Bremer Liebfrauenkirche öffnet nachts für frierende Obdachlose

Wohnungslose sollen so vor dem Erfrieren bewahrt werden. Die Innenstadtkirche ist ab sofort von 19.30 Uhr bis 10 Uhr morgens für sie geöffnet. Verpflegung gibt es auch.

Besucher begutachten die Innenarchitektur der Liebfrauenkirche in Bremen.
Die Bremer Liebfrauenkirche wird jetzt zur Notunterkunft für Obdachlose in der Nacht. (Archivbild) Bild: Radio Bremen | Merle Strudthoff

Um obdachlose Menschen in Bremen angesichts der heftigen Frostperiode nachts vor dem Erfrieren zu bewahren, wird ab sofort die evangelische Liebfrauenkirche in der Innenstadt geöffnet. Sie biete von abends 19.30 Uhr bis morgens um 10 Uhr Kälteschutz, so Kirchensprecherin Sabine Hatscher.

Unter Beteiligung der Sozialbehörde sei nach einem großen Raum gesucht worden. Er werde für Menschen benötigt, die nicht bewusst Notunterkünfte ansteuerten und meinten, die Nacht draußen überstehen zu können. Polizei und Streetworker sprechen solche Obdachlose auf der Straße an und machen sie auf die Übernachtungsmöglichkeit in Liebfrauen aufmerksam.

Die Kirche bietet unter Beachtung eines Corona-Hygienekonzepts Platz für bis zu 40 Gäste.

Kirchensprecherin Sabine Hatscher

Der Schutz solle für mindestens eine Woche angeboten werden. In der kommenden Nacht und auch in der Nacht von Sonnabend auf Sonntag warnen die Wetterdienste in Bremen vor strengem Frost weit unter minus 10 Grad Celsius.

Wer kommt, erhält von Ehrenamtlichen zunächst ein warmes Getränk und eine Mahlzeit, am nächsten Morgen gibt es ein Frühstück. Die Sozialbehörde stelle einen Sicherheitsdienst, hieß es. Auch Mitarbeitende der ambulanten Drogenhilfe stünden zeitweise für Beratungen bereit und achteten auf die Einhaltung der Regeln, denn Alkohol-, Tabak- und Drogenkonsum seien in der Kirche verboten.

550 Menschen nutzen Notunterkünfte in Bremen

Am Morgen informierten bei Bedarf Streetworker darüber hinaus über Orte, an denen sich die Gäste tagsüber aufwärmen und Mahlzeiten erhalten könnten. In Bremen werden die Notunterkünfte nach Angaben der Sozialbehörde derzeit von 550 obdachlosen Menschen genutzt. Anders als sonst können sie auch tagsüber bleiben.

Unterstützung gibt es auch in der kirchlichen Begegnungsstätte "Bremer Treff", in diakonischen Einrichtungen wie dem "Frauenzimmer" und dem "Café Papagei" sowie durch die Bremer Straßenbahn AG. Sie hat auf der Bürgerweide einen Wärmebus postiert. Nicht zuletzt können derzeit wohnungs- und obdachlose Menschen kostenlos in Bussen und Bahnen des Unternehmens mitfahren, um sich aufzuwärmen.

Viele alternative Angebote für tagsüber

Die Johanniter stehen überdies mit ihrem "Kältebus" an drei Abenden in der Woche vor dem Hauptbahnhof. An Bord gibt es heiße Getränke, Kuchen, Snacks, Suppe, Schlafsäcke, Isomatten, Bekleidung und Masken. Nach Angaben der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAGW) sind in diesem Winter bereits mindestens 20 wohnungslose Frauen und Männer in Deutschland in der Kälte gestorben. "So viele Kältetote hatten wir in den letzten Wintern nie", sagt BAGW-Geschäftsführerin Werena Rosenke am Freitag.

Allerdings sei von einer Dunkelziffer auszugehen. Nicht jeder Fall werde der Bundesarbeitsgemeinschaft bekannt. In Bremen gab es nach Informationen der Sozialbehörde dieses Jahr noch keine Kältetote. In Bremen gibt es schätzungsweise bis zu 600 obdachlose Menschen,
darunter viele aus Rumänien und Bulgarien.

Kälte-Einbruch: Wie geht es Bremens Wohnungslosen?

Video vom 11. Februar 2021
Ein Obdachloser in der Bremer Innenstadt unter einer Unterführung auf seinem Lager. Es ist Winter und es liegt Schnee.
Bild: Radio Bremen

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Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 11. Februar 2021, 19:30 Uhr