Risikogruppe Lehrer: Gibt es genug Personal für Bremens Schulstart?

Die Klassenzimmer sind ab Donnerstag wieder voll. Doch wer vorne an der Tafel steht, ist noch nicht überall klar. Lehrkräfte mit Vorerkrankung können ein Attest bekommen.

Eine Lehrerin schreibt etwas an eine Tafel
Noch ist unklar, wie viele Lehrerinnen und Lehrer ausfallen, weil sie zur Corona-Risikogruppe zählen. Bild: DPA | Mohssen Assanimoghaddam

Wer als Lehrer oder Lehrerin zur Risikogruppe gehört, kann sich vom Unterricht in der Schule befreien lassen. Wie, das ist in den verschiedenen Bundesländern ganz unterschiedlich geregelt und führt mitunter zu großen Diskussionen.

In Schleswig-Holstein, wo Bildungsministerin Karin Prien (CDU) einen recht harten Kurs fährt, müssen sich Risikopatienten vor einer Freistellung einer betriebsärztlichen Prüfung unterziehen. Die hat es offensichtlich in sich: Von 1.600 Kollegen, die in Schleswig-Holstein ein ärztliches Attest vorgelegt haben, wurden am Ende nur gut 30 vom Unterricht in den Schulen befreit. In Niedersachsen und auch in Bremen hingegen reicht ein einfaches Attest.

Präsenz bedeutet Risiko

So haben Bremens Lehrerinnen und Lehrer die Möglichkeit, sich mit einem ärztlichen Attest vom sogenannten Präsenzunterricht im Klassenzimmer befreien zu lassen. Schätzungen zufolge könnten das etwa zehn Prozent der Lehrkräfte tun. Vor den Sommerferien waren das noch weit weniger – als die Klassen, Flure und auch die Lehrerzimmer noch deutlich leerer waren.

Angelika Hanauer vom Personalrat Schulen in Bremen kann sich deshalb vorstellen, dass nun zum Schulstart mehr Lehrkräfte ausfallen: Einige hätten bestätigt, dass sie sich in Halbgruppen noch wohlgefühlt hätten "mit ihrem Risikofaktor". Das hat sich aber mit den neuen Bedingungen geändert. Sie wollten nun "doch lieber aus der Distanz unterrichten oder andere Aufgaben" übernehmen. Wie viele das sind, ist einen Tag vor Schulstart noch nicht raus.

Attest ist keine Beurlaubung

Ein ärztliches Attest befreit die Lehrerinnen und Lehrer in Bremen nicht von der Arbeit, sondern nur vom Präsenzunterricht. Aus dem Homeoffice sollen sie stattdessen dann den Unterricht vor- und nachbereiten, digitalen Unterricht durchführen oder sich um Schülerinnen und Schüler kümmern, die ebenfalls zur Risikogruppe gehören. Ein Luxusproblem? Immerhin haben Mitarbeitende in anderen Arbeitsbereichen wie beispielsweise der Pflege solche Wahlmöglichkeiten nicht.

Angelika Hanauer
Angelika Hanauer vom Personalrat Schule sieht den Zwiespalt, in dem manche Lehrer nun stecken. Bild: privat

Angelika Hanauer vom Personalrat Schulen argumentiert, dass andere Berufsgruppen sich aber auch nicht mit 30 anderen Menschen ohne Maske und garantiertem Abstand in einen Raum begeben und dort eineinhalb Stunden zusammen die selbe Luft einatmen. "Die Lehrer begeben sich jetzt Anfang des Schuljahres in ein besonderes Risiko", so Hanauer. Man fordere nur ausreichenden Schutz. Keiner sage: "Lasst die Schulen zu oder schickt die Schüler zur Hälfte weg."

Lehrer gehen ins Risiko

Ein Schulleiter, der diesem Ruf folgt, ist Markus Zschüntzsch. Er leitet das Schulzentrum Bördestraße und in seiner 100 Lehrkräfte umfassenden Lehrerschaft sind immerhin sieben potenzielle Risikopatienten. Doch keiner von ihnen möchte zu Hause bleiben. Deshalb versorgt Zschüntzsch diese Lehrkräfte mit FFP2-Masken und teilt ihnen jene Räume zu, die sich besonders gut lüften lassen.

Das täten sie, weil sie gerne unterrichten wollten. "Die hängen an ihren Schülern, die fiebern mit ihren Schülern mit, die wollen, dass die Prüfungen geschafft werden. Lehrer zu sein, heißt auch Beziehungsarbeit zu leisten. Und dafür muss man im selben Raum sein."

Späte Abfrage durch Behörde

Andere Schulen sind jedoch noch nicht so gut vorbereitet. Viele sind gerade erst – wenige Tage vor Schuljahresbeginn – dabei, ihre personelle Situation zu klären. Und auch die Behörde hat erst am Montag eine Abfrage bei den Schulen gestartet, wie viele Lehrkräfte denn nun risikogruppenbedingt im Präsenzunterricht fehlen werden. Reichlich spät, findet auch Angelika Hanauer. Nun sind sowohl Behörde als auch die Schulleitungen unter großem Zeitdruck.

Wie groß die Lücke im Präsenzunterricht ab Donnerstag dann tatsächlich sein wird, bleibt abzuwarten. Die Bildungsbehörde zumindest ist zuversichtlich, dass die Schulen eventuelle Lücken gut selbst schließen können.

So organisiert Bremen den Corona-Regelbetrieb an Schulen

Video vom 25. August 2020
Ein Klassenzimmer im Gymnasium Hamburger Straße ohne Schüler.
Bild: Radio Bremen

Autorin

  • Katharina Mild

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 26.August 2020, 8:10 Uhr