburg.

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 16. Mai 2019, 19:30 Uhr

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